Für lausige 200 Millionen Dollar

Image size 14 Kb „Willkommen in Finnland” berichtete in der Ausgabe 1999 über das an Rußland abgetretene Gebiet Petsamo (Petschenga) und über die durch Nickelhütten verursachte Umweltkatastrophe in der Region. Etliche Leser haben sich bei uns nach der Menge und dem Wert des dort geförderten Nickels erkundigt. Es erwies sich als extrem schwierig, darüber präzise und verläßliche Informationen zu finden. So erhielt das für russische Angelegenheiten zuständige Referat des Finnischen Außenministeriums auf eine diesbezügliche Anfrage an den Nickelproduzenten Norilsk Nikel keinerlei Antwort. Michael Cook, der in London ansässige Chefökonom des finnischen Outokumpu-Konzerns, und das Außenministerium waren unsere Quellen für das folgende Resümee.

Ein Bergbauunternehmen namens „Gorno-metallurgitchesikij kombinat Pechenganikel” produziert Nickel in den Städten Zapoljarny und Nikel. Pechenganikel beschäftigt 8 200 Personen und ist der wichtige Arbeitgeber im Petsamo-Gebiet, das 46 200 Einwohner zählt. Norilsk Nikel ist ein Teil der gleichen Unternehmensgruppe.

Der Nickelpreis war auf den Weltmärkten jahrelang zu niedrig, um in Petsamo rentabel Nickel produzieren zu können. Der Wert der 1998 geförderten 45 000 Tonnen belief sich auf knapp über 200 Mio. US$. Im Frühjahr und Sommer 1999 stieg der Weltmarktpreis auf 7000 US$/Tonne. Da die Rentabilitätsgrenze in Petsamo bei 6000 US$/Tonne liegt, konnten für die Nickelproduktion 1999 schätzungsweise 250 Mio. US$ erzielt werden.

Die verbesserte Ertragslage könnte genutzt werden, um mit Investitionen in neue Techniken die Rentabilität anzuheben. Mit der heutigen Technik kann die Produktion mit Sicherheit nur bis zum Jahr 2007 aufrechterhalten werden. Überdies ist die Preisentwicklung von Nickel ungewiß. Pechenganikel hat sich bemüht, neue industrielle Geschäftsfelder zu erschließen, die die weitgehend unrentable Nickelproduktion ersetzen könnten. So ging das Kombinat eine Kooperation mit dem norwegischen Unternehmen Dyno Industrie bei der Herstellung von Sprengsätzen ein, die unter Wasser gezündet werden können. Mit Outokumpu wurde zudem ein Vertrag für die Sanierung der Aufbereitungsanlage von Pechenganikel unterzeichnet.

Die bittere Wahrheit ist, daß Pechenganikel wegen lausigen 200 Mio. Dollar jährlich 250 000 Tonnen Schwefeldioxid und 10 000 Tonnen Schwebestaub in die Luft bläst. 1995 beschloß die russische Regierung, ein Projekt zur Verminderung der Emissionen zu unterstützen. Die Kosten von 275 Mio. Dollar sollten jeweils zu einem Sechstel von Rußland und Norwegen getragen werden, eine Million sollte Dänemark übernehmen und den Rest Norilsk Nikel. Doch da die norwegische Regierung 1996 von dem Projekt Abstand nahm, ist die Situation nach wie vor ungeklärt. Die Sanierung der geplanten Aufbereitungsanlage hätte die Schwefelemissionen um 12 000 und den Schwebestaubausstoß um 2 500 Tonnen verringert.