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Finnland Gateway der EU

 

Die geographische Lage und die verkehrsmäßige Infrastruktur Finnlands markieren eine Ecke des sog. Nordischen Dreiecks, das ein Gateway von Zentraleuropa bis tief nach Russland und weiter nach Osten bildet. Finnlands Lage in der Europäischen Union ist auch insofern einzigartig, als Finnland mit Russland eine 1300 Kilometer lange Grenze aufweist. Sie wird auch dadurch betont, dass die EU es zu ihren wichtigsten Aufgaben zählt, ein zusammenhängendes Verkehrsnetz unter den Mitgliedsländern und darüber hinaus zu Drittländern zu knüpfen.

In der EU zeigte man sich u.a. darüber besorgt, dass die verkehrsmäßige Erschließung insbesondere in Richtung Ost-West nur zögerliche Fortschritte macht. Die Entwicklung einer intakten Infrastruktur in den osteuropäischen Ländern kommt nur langsam voran.

„Es ist offenkundig, dass der Ausbau des erforderlichen Verkehrsnetzes hinter dem wachsenden Verkehrsaufkommen herhinkt”, kommentiert Lennart Andersson, Geschäftsführer von Finnload, der Dachorganisation finnischer Spediteure.

Finnland - Glied der Gesamtlogistik

Ossi Niemimuukko, Generaldirektor der Finnischen Staatsbahnen stimmt Andersson zu und merkt an, dass z.B. die Eisenbahnverbindung von der finnischen Westküste via Helsinki nach Russland eine bedeutsame Strecke des Ost-West-Verkehrsnetzes ist. „Sie ist zugleich ein Glied einer weiträumigeren Gesamtlogistik.”

Ihre Weiterentwicklung als ein Glied des transeuropäischen Netzes stellt eine schnelle Verbindung vom europäischen Festland nach Skandinavien und weiter bis zum Fernen Osten her. „Der Gütertransport auf der Schiene von Finnland via Russland nach Nachodka am Japanischen Meer dauert z.B. nur 12-14 Tage”, weiß Niemimuukko.

Zur Zeit wird ein wachsender Anteil des Güterverkehrs zwischen der EU und Russland über Finnland abgewickelt. Daran wird sich offenbar lange nichts ändern, denn die finnischen Häfen sind unvergleichlich leistungsfähiger als z.B. die der baltischen Länder. Eine Ausnahme ist die lettische Hauptstadt Riga. Russland bezieht den Großteil seines Rohöls über Häfen in Lettland, denn das Land verfügt über ein zweckdienliches Bahnnetz. Für die Häfen wurde ein umfangreiches Modernisierungsprogramm geplant, aber es fehlt Kapital für die Realisierung.

Andererseits arbeiten finnische Spediteure schon jetzt mit entsprechenden Unternehmen in den baltischen Ländern zusammen. Derzeit werden hauptsächlich Rohstoffe für die Industrie von Russland nach Europa verfrachtet. Aus Europa wiederum werden Lebensmittel, Konsumgüter und Maschinen nach Russland eingeführt.

Zwischen Finnland und Russland verlaufen zwei logistische Eisenbahnkorridore: die südliche St. Petersburg-Route und die Archangelsk-Route. Zudem ist eine dritte, die Barents-Route in Planung. Von ihnen ist die St. Petersburg-Route, die Industrie- und Ballungsräume miteinander verbindet, zweifellos die wichtigste. Sie tangiert auch die bedeutendsten Städte, Industriezentren und Rohstoffvorkommen NordwestRusslands. An die 60 Prozent aller Gütertransporte und alle Personenzüge zwischen Finnland und Russland benutzen die St. Petersburg-Route.

Die Archangelsk-Route wiederum ermöglicht den Transport von Rohstoffen aus der Republik Karelien und aus den Regionen Kom und Archangelsk zu den Häfen des Finnischen Meerbusens und weiter zu den europäischen Märkten. Die Wettbewerbsfähigkeit der Route wird beträchtlich zunehmen, wenn die neue 126 Kilometer lange Trasse zwischen Ledmozero und Kotschkoma in Russland fertiggestellt ist. Sie verkürzt die Transportstrecke zwischen Archangelsk und Finnland um rund 500 Kilometer.

„Rund 30 Prozent des Güterverkehrs zwischen Finnland und Russland wird auf dem Archangelsk-Route abgewickelt, doch der Anteil wird sich dank der Abkürzung vermutlich erhöhen”, schätzt Niemimuukko.

Fünf Eisenbahnkorridore im Nordischen Dreieck

Mit dem sog. Nordischen Dreieck ist ein Verkehrssystem gemeint, das die skandinavischen Hauptstädte miteinander verbindet und Skandinavien an Mitteleuropa anbindet. Es ist ein Verkehrsprojekt, das den Eisenbahn-, Schiffs- und Luftverkehr - Personenbeförderung und Güterverkehr - umfaßt. Dieses Vorhaben, in dem Finnland ein wichtiger Knotenpunkt ist, wurde 1994 in Essen als ein Prioritätsprojekt der EU favorisiert.

Die vor 125 Jahren eröffnete Eisenbahnverbindung von Helsinki nach St. Petersburg ist jetzt völlig elektrifiziert, auch die Bahnübergänge wurden gesichert. Derzeit beträgt die Verkehrsgeschwindigkeit 120-140 Kilometer pro Stunden, aber in naher Zukunft soll sie auf 220 km/h und das Achsengewicht auf 25 Tonnen angehoben werden.

Heute dauert die Fahrt zwischen Helsinki und St. Petersburg 6 Stunden, 30 Minuten. Mit kleinen Verbesserungen der Trassen und einer Beschleunigung der Abfertigungsformalitäten an der Grenze kann die Fahrtzeit schon 1999 auf 4 Stunden, 50 Minuten verringert werden. Im Jahr 2005 dauert die Fahrt, gemäß der Planung der Russischen Oktober-Eisenbahnen, nur noch drei Stunden. Dies setzt indessen Züge mit Neigetechnik voraus, deren Prototypen bereit einsatzfähig sind.