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Faszination des Eisangelns
Wer im Winter Finnland bereist, dem bietet sich ein verblüffender Anblick. Die zugefrorenen Seen und Meeresbuchten sind übersät mit hockenden dunklen Gestalten, und das bei jedem Wetter. Eine halbe Million Finnen können nicht danebenliegen: Angeln am Eisloch macht Spaß!

Ein bekennender Eisangler zieht schon morgens in aller Frühe los und angelt bis der Abend dämmert, auch wenn sich die Ausbeute auf ein paar kümmerliche Plötzen beschränken sollte. Dieses Ritual wiederholt sich so lange, wie die Eisdecke trägt, Wochenende für Wochenende, vom November-Dezember bis spät im April. Eingefleischte Eisangler fahren der schwindenden Eisdecke im Süden nach Norden hinterher, wo sie auch noch im Mai ihrem Hobby nachgehen können.

Winterliche Wettbewerbe

Image size 13 Kb Der Eisangelsport hat auch Geschäftsleute auf den Plan gerufen, die allerorten und jedes Wochenende Eisangel-Wettbewerbe unterschiedlichen Niveaus ausrichten. Selbst Rentner, die auch werktags Zeit für ihr Steckenpferd haben, wurden dabei nicht vergessen. Bei großen Wettbewerben muß man allerdings tief in die Tasche greifen, aber auch die ausgelobten Preise können sich sehen lassen: eine Million Finnmark (ca. 170 000 Euro), ein Mercedