Image size 20 Kb Die Nördliche Dimension

Staatssekretär Alec Aalto ist ein hoher Beamter der Kanzlei des Ministerpräsidenten, der sich mit komplexen EU-Fragen und der kommenden finnischen Präsidentschaft gründlich befaßt hat.

„Da können Dinge auf die Tagesordnung gesetzt werden, die für die ganze Union von Belang sind”, charakterisiert Aalto die Rolle des EU-Ratsvorsitzenden. „Ein gewaltiger neuer Komplex ist die Nördliche Dimension. Die Energiepolitik ist z.B. eine wichtige Zukunftsfrage. Die gewaltigen Gasvorräte Nordwestrußlands lagern hinter der finnischen Grenze. Wir müssen der Union klarmachen, daß es im Interesse aller liegt, dieses Projekt gemeinsam anzupacken. Auch in Rußland wird seine Bedeutung besser verstanden, wenn als Vertragspartner die gesamte EU auftritt. Die Nördliche Dimension ist für Finnland und alle Nördlichen Mitgliedsländer wichtig, aber wir brauchen dazu die Unterstützung der gesamten Union. Wir haben frühzeitig die Initiative dazu eingebracht, und heute steht sie auf der offiziellen Agenda der Union.”

Die EU ist geographisch, wirtschaftlich und kulturell eine buntgescheckte Gesamtheit, deren verschiedene Teile manchmal größer erscheinen mögen als die Gesamtheit. So pflegt die Union seit vielen Jahren eine Mittelmeerpolitik, mit der viele verschiedenartige Dinge auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden. Die Nördliche Dimension hat sich laut Alec Aalto als hinreichend attraktives und übergreifendes Thema erwiesen, der sowohl die Probleme als auch die Chancen dieser Region abdeckt. „Als Einzelfälle präsentiert, würden sie in dem übergeordneten EU-Prozeß untergehen. Wenn das Thema einmal lanciert ist, kann man die unter ihm zusammengefaßten Projekte viel effektiver betreiben. Wir müssen nur plausibel machen, daß das Thema einen konkreten Inhalt hat und nicht nur ein Schlagwort ist.”

Visionen geben Richtung vor

Die Erweiterung der Union hält Aalto ebenfalls für ein Ziel, das man allen Mitgliedern schmackhaft machen muß. Zurzeit liegt sie stärker im Interesse Deutschlands als z.B. Portugals oder Irlands. „Es muß klar gemacht werden, daß der Wohlstand und das politische Gleichgewicht Europas auf lange Sicht im Interesse aller liegt. Länder, die größere Vorteile aus der EU ziehen, müssen, um die gemeinsamen Ziele zu erreichen, zu Zugeständnissen bereit sein, wenn noch ärmere Länder zu der Union stoßen.”

Staatssekretär Aalto formuliert überzeugend, gestenreich, mitreißend. Aus Idealismus?

„Idealismus sollte nicht gänzlich in dem Wust konkreter Fragen untergehen. Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl ist ein gutes Beispiel für einen Menschen, der an seinen Grundüberzeugungen über Europa festgehalten hat. Er hat über die alltäglichen Probleme nicht das große Ziel verloren und sich notfalls auch über die öffentliche Meinung hinweggesetzt. Der Euro ist das Resultat. Visionen geben die Richtung vor, dürfen sich allerdings nicht allzu weit von der öffentlichen Meinung entfernen.

DIE WELT über die Nördliche Dimension
Die Bedeutung der Nördlichen Dimension für Europa