Hightech-Baby in der Wiege der Großindustrie

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Tampere ist die Geburtsstätte der finnischen Großindustrie. Die von den Stromschnellen Tammerkoski gelieferte Energie lockte unternehmungsfreudige Gründer in die Stadt, und es entstanden Textil- und Flachsfabriken, Papier- und Maschinenfabriken. Die erste kleine Papierfabrik wurde schon im 19. Jahrhundert in Betrieb genommen, doch das eigentliche industrielle Wachstum begann im Sog der 1821 gegründeten Baumwollfabrik Finlayson.

Tampere ist es besser ergangen als so mancher anderen Industriestadt. Der rasante Strukturwandel hat nicht den befürchteten Niedergang mit sich gebracht, sondern einen neuen Aufschwung. Die herkömmliche Schwerindustrie zerbröselte in kleine Einheiten, spezialisierte sich auf neue Geschäftsfelder, konzentrierte sich auf Forschung und Produktentwicklung - und reüssierte. Der Aufschwung wurde von neuen Unternehmen der Informations- und medizinischen Technologie beschleunigt, die sich in der Stadt niederließen. So kann Tampere sich wieder einmal brüsten, an der Spitze der Entwicklung zu marschieren: in Finnland, in Europa und gelegentlich auch global. Wie vor 200 Jahren.

Opfer des Strukturwandels: die Baumwoll-Mädel

Image size 13 Kb Mitte des 19. Jahrhunderts standen am Ufer der Stromschnelle Tammerkoski, die zwei Seen miteinander verbindet, dicht an dicht Fabriken. Maschinen stampften, Schornsteine qualmten, und viele verschlug es auf der Arbeitssuche nach Tampere. Fast die Hälfte der Industriearbeiter Finnlands malochte damals in Tampere, in den Webereien werkelten die legendären Baumwoll-Mädel.

Doch der Strukturwandel setzte den traditionellen Industriebranchen hart zu. Die Textilindustrie kam Anfang der 90er Jahre fast ganz zum Erliegen. Die Metall- und Maschinenbauindustrie kriselte und wanderte ab. Von den ehemaligen Industriewerken in Tammerkoski ist heute nur die zum Serla-Konzern gehörige Kartonfabrik TAKO übriggeblieben, die u.a. auch französisches Parfüm verpackt. Daß die Fabrik mitten in der Stadt liegt, stört die Bewohner nicht: Das Wasser der Stromschnelle ist sauber, und Angler ziehen direkt vor der Fabrik Beute an Land.

Die Unternehmen wanderten ab, aber die Gebäude blieben. In die historisch wertvollen Backsteinbauten ist neues Leben einkehrt. Heute beherbergen die liebevoll renovierten Gebäude Boutiquen, Werkstätten, Restaurants und Museen, ein Teil von ihnen wurde in Wohnungen umgewandelt.

Marktführer - weltweit

Die Metall- und Maschinenbauindustrie ging mit Glanz und Gloria aus dem Strukturwandel hervor. Sie hat Tampere Technologien für die Produktentwicklung beschert, die auf führendes Know-how basieren. Immer öfter können ortsansässige Unternehmen als weltweit führend in ihrer Branche klassifiziert werden. Die Liste ist lang und reicht von Gesteinsbohrern über Portalhubwagen bis zu auf Beinen gehenden Waldmaschinen.

„Wo sonst findet man in Skandinavien eine Stadt, in der sich an die zwanzig weltweite Marktführer tummeln?”, fragt Juha Kostiainen, Leiter des Gewerbeamts der Stadt.

„Der Maschinenbau baut auf die alte Handwerkstradition auf, die Produktentwicklung stellte sich im Gefolge des Strukturwandels ein. Die Firmen der Informations- und medizinischen Technologie haben von Anfang an forciert auf Forschung gesetzt.”, lobt Kostiainen.

Technologischer Quantensprung

Die Gründung der Technischen Universität 1965 hatte in Tampere weitreichende Folgen. Zu jener Zeit war das politische Klima in Finnland alles andere als günstig für Kooperationen zwischen Universität und Privatfirmen, aber auch hier ging Tampere eigene Wege. Die Universität strebte von Anfang an eine enge Zusammenarbeit mit Unternehmen an, und die Früchte werden heute geerntet. „Das führte gewissermaßen zu einem technologischen Quantensprung, der wiederum das Interesse anderer Unternehmen weckte und sie nach Tampere lockte”, erklärt Kostiainen.

Image size 13 Kb Handel und Gewerbe in Tampere haben allen Grund zur Zufriedenheit: In der Region haben sich auf diversen Gebieten Spitzentechnologie-Konzentrationen herausgebildet, die sich in unterschiedlichen Entwicklungsphasen befinden. Nun setzten die Stadtväter alles daran, daß die Spitzenkräfte der Unternehmen wohnen bleiben und sich in Tampere heimisch fühlen.

„Firmen siedeln sich dort an, wo sich ihre Mitarbeiter wohl fühlen. Die Pflege und Ausbildung der Kinder, die allgemeine Sicherheit, das Hobby- und Freizeitangebot sind dabei wichtige Faktoren. In dieser Hinsicht bewegt sich die Stadt unaufhaltsam in Richtung Silicon Valley, zu einem Standort für technologisch orientierte Firmen und einem hervorragenden Wohnort für deren Mitarbeiter”, versichert Kostiainen.