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Image size 22 Kb Das Rivoli ist eines der raren Restaurants in Helsinki [Straße: Albertinkatu], das jahrzehntelang unter dem gleichen Namen, an der gleichen Stelle und im Besitz der gleichen Familie einen gastronomischen Fixpunkt in der finnischen Metropole bildet. Es wurde 1962 von Ragni Rissanen gegründet und stand in den 60er Jahren für eine hierzulande neue, ungezwungene Restaurantkultur - ohne Krawattenzwang und ohne einen mißtrauisch äugenden Portier. Neu waren auch die Meeresfrüchte - Hummer, Krabben und Austern - die das Rivoli als erstes Restaurant nach dem Krieg selbst importierte und servierte.

Die kleinwüchsige Ragni Rissanen nähert sich auf hohen Stöckelschuhen, aufrecht und putzmunter. Schwer zu glauben, daß dieses Energiebündel schon auf die Siebzig zugeht. Ragni Rissanen zählt unzweifelhaft zum Adel des finnischen Gastronomiegewerbes, sie ist eine Vollblut-Unternehmerin. Ihre Karriere verlief nicht immer geradlinig, aber auch die harten 90er Jahre haben die resolute Madame nicht in die Knie zwingen können.

Unternehmensgeist und Durchhaltevermögen

Nach dem Rivoli gründete oder kaufte Ragni Rissanen zahlreiche weitere Restaurants hinzu und baute die Hotelkette Rivoli Jardin auf. In den besten Jahren beschäftigte ihr Gastronomie-Imperium über 400 Personen. Als Anfang der 90er Jahren die Branche unter mangelnder Nachfrage stöhnte, gerieten auch die Rissanen-Betriebe in Turbulenzen und mußten allesamt Konkurs anmelden. Der Fall war tief, auch der persönliche Besitz war perdu, doch Ragni Rissanens Unternehmensgeist war ungebrochen: Sie verkaufte frohgemut mit einer Freundin auf dem Markplatz Ofenkartoffeln.

„Da sei mein Durchhaltevermögen vor, daß die Banken mir vorschreiben können, wann ich aufzuhören habe. Das bestimme ich selbst. Ich habe nicht einen Augenblick daran gedacht aufzugeben”, beteuert Rissanen.

Unternehmensgeist und der Wille zu zeigen, daß es trotz allem zu schaffen ist, motivierten sie auch nach dem steilen Absturz. Und sie rappelte sich prompt wieder auf. Heute leitet sie neue, auf den Namen ihrer Enkel eingetragene Betriebe, zu denen ihre „liebsten Kinder” aus dem alten Firmenbestand gehören: die Restaurants Rivoli und Bellevue und das Hotel Rivoli Jardin in Helsinki. Alle drei, besonders das Hotel, florieren wieder. Ragni Rissanen begnügt sich nicht mit der Unternehmensleitung, sondern tagsüber legt sie als Restaurantchefin des Rivoli selbst Hand an.

Gastronomische Souvenirs

Das Bellevue im Stadtteil Katajanokka, das älteste russische Restaurant in Helsinki, ist bewußt in einem altmodischen, nostalgischen Stil gehalten. Neben dem Rivoli hat sich das Rivoletto etabliert, ein Speiselokal im italienischen Stil. Das beliebte Rivoletto lockt ein breites Spektrum von Gästen an, vom Großvater bis zum Enkel.

Image size 11 Kb Das Rivoli ist ein repräsentatives Restaurant. Eine vorzügliche Küche und das kompetente Personal sorgen für eine Mischung von luxuriösem Flair und anheimelnder Atmosphäre. Ins Rivoli geht man, um gut zu essen - zu Preisen, die deutlich unter denen der Gourmetrestaurants im Stadtzentrum liegen. Die Speisen werden gefällig serviert, wenn auch ohne den trendigen Firlefanz, der den Preis, aber nicht die Qualität in die Höhe treibt. Die Speisekarte entpuppt sich als vielseitig, und noch immer sind Meeresfrüchte reichlich vertreten. Besondere Erwähnung verdient die reiche Auswahl an finnischem Fisch. Die Liste enthält eine Sparte mit klassischen Spezialitäten, die das Haus - Trend hin, Trend her - seit vielen Jahren anbietet.

Viele der Gerichte sind gastronomische Souvenirs, die Ragni Rissanen von ihren Auslandreisen mitgebracht hat. Unterwegs hat sie oft die servierten Gerichte fotografiert und versucht, durch Abschmecken deren Zutaten herauszufinden. In der Küche des Rivoli wurden sodann die Rohrezepte bis zur Speisenkartereife weiterentwickelt.

Das Rivoli zählt zu den altmodischen Häusern, in denen noch immer die Chefin die Ausbildung des Personals selbst in die Hand nimmt. Ragni Rissanen ist voll des Lobes über ihre Mitarbeiter, von denen viele der Chefin seit den Gründerjahren treu geblieben sind. „Auch die Juniorenriege ist sehr anstellig und lernt alles von der Pike auf.”

Mehr über das Bellevue [auf Englisch]