Anmausen des Bildes wechselt die Jahreszeit
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Verla - Vorwärts in die Vergangenheit
Die Hektik der heutigen Veränderungen wird selbst dem fortschrittlichsten Aktionisten manchmal zuviel. Dann wünscht man sich, die Räder der Zeit für eine Weile zurückzudrehen - in eine Ära, als die Leute noch mehr Zeit hatten. In dem idyllischen Industriedorf Verla in Kymmenlaakso wird man um hundert Jahre, zum Ende des vergangenen Jahrhunderts, zurückversetzt.

Image size 2 Kb Das harmonische Fabrikmilieu blieb wie durch ein Wunder so erhalten, wie es der Architekt Eduard Dippell in den Jahren 1885-95 gestaltet hat. Grund genug für die Unesco, den Fabrikkomplex 1996 als erstes Holzindustrie-Objekt in das Verzeichnis des Weltkulturerbes, aufzunehmen.

Verla nahm 1872 als bescheidene Holzschleiferei den Betrieb auf. Nach vier Jahren brannte das Gebäude ab, wurde aber 1882 wiederaufgebaut. Der Holzschleiferei wurde bei dieser Gelegenheit auch eine Pappenfabrik angegliedert. Das Projekt wurde dem gebürtigen Österreicher Gottlieb Kreidl anvertraut, der fast dreißig Jahre lang dem Gemeinwesen als legendärer Patron vorstand.

Verla wurde in einem Stil gestaltet, der seiner Umgebung Anerkennung und Respekt abnötigte. 1885 wurde das dekorative Domizil des Patrons errichtet, ein Jahr später folgte ein Arbeiterwohnheim mit 17 Zimmern. Die meisten Arbeiter wohnten in eigenen Häusern beiderseits einer reißenden Stromschnelle. Die Wohnhäuser bildeten mit ihren Hofmilieus eine reizvolle Gesamtheit, die durch Pflanzbeete, Apfelbäume und Beerensträucher abgerundet wurde. In jener Zeit brannten Holzbauten oft bis auf die Grundmauern ab, so auch in Verla. An der Stelle der ausgebrannten Trockenanlage wurde 1893 ein neues vierstöckiges Backsteingebäude errichtet. Zwei Jahre später wurden die Holzwände der Holzschleiferei und der Pappenfabrik durch Backsteinwände ersetzt. Das Ganze wurde durch einen turmartigen Flügel gekrönt, den Architekt Dippell an die dominierende Villa des Fabrikherrn anbaute. Das jüngste seiner Gebäude ist ein Fabrikmagazin von 1902. Alles ist noch immer an seinem ursprünglichen Platz, nichts wurde abgerissen, nichts hinzugefügt.

Image size 8 Kb Eduard Dippell trauerte vermutlich selbst vergangenen Zeiten nach. Er ließ die Holzschleiferei und die Pappenfabrik in einem neogotischen Stil erbauen, der schon damals nicht mehr en vogue war, aber trotz ihres altmodischen Äußeren waren die Bauten technisch fortschrittlich. Der Architekt verzichtete auf den herkömmlichen Zwischenboden aus Holz und ersetzte ihn durch eine Stahlbetonkonstruktion.

Einzigartig an der Pappenfabrik ist, daß hier noch 1964 für die Fertigung von Handpappe Arbeitsverfahren und Maschinen von Anfang des Jahrhunderts benutzt wurden. Die Maschinen stehen an ihrer alten Stelle, zahlreiche andere Anlagen des Fabrikkomplexes sind ebenfalls noch sehen. 1972 wurde Verla auf Betreiben des Zentralamts für Museen und Denkmalpflege zum ersten finnischen Fabrikmuseum umfunktioniert. Der heutige Besitzer ist der Holzindustriekonzern UPM-Kymmene Oy.

Mehr über das Fabrikmuseum Verla (auf Englisch)