Image size 24 Kb Marcus Grönholm Neuer finnischer Rallye-Weltmeister
 

Das relativ - oder unverhältnismäßig - gute Abschneiden von Finnen an Motorsportwettbewerben wäre eine gründliche Untersuchung oder gar eine Dissertation wert. Der zweifache Formel-1-Weltmeister Mika Häkkinen brachte es 2000 auf einen zweiten Platz. Als erster Finne gewann Keke Rosberg die Formel-1-Weltmeisterschaft

Beim Rallye-Sport fällt die Bilanz noch positiver aus. Von den bisher ausgetragenen 22 Weltmeisterschaften haben Finnen mit 12 Siegen über die Hälfte eingefahren: Juha Kankkunen und Tommi Mäkinen gleich viermal, Ari Vatanen, Hannu Mikkola und Timo Salonen einmal. Im November 2000 gesellte sich ein sechster finnischer Name hinzu: Marcus Grönholm.

Im letzten WM-Lauf, bei der Rallye von Großbritannien, lag der Brite Richard Burns vorn. Marcus Grönholm errang den zweiten Platz, obgleich er laut Beobachtern nicht einmal sein Bestes gegeben hatte. Schon ein fünfter Rang hätte für die Weltmeisterschaft ausgereicht. Hinzu kommt, dass Grönholm erstmals alle WM-Läufe bestritt - und schon beim ersten Versuch Sieger wurde. Er stellte sein fahrerisches Geschick unter Beweis, indem er die ganze Saison ohne einen nennenswerten Fahrfehler durchstand. Namhaftere Wettbewerber konnten Fehler indessen nicht ganz vermeiden, insbesondere wenn sie alles auf eine Karte setzten.

Rallye im Blut

Eine mögliche Erklärung für die motorsportlichen Erfolge der Finnen sind familiärer Natur, die Rallye-Leidenschaft wird von Generation zu Generation weitergegeben. Marcus Grönholm wurde im Januar 1968 insofern vorbelastet geboren, als sein Vater Ulf Grönholm bereits zweifacher finnischer Rallye-Meister war. Seinen ersten Rallye-Wettbewerb trat der junge Marcus als Kartenleser seines Cousins an. Auch sein heutiger Kartenleser Timo Rautiainen, mit dem er die Meisterschaft gewann, gehört zur Familie: Er ist mit Marcus Schwester verheiratet. Ob der Rallye-Funke auch bei Grönholms Kindern zündet - er ist verheiratet und Vater zweier Mädchen und eines Jungen - wird sich erst noch zeigen.

Marcus Grönholm machte 1978 den Führerschein. Im Jahr darauf gewann er bereits in der A-Gruppe die finnische Juniorenmeisterschaft, und in den 90er Jahren konnte er schon Seniorenmeisterschaften verbuchen. Die Talentsucher großer Autofirmen wurden alsbald auf den begabten Fahrer aufmerksam, der sehnlichst darauf wartete, ein seinem Talent ebenbürtiges Auto steuern zu können.

Image size 31 Kb

Sein Sieg 1998 in Jyväskylä öffnete ihm alle Türen. Gleich vier Autohersteller boten ihm einen Vertrag an. Grönholm wählte Peugeot Sport, der mit Verve auf die Rallye-Pisten drängte. Grönholm bestritt 1999 als Werksfahrer mit mäßigem Erfolg etliche WM-Läufe. Er hat seine Ziele hoch, aber angesichts des harten Wettbewerbs realistisch langfristig angelegt. Niemand hatte von ihm oder der Automarke so früh eine Weltmeisterschaft erwartet. „Kaum zu fassen”, wundert er sich selbst.

Kühl beherrscht, aber ausreichend aggressiv

Das Jahr 2000 war für Grönholm und Peugeot nicht schieres Zuckerschlecken, alles andere. Bei der Monte Carlo-, Safari-, Akropolis- und Zypern-Rallye musste Grönholm unterbrechen. Dafür gewann er die Schweden-, Neu-Seeland-, Neste Finland- und Australien-Rallye und war Zweiter in Portugal und in England, Vierter in San Remo und Fünfter in Katalonien und Korsika. Die Gesamtpunkte reichten für die Weltmeisterschaft - vor dem Sieger des letzten WM-Laufs, des Briten Richard Burns.

Früher kannte man Marcus Grönholm als einen draufgängerischen, manchmal auch wagehalsigen Fahrer, dessen ungebremste Ungeduld ihn oft im Straßengraben landen ließ. Er erklärt dies mit hohem Stress und dem Bedürfnis zu glänzen, weil er nur hin und wieder ein Auto für einen WM-Lauf erhielt. Der Werksvertrag hat seinen Übereifer gebremst. „Es kann sein, dass ich heute meinen Überschwang besser kontrolliere”, sagte Grönholm nach gewonnener Meisterschaft. Peugeots Teamchef Jean-Pierre Nicolas ist über Grönholms rasches Lernvermögen verblüfft: „Allein der Gedanke, dass er im nächsten Jahr noch besser wird, ist überwältigend.”

Eigentlich kann Finnland schon mit sieben Rallye-Weltmeistern aufwarten, denn der legendäre Markku Alén gewann 1978 den inoffiziellen FIA-Cup. Für ihn sind eine angemessene Portion Wagemut und Temperament sowie kühles Kalkül die Gründe dafür, dass Finnen im Rallye-Sport reüssieren. „Um zu gewinnen, muss man zwar rasant fahren, aber auch seine Grenzen kennen. Vielleicht gehört es zum finnischen Naturell, dabei kühl und beherrscht zu bleiben - cool auch in überraschenden Situationen.”

Siehe auch:
WTF-O Tommi Mäkinen - Ick bün all hier
Sports.Com: Grönholm Weltmeister
Für Grönholm geht ein Traum in Erfüllung