Image size 24 Kb Industriedesign Trumpf im Wettbewerb

Das finnische Design war in den 50er und 60er Jahren der bedeutsamste kulturelle Exportartikel, der auch auf den Seiten unseres Magazins immer wieder abgehandelt wurde. Mit Artikeln über Glas, Keramik, Möbel, Leuchten und Textilien. Über Aalto, Sarpaneva, Isola und Franck. Über eine Designindustrie, die formschöne Produkte in Serienfertigung für den Normalverbraucher auf den Markt brachte. Und über imposante und teuere Unikate. Doch im Ausland machte das finnische Design hauptsächlich mit seinen ästhetischen Alltagsprodukten Furore.

Wie steht es heute, im neuen Jahrtausend, um das finnische Design? „Gut”, antwortet Anne Stenros, Leiterin des Design Forum Finland in Helsinki. „Heute hat sich Finnland zum führenden Land des Industriedesigns aufgeschwungen. Die Formgebung ist nicht mehr so stark auf das Landesimage ausgerichtet wie vor 40 Jahren. Jetzt sollen mit formschönem Design Produktmarken von international relevanten finnischen Unternehmen aufgebaut werden. Die Formgebung ist für diese Spitzentechnologie-Produkte ein Wettbewerbsvorteil und bedeutsamer Mehrwert.”

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Das Design ist natürlich fester Bestandteil der Mobiltelefone von Nokia und Benefon, aber ebensogut der Papiermaschinen von Valmet. Ganz zu schweigen von Geräten für Hobby und Freizeit, z. B. bei den Tauchcomputern und Kompassen von Suunto oder den Fitnesstrainern von Tunturi.

„Wo der Designer jahrzehntelang praktische und alltägliche Probleme lösen musste, da muss er sich heute mit komplexen, oft computergestützten Geräten auseinandersetzen. Das Produkt muss für den Verbraucher so attraktiv und übersichtlich gestaltet werden, dass er das Gerät einfach bedienen kann”, erläutert Anne Stenros die heutigen Anforderungen.

Traditionelle Grundströmung

Neue aufstrebende Designertalente gibt es in Finnland laut Stenros ein Dutzend und mehr, und sie decken das gesamte Spektrum der Formgebung ab. „Das Industriedesign steht gut da, die Bekleidung ist im Kommen, Möbel waren schon immer eine finnische Domäne, das Glasdesign hat eine starke Position, das gilt auch für die Keramik. Das Textildesign hat teilweise Neuland betreten, z.B. bei Teppichen. Das Kunsthandwerk ist ein bisschen problematischer, weil es eher als Lebensstil und weniger als Beruf gesehen wird, doch auch hier besteht die Möglichkeit zu kleinen Serien.”


Von Tani Muhonen für Finlandia Uistin Oy entworfener Blinker.
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„Die Entwürfe jugendlicher Designer entsprechen kaum Produkten der Goldenen Ära des finnischen Designs, die vom ganzen Volk angenommen wurden. Sie drücken eher den Lebensstil ihrer jugendlichen Urheber aus. Aber auch in ihren Entwürfen ist der rote Faden traditioneller finnischer Formgebung eingewirkt. Die überzeugendsten Produkten der jungen Generation sind Interpretationen des Hier und Heute, in der Nachfolge des überkommenden finnischen Designs: Reduktion der Formen und des Materials”, charakterisiert Stenros die neue Designergeneration.

Nach Stenros' Auffassung lag die Intensität und Stärke des damaligen finnischen Designs eher in einem Mangel: Finnlands Wohlstand hinkte hinter dem Lebensstandard mitteleuropäischer Länder oder auch Schwedens hinterher. Das war insofern ein gesunder Nährboden, als man bestrebt war, Designprodukte für jedermann erschwinglich zu machen. „Heute gibt es wiederum Anzeichen dafür, dass sich der Überschwang zu Beginn der 90er Jahre - eine Unmenge an Materialien und Farben - gegen sich selbst gekehrt hat. So wurde der Gedanke wieder belebt, dass das Design demokratischer werden müsse. Ich würde es als gesund ansehen, wenn wir wieder von einer Serienproduktion des Designs reden könnten - von einer Ökonomie des Designs.”

Praktisch, richtig, wahrhaftig, notwendig


Von Harri Koskinen für Iittala entworfene Glasserie „Klubi”.
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Nach ihren eigenen Favoriten befragt, antwortet die Designexpertin: „Erstes Kriterium ist, dass das Produkt möglichst neutral ist. Zu Hause habe ich nur wenige Designobjekte, ein bisschen Aalto, etwas Franck. Diese Produkte sind wie Felsen im Meer, denen im Laufe der Zeit alles Überflüssige abgeschliffen wurde. Franck hat Schönheit so formuliert: 'Praktisch, richtig, wahrhaftig, notwendig'. Das kommt meinen Vorstellungen sehr nahe. Im Allgemeinen mag ich Klassiker. Wenn sich auch die Zeiten ändern, sie bleiben sich treu, mit ihnen kann man gut leben.”

„Ich greife nicht blindlings nach einem neuen Produkt. Ich warte und sehe zu, ob es sich etabliert, ob ihm Beständigkeit und Dauerhaftigkeit zu Eigen sind. Das Gleiche gilt für das Design und die Produkte junger Designer, Eintagsfliegen interessieren mich nicht. Unter ihnen gibt es auch eindeutig Produkte, die das Zeug zum Klassiker haben”, glaubt Stenros.

Siehe auch:
WTF-O Finnisches Design - Mythos und Schimäre?