Image size 7 Kb Technik
und Handel

Die dreißig Jahre alte Technische Universität von Lappeenranta nimmt auf dem Gebiet der Technik und Wirtschaft sowie deren Verknüpfungen eine Sonderstellung innerhalb der finnischen Hochschulen ein. Aufgrund ihrer Lage ist sie auf vielerlei Weise der holzverarbeitenden Industrie verpflichtet. Andere Industriebranchen sind ebenfalls vertreten, und alle Fachbereiche treiben einschlägige Lehre und Forschung.

Eine große Universität wurde in Lappeenranta nie angestrebt, sondern man wollte sich von vorneherein auf Technik und Handel konzentrieren. „Es lohnt nicht, die Ressourcen zu verzetteln. Neu zu gründende Fachbereiche würden sowieso klein ausfallen und unbedeutend bleiben”, erläutert Rektor Markku Lukka. In Lappeenranta wurden die ökonomischen Fächer von Anfang an stärker betont als an anderen finnischen Technischen Universitäten. Das produktionsökonomische Ausbildungsprogramm bringt Jahr für Jahr ökonomisch orientierte Diplom-Ingenieure hervor. Heute kann die Universität auch mit einem wirtschaftswissenschaftlichen Fachbereich aufwarten, der Ökonomen ausbildet.

Der Standort der Technischen Universität Lappeenranta direkt an der russischen Grenze eröffnet interessante Perspektiven. Es hängt von der künftigen weltpolitischen Entwicklung ab, ob der Standort sich zum Verbindungsglied einer zunehmenden Zusammenarbeit und eines stärkeren Verkehrsaufkommens oder zu einem Vorposten einer 1300 km langen europäischen Westgrenze auswachsen wird. „Eine unserer Stärken und großen Zukunftschancen sind die Kenntnisse der Wirtschaft und der Industrie des Ostens. Von diesen Kenntnissen können sowohl finnische als ausländische Unternehmen profitieren. Da wir näher an der russischen Grenze liegen, haben wir bessere Möglichkeiten, mit den Russen ständig im Kontakt zu bleiben als andere Technische Universität. Aus diesem Dialog kann man viel lernen”, führt Lukka aus. Die Universität konnte bereits zu Zeiten der früheren Sowjetunion Erfahrungen über die Zusammenarbeit mit dem östlichen Nachbarn sammeln. Die konkrete Kooperation fing mit Umweltfragen an. Forscher aus Lappeenranta beteiligten sich an der Erfassung der Emissionen der Papierfabriken jenseits der Grenze. Dies führte zu einer ökologischen Ausbildung des Personals dieser Papierfabriken.

Die Ausbildung in Lappeenranta ist darauf angelegt, die Studenten für rasch wechselnde Herausforderungen fit zu machen. „Die Kommunikationstechnik macht so rapide Fortschritte, daß sich die Hochschulen im stärkerem Maße auf die Vermittlung von Grundkenntnissen und die Befähigung zum Forschen konzentrieren sollten. Wenn man gute Grundkenntnisse hat, lernt man schnell Neues. Instrumentales Wissen ist weniger relevant. Gegen Ende des Studiums kann man dann die neuesten einschlägigen Techniken erlernen, um leichter auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen zu können”, konstatiert Rektor Lukka.

Verbindungsglied zwischen Universität und Unternehmen

Von allen künftigen Produktionen zählen 80 % zur Datentechnik, die sich enorm weiterentwickelt und neue Arbeitsplätze schafft. Für die Datentechnik ist es typisch, daß Grundlagenforschung rasch in die angewandte Forschung einmündet. Die Zeit der technischen Innovationen bis zur kommerziellen Nutzung verkürzt sich ständig. Kareltek ist eines der zehn finnischen Technologiezentren, die sich an Hochschulstand orten etablierten. Die meisten der an dem Zentrum beteiligten, in unmittelbarer Nähe der Universität ansässigen Unternehmen sind auf dem Gebiet der Datentechnik und -programmierung tätig. Der wichtigste Kooperationspartner ist denn auch das Datentechnik-Institut der Universität, dessen Forschungslabor in dem Technologiezentrum untergebracht ist. „In Finnland hat die akademische Welt die neuen Technologiezentren positiv aufgenommen und gelernt, mit der Geschäftswelt zu kommunizieren. Unser Vorteil als kleines Land ist es, daß die Leute einander kennen. Die Interaktion funktioniert”, findet Marjut Hannelin, die Leiterin des Technologiezentrums.

Das Arbeitsmodell von Kareltek entspricht dem von tausend anderen Technologiezentren in der Welt. Es hält für Unternehmen Räumlichkeiten in der Nähe der Grundlagenforschung bereit, die mit Telefonzentrale und Faxgeräten, Beratungs- und repräsentativen Räumen ausgestattet sind. Typische Unternehmen in dem Zentrum sind u.a. Patent- und Rechtsanwaltbüros sowie Buchhaltungsfirmen.

Auch Produktentwicklungseinheiten großer Unternehmen haben sich in Kareltek eingenistet. Von hier können sie leicht die Forscher in der benachbarten Universität erreichen und neue Arbeitskräfte rekrutieren. Die Geschäftssparte der im Zentrum ansässigen Unternehmen beschränkt sich oft auf ein kleines, aber weltweites Marktsegment. Auch „Ideenbrüter für Unternehmensgründungen” sind in dem Technologiezentrum vertreten. „Staatliche Beihilfen sind wichtig, aber frischgebackene Unternehmer brauchen auch geistigen Beistand. Im Kareltek erhalten sie ihn”, beteuert Marjut Hannelin. Im Kareltek lernen Forscher und Unternehmen einander kennen, und auf diese Weise entstehen Netzwerke zum Austausch von Informationen. „Letztlich wird die Arbeit von Menschen verrichtet, nicht von Unternehmen”, befindet Marjut Hannelin.

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