Image size 34 Kb 40 Jahre „Willkommen
in Finnland”

 

Von einem Informationsblatt zu einem illustren Magazin

Dass sich die Welt in den letzten Jahren vier Jahrzehnten rasant verändert hat, lässt sich nicht zuletzt an den Jahrgängen von „Willkommen in Finnland” ablesen: in Artikeln über Umwälzungen in der finnischen Industrie, über das Wachstum der Schiffbau- und Metallindustrie und - als letzte Phase - über den rapiden Aufstieg der elektronischen Industrie.

1961 wurde John F. Kennedy zum Präsidenten der USA gewählt, Juri Gagàrin umkreiste als erster Mensch die Erde, und die DDR begann mit dem Mauerbau. Während der Eiserne Vorhang die Welt teilte, bemühte sich Finnland, der Außenwelt ein Image von einer neutralen westlichen Demokratie zu vermitteln - trotz des Vertrags über Freundschaft, Zusammenarbeit und Beistands mit der Sowjetunion.

„Willkommen in Finnland” wurde vor 40 Jahren aus der Taufe gehoben mit dem Ziel, über den Lebensstil, die Zielsetzungen und Errungenschaften des Landes realistisch zu informieren. Die Zielgruppe waren fürs Erste Passagiere der Finnair, und die Resonanz auf die im Passagierraum ausliegende Zeitschrift war enorm. Heute veröffentlichen wir unsere Publikation für Finnlandfreunde als Printversion und im Internet.

Über das Vertrauen, das unserem Magazin entgegenbracht wird, spricht auch, dass das finnische Außenministerium es schon seit Jahren über eigene Kanäle vertreibt. Und zu dieser Jubiläumsnummer hat die Präsidentin der Republik Tarja Halonen für unsere Leser ein Grußwort beigesteuert. Wir danken hiermit unseren Lesern und Inserenten, von denen viele uns von Anfang an die Treue gehalten haben.

Finnland und die Welt haben sich in einem Maß verändert, das bei der Gründung des Magazins niemand voraussehen konnte. Die Sowjetunion existiert nicht mehr, die baltischen Staaten sind unabhängig geworden, Deutschland ist wiedervereint, und Finnland ist Mitglied der Europäischen Union. Inmitten dieser weltgeschichtlichen Turbulenzen bleibt das Ziel von „Willkommen in Finnland” unverändert: Wir wollen auch weiterhin ein aufschlussreiches und zuverlässiges Fenster zu diesem Land öffnen.

Touvi und Markus Similä WTF-Redakteure

In den 60er Jahren bot die Zeitschrift in gedrängter Form nützliche Informationen über Finnland wie Hotellisten samt Dienstleistungen, Speisevokabular, Geldeinheiten samt Wechselkursen etc. an. Heute sind diese Auskünfte bequemer und in aktuellerer Form u.a. im Internet abzurufen. Finnland wurde als das Land der tausend Seen präsentiert, in dem Designprodukte den Alltag erobert haben. Die Industrie war mit verschiedenen Bereichen der Forstindustrie vertreten, mit der wachsenden Metall- und Maschinenbaubranche sowie der damals schon aufstrebenden elektronischen Industrie.

Zur Exotik des Landes trug in jenen Jahren die geheimnisvolle Ostgrenze bei. Ohne den Namen buchstäblich zu nehmen, brachte „Willkommen in Finnland” Anfang der 60er Jahre Artikel über Moskau und Leningrad, das heute wieder St. Petersburg heißt. Der Grund für diese grenzüberschreitenden Berichte: Sie war damals die In-Flight-Zeitschrift der Finnair, die die oben erwähnten Städte anflog. In späteren Jahrzehnten hat sich „Willkommen in Finnland” einzig auf Informationen über Finnland und seine Bewohner beschränkt.

Erste In-Flight-Zeitschrift der Welt

Der Gründer der Zeitschrift war der dänische Verleger Anders Nyborg, der 1958 erstmals Finnland besuchte. Nyborg war von Land und Leuten auf Anhieb angetan.

