Moosbeeren
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Gratis-Gaben des Waldes

Die finnischen Wälder sind weit mehr als eine Rohstoffquelle für die Holzindustrie. Wälder gehören als unverzichtbarer Teil zum Leben und zur Freizeit fast aller Finnen. Von Gedränge im Wald kann keine Rede sein: Auf jeden Finnen entfällt 4,7 Hektar Wald, (Deutschland 0,1 ha, Großbritannien 0,04 ha). Die meisten Wälder, 62 Prozent, befinden sich in Privathand. Man kann sagen, daß fast nahezu jede vierte Finne, persönlich oder im Familienverbund, Wald besitzt.

Doch für einen Waldspaziergang braucht man den Wald nicht zu besitzen. Das Jedermannsrecht erlaubt - innerhalb gewisser Grenzen - allen Finnen und auch Bürgern von EU-Ländern, sich frei in der Natur zu bewegen, unabhängig davon, wem das Gebiet gehört. Zum Jedermannsrecht gehört auch das Recht, Beeren und Pilze zu sammeln. Kein Recht ohne Pflichten: Es ist nicht erlaubt, Zweige abzuknicken, ein offenes Feuer zu entfachen oder das Hofmilieu eines Anwesens zu betreten.

Schätzungsweise zwei Millionen Finnen zieht es alljährlich in die Wälder, um Beeren und Pilze zu sammeln. Dies ist ein Hobby für die ganze Familie, das, neben gemeinsamen Erlebnissen in der freien Natur, den Speisezettel bereichert. Ein vielversprechender Wald ist oft in der Nähe, Beeren und Pilze gedeihen ebenso gut in stadtnahen Forsten als in der Wildmark. Gewiefte Beeren- und Pilzesammler halten ihre Fundorte wohlweislich geheim. Auch in ertragsarmen Jahren kann man in den Wäldern Beeren und Pilze aufspüren, man muß nur weit genug hinaus wandern und eifrig suchen. Die fleißigsten Sammler erzielen im Sommerurlaub durch Weiterkauf der Erträge erkleckliche Nebeneinnahmen. Einkünfte aus Sammeln von Beeren und Pilzen sind in Finnland steuerfrei.

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Auf den Mooren gedeihen goldgelbe Moltebeeren (Rubus chamaemorus) und im Spätherbst rote Moosbeeren (Vaccinium oxycoccos), die nach den ersten Frosttagen am besten munden.

Der größte Teil der eingesammelten Beeren und Pilze landet in Privathaushalten, wo er getrocknet, konserviert oder in Tiefkühltruhen aufbewahrt wird. Nur ein kleiner Teil wird auf Markplätzen und an Geschäfte verkauft oder geht in den Export. Man hat ausgerechnet, daß der Wert der geernteten Beeren und Pilze rund 600 Mio. Finnmark (197 Mio. DM) beträgt. Trotz der Emsigkeit der Sammler wird nur ein Zehntel der Waldbeeren geerntet, von den Pilzen bloß fünf Prozent.

Image size 6 Kb Die in den sauberen Wäldern herangewachsenen Beeren sind aroma- und vitaminreich. So sammelt sich in den Beeren durchschnittlich 10-20 Prozent mehr C-Vitamin an als in Weintrauben. Hauptsächlich werden Preiselbeeren (Vaccinium vitis-idaea) geerntet, die auch am häufigsten exportiert werden. Weitere Waldbeeren sind Blaubeeren, Himbeeren und Walderdbeeren.

Unerfahrene Pilzsammler können oft nicht unter eßbaren und giftigen Pilzen unterscheiden. Kundige Sammler hingegen beschränken sich strikt auf Pilzarten, die sie mit absoluter Sicherheit kennen. Am meisten werden Röhrlinge und Pfifferlinge sowie Reizker eingesammelt, die häufig ein feines Aroma aufweisen aber erst nach einer Vorbehandlung genießbar sind. Zudem gedeihen in finnischen Wäldern zahlreiche weitere delikate Pilze, die oft bis zum ersten Schneefall im Spätherbst eingesammelt werden können.

Image size 6 Kb In ertragreichen Jahren sprießen in finnischen Wäldern bis zu 2 000 000 Tonnen Pilze, von denen gut die Hälfte eßbar sind. Im vergangenen Jahr wurden rund 1000 Tonnen Pilze geerntet. Der gefragteste Exportpilz ist der besonders in Mitteleuropa geschätzte Steinpilz (Boletus edulis), dessen Nachfrage das Angebot bei weitem übersteigt.

Das Finnische Institut für Waldforschung hat jahrelang die Vielzwecknutzung der Wälder und deren wirtschaftliche Bedeutung erforscht. In den letzten Jahren gab das Institut - gleich einer Wettervorhersage - für Pilz- und Beerensammler, einen überregionalen Bericht über die zu erwartenden Beeren- und Pilzerträge heraus.

Wilde Beeren und Pilze in Finnland