Lenin und Mumin sind in Tampere zu Haus

In Tampere kommt, vom Kultur- bis zum Naturfreund, jedermann auf seine Kosten. Und fast alle Sehenswürdigkeiten sind nur einen Spaziergang vom Stadtzentrum entfernt. Unter den Museen befinden sich so außergewöhnliche Institutionen wie das einzige verbliebene Lenin-Museum und das Mumintal, in dem sich jung und alt zu Hause fühlen.

Image size 5 Kb Ein guter Ausgangspunkt zum Erkunden der Stadt ist der Aussichtsturm Pyynikki, der auf einem gleichnamigen Bergrücken steht. Er ist mit 150 Meter über dem Meeresspiegel der höchste Moränenrücken der Welt. Vom Aussichtsturm hat man den besten Überblick über die Stadt, die sich auf einer Landenge zwischen zwei Seen erstreckt.

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Angeschmiegt an den Pyynikki breitet sich das einzigartige Stadtmilieu Pispala aus. Die alten schmucken Holzhäuser Pispalas wurden an einem so steilen Hang gebaut, daß der Eingang zu einigen Häusern im dritten Stock liegt. Das im vergangenen Jahrhundert als Arbeiterviertel entstandene Pispala gilt heute als schickes (und entsprechend teures) Ambiente, und die alten Häuser werden liebevoll restauriert. Wer seine Kondition testen will, kann die 365 Stufen der Holztreppe in Pispala erklimmen.

Auf den Spuren Lenins

Image size 9 Kb Am Fuß des Kiesrückens kann man in Pispala eine Rarität erster Güte bestaunen, das einzige noch real existierende Lenin-Museum der Welt. Es wurde 1946 gegründet und im gleichen Saal des Gewerkschaftshauses Tampere untergebracht, in dem während der russischen Revolution die Tampere-Konferenzen (1905 und 1906) Geschichte machten. Prominentester Teilnehmer war Wladimir Iljitsch Lenin. Er wohnte von 1905-1907 im damaligen Großfürstentum Finnland.

Agitation ist im Lenin-Museum nicht angesagt, das Museum konzentriert sich auf die Präsentation von Lenins Lebenswerk und seine Beziehungen zu Finnland. Die aufschlußreichsten Exponate sind Fotos und Dokumente. Neben einer ständigen Ausstellung richtet das Museum wechselnde Sonderausstellungen aus.

Vom Spionagemuseum bis zum Mumintal

Image size 30 Kb Einzigartig in Skandinavien ist auch das Finnische Spionagemuseum. Es präsentiert eine Vielzahl von Utensilien zum Thema Spionage, von einem als Spazierstock getarnten Degen bis zu Spitzenelektronik für Lauschangriffe. In dem Museum kann der Besucher zahlreiche Geräte selbst testen, so auch einen Lügendetektor.

Eines der populärsten Museen Tamperes ist das Mumintal, das im Untergeschoß der Stadtbibliothek Metso untergebracht ist. Mumintal ist alles andere als ein Erlebnispark: Hier können Mumin-Freunde die ursprünglichen Vorgänger der Muumintrolle kennenlernen, die Tove Jansson in den 40er Jahren schuf sowie später entstandenen Trolle, die heute die Mumin-Bücher bevölkern. Zu besichtigen sind auch ein Miniaturmodell des echten Mumin-Hauses und kleine Bilderfolgen mit Szenen aus den Mumin-Büchern.

Image size 13 Kb Das Ufer der Stromschnelle Tammerkoski inmitten der Stadt mit seinen alten Fabrikgebäuden wurde als eine Nationallandschaft geschützt. Mitten darin steht das neue Museumszentrum Vapriikki [=Fabrik], das in umgebauten Fabrikhallen untergebracht wurde. Das Zentrum vereinigt die Sammlungen von fünf vormals separaten Museen: insgesamt 700 000 Objekte, Bilder und Exponate. Die Ausstellungen veranschaulichen das Leben und Ereignisse in Tampere und im umliegenden Landbezirk Pirkanmaa von prähistorischen Zeiten bis heute. Ein Ausstellungsgelände vor dem Museumszentrum umfaßt alte Lokomotiven und andere Objekte sowie eine Bühne für die zahlreichen Veranstaltungen auf dem Gelände.

Sehenswert sind auch Tausende von Puppen, Spielzeugen und alten Kostümen, die in dem schmucken Puppen- und Kostümmuseum des Herrenhauses Hatanpää vorgestellt werden. Ein touristisches Plus im Hochsommer bildet der in voller Blüte stehende Rosengarten, der das Herrenhaus umgibt.

Hochkarätige Sammlung moderner Kunst

Für den Kunstfreund hat das Kunstmuseum Sara Hildén, ganz in der Nähe des beliebten Vergnügungsparks Särkänniemi, am meisten zu bieten. Sara Hildén (1903-1993) war eine Geschäftsfrau und Mäzenatin, die ihre bedeutende Kunstsammlung 1962 einer Stiftung gleichen Namens vermachte.

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Pablo Picasso „Ein Glas und eine Violine” (1913)

Die Sammlung umfaßt 3000 Objekte und wird ständig ergänzt. Das Museum kann mit einer großartigen Sammlung internationaler moderner Kunst aufwarten: angefangen bei Klassikern, u.a. Bonnard und Picasso bis zu zeitgenössischen Künstlern wie Segal und Christo. Auch die moderne finnische Kunst kommt nicht zu kurz.

Neben den ständigen Sammlungen brilliert das Museum mit wechselnden Ausstellungen, insbesondere mit Werken namhafter ausländischer Künstler und mit Übersichten über die moderne Kunst.

Nationalromantik und moderne Architektur

Die Stadtbibliothek Metso [=Auerhahn], hier ist auch das Mumintal untergebracht, ist eine architektonische Sehenswürdigkeit. Sie wurde von dem finnischen Architektenehepaar Reima und Raili Pietilä entworfen, die in Tampere auch andere Kleinode moderner Architektur gestaltet haben. Die Form der Stadtbibliothek wurde einem balzenden Auerhahn mit gespreizten Flügeln nachempfunden.

Image size 14 Kb Von den vielen sehenswerten Gebäuden der Stadt lohnt sich zumindest ein Besuch der Domkirche von Tampere, die 1907 vollendet wurde. Der Granittempel, entworfen von Lars Sonck, ist ein repräsentatives Beispiel für den nationalromantischen Stil. Das reichhaltige Dekor im Innern der Kirche gestaltete der renommierte Kunstmaler Hugo Simberg, von dem auch das hierzulande allbekannte Fresko Der verwundete Engel an der Südempore stammt.

Sommeroase für Städter

Die in Seen einbettete Stadt empfiehlt sich für kurze Schiffsausflüge und mehrtägige Kreuzfahrten, bei denen man die Sehenswürdigkeiten der Region erkunden kann.

Nur in zwanzig Minuten gelangt man per Schiff zu einer Sommeroase für Städter, zur Insel Viikinsaari. Die Insel mit ihren Badestränden, Naturlehrpfaden und vielen Freizeitmöglichkeiten kann auch mit einem alten romantischen Restaurant oder einer Ufersauna aufwarten. Am Wochenende ist Tanz in einer echten finnischen Tanzdiele angesagt, zu Live-Musik versteht sich. Ein Ort der Besinnung ist die sehenswerte ökumenische Kapelle der Insel, die in einem umgebauten Gefängnis aus dem vergangenen Jahrhundert untergebracht ist.

Mehr über das Lenin Museum [auf Englisch]