Stadt des Ewigen Friedens
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In der kleinen Stadt Uusikaupunki [schwedisch: Nystad] an der finnischen Westküste wurde vor 275 Jahren zwischen Rußland und Schweden der Frieden von Nystad besiegelt - ein Meilenstein der europäischen Geschichte.

Nördlichste Autofabrik der Welt

In der Autofabrik von Uusikaupunki werden die Marken Saab und Porsche Boxster montiert. Die Autoproduktion begann vor knapp 30 Jahren als Kooperation der Unternehmen Valmet (finnisch) und Saab (schwedisch). An die 600 000 Saab-Autos verschiedener Modelle wurden hier bislang fertiggestellt. Die meisten wurden auf westlichen Märkten abgesetzt, die Luxuskarosse Saab Cabriolet hauptsächlich in den USA. Das Werk Valmet Automotive ist die einzige finnische und zugleich die nördlichste Autofabrik der Welt. Die Fabrik beschäftigt rund 1 600 Mitarbeiter.

Die Pkw werden von hier nach westeuropäischen Zielhäfen verschifft. Uusikaupunki ist seit Jahrhunderten für seine Segelschiffe bekannt und war seinerzeit der Heimathafen der zweitgrößten Handelsflotte Finnlands. Heute sind nur noch Yachten mit Segeln bestückt, die in der reizvollen Schärenwelt zahlreiche interessante Routen und geschützte Naturhäfen vorfinden.

Ewiger Frieden

Uusikaupunki wurde 1617 von dem schwedischen König Gustav II. als Handels und Seefahrtstadt gegründet. Finnland war damals noch ein Teil des Schwedischen Reiches.

Im August 1921 rückte die Stadt in den Mittelpunkt der Weltpolitik, als dort ein Friedensabkommen zwischen Rußland und Schweden geschlossen wurde. Mit dem Ende des 21jährigen „Nordischen Kriegs” stieg Rußland im Ostseeraum zur Großmacht auf. Das 275jährige Jubiläum des Ewigen Friedens wurde im vergangenen Jahr in Uusikaupunki begangen, Teilnehmer waren auch Repräsentanten aus Schweden, Rußland und Estland. Die Friedens-Gedenkstätte steht an dem gleichen Ort, an dem der Frieden ausgehandelt wurde.

Image size 18 Kb Crusell-Woche

Die geographische Lage und die Kultur der Stadt ist nach Westen, sprich: Schweden, ausgerichtet. Ein Schild an der Wand weist ein schmuckes Holzhaus als das Elternhaus des Komponisten Bernhard Henrik Crusell (geb. 1775) aus. Er komponierte u.a. die erste finnische Oper namens „Die kleine Sklavin”. Der Tonsetzer hatte eine starke Stellung am königlichen Hof in Stockholm inne. Die Stadt ehrt ihren großen Sohn alljährlich Ende Juli, Anfang August mit einer Crusell-Woche.

1982 wurde die Crusell-Woche, konzipiert als eine Konzertreihe für Holzblasinstrumente, erstmalig ausgerichtet. Das Budget betrug anfänglich 50 000 Finnmark (rund 17 000 DM), und ihr künstlerischer Leiter war der Dirigent Osmo Vänskä.

1994 übernahm der Klarinettist Kari Kriikku die Leitung der längst etablierten Crusell-Woche. Ihm stand 1998 bereits ein Festival-Budget von 1 Mio. Finnmark (ca. 330 000 DM) für zur Verfügung.

Mit diesen Mitteln konnten 1998 achtzehn Konzerte bestritten werden, die sich über 9 Tage erstreckten und für die rund 180 Musiker engagiert wurden. Allen voran die Flötisten-Brüder Kuiken und Peter-Lukas Graf, der Oboist Jean Lois Capezzali, der Klarinettist Michel Portal und der Saxofonist Claude Delange. Auch das aus jungen Musikern zusammgestellte Sinfonie-Orchester Vivo unter Leitung des erst 21jährigen finnischen Dirigentenstars Mikko Franck trug dazu bei, daß die Crusell-Woche 1998 9 000 Besucher verzeichnen konnte.

Saumäßiger Abgang

Das muß man Kari Kriikku, dem langjährigen Leiter der Crusell-Wochen, lassen: Er hat zum Abschied originelle Auftragskompositionen geordert.

Neben Klassikern der Blasmusik, die 1999 im Vordergrund standen, konnte das Festival mit Kurzkompositionen aufwarten, die sich sowohl vorwärts als auch rückwärts spielen lassen: ein- bis fünfminütige Palindrome. Eines davon hieß - dreimal kurz, dreimal lang, dreimal kurz - SOS.

Image size 6 Kb Zum Schluß ließ Kriikku die ganz große Sau raus, nämlich sich selbst als Klarinette spielender Mr. Piggy im Schweinskostüm. Stehende Ovationen. Er wird die breite Zustimmung für seinen nächsten Job als künstlerischer Leiter des experimentierfreudigen Kammerorchesters Avanti! gut gebrauchen können.

Im Bild Kari Kriikku - „unversaut”...

Mehr über Bernhard Henrik Crusell [auf Englisch]
Erfolgreiche deutsch-finnische Kooperation im Automobilbau