Nyborg hatte Erfahrungen mit verschiedenen Typen von Touristen-Zeitschriften gesammelt, nur für per Flugzeug reisende Geschäftsleute gab noch keine Publikation. Er erarbeitete ein Konzept und bot es an die Finnair an. Am 10. Dezember 1961, die Finnair flog schon mit brandneuen Caravelle-Maschinen, hielten die Passagiere die unseres Wissens erste In-Flight-Zeitschrift der Welt in Händen. Die Zusammenarbeit mit der Finnair hält bis auf den heutigen Tag an, obgleich die Fluggesellschaft vor zwanzig Jahren eine eigene Zeitschrift ins Leben rief.

„'Willkommen in Finnland' mauserte sich rasch zu einer bekannten Zeitschrift, ihre grafische Gestaltung war dem Layout anderer Publikationen jener Zeit überlegen. In den Anfangsjahren wurde die Zeitschrift gänzlich im Ausland produziert. Die Redaktion und die Druckerei waren in Dänemark, und es wurde auf deutschem Papier gedruckt. Da die Finnair ein staatliches Unternehmen ist, wurde dieser hohe 'Auslandsanteil' nicht gern gesehen und die Herstellung wurde allmählich nach Finnland verlagert”, erinnert sich Anders Nyborg.

Nyborgs Bindungen an Finnland sind noch immer stark. Dank der neuen Zeitschrift lernte er eine Finnin kennen, die später seine Frau wurde. Mit 50 Jahren gab er die Zeitschrift auf und erfüllte sich einen Jugendtraum: Er wurde hauptberuflicher Künstler. Nyborg unterhält auf in Dänemark auf der Insel Bornholm eine prosperierende Kunstgalerie, in der er seine Gemälde und Skulpturen verkauft.

Image size 26 Kb Business, Kultur, Phänomene

Als „Willkommen in Finnland” 1983 den Besitzer wechselte, blieb das Magazin gleichwohl in skandinavischer Hand: Der Nachfolger war der Norweger Finn Greve Isdahl. Er hatte etliche Jahre in einem New Yorker Verlag gearbeitet und 1972 an der Wharton Business School seinen MBA erworben. Berufshalber besuchte er häufig Finnland und in Hotels hatte er in „Willkommen in Finnland” geschmökert: Eine fesselnde Lektüre!

Der sichtbarste Veränderung, die der neue Besitzer mit sich brachte, war das Titelblatt des Magazins. Dort prangte seit der ersten Nummer unter Isdahls Herausgeberschaft im Jahr 1985 ein Kunstwerk, ergänzt durch einen Artikel über den Künstler im Innern des Blatts.

„Ich interessiere mich Kunst, und meines Erachtens ist das ein probates Mittel, finnische Kunst in der Welt bekannt zu machen. Unser erster Titelblattkünstler war der Maler Andreas Alariesto, der einen nordischen Naivismus vertritt”, entsinnt sich Isdahl. Auch die pro Nummer ausführlich behandelte Fokus-Stadt wurde von Finn Isdahl eingeführt.

„Willkommen in Finnland” ist die führende finnische Exportpublikation, die auf aktuelle und vielseitige Weise über Industrie und Geschäftsleben, Kultur und Menschen in Finnland berichtet. Viele unserer Leser haben alte Nummern als Sammlerstücke aufgehoben. Auch aus diesem Grund wird das Magazin noch immer wie ein Buch gebunden, damit es ausgiebiges Schmökern aushält”, sagt Isdahl.

„Das Magazin soll unseren Lesern auf bestmögliche Weise informieren. Aus diesem Grund unterhalten wir seit Jahren auch eine Online-Version, in der man die Artikel älterer Nummern nachlesen kann. Ich wünsche mir dennoch mehr Reaktionen von unseren Lesern. Das würde uns helfen, unser Magazin noch lesbarer zu machen und den Service für unsere Leserschaft zu verbessern”, meint Isdahl.

Siehe auch:
WTF-O Grußwort der Präsidentin Tarja Halonen zum 40. Jubiläum von WTF
WTF-O Inhaltsverzeichnis von WTF 2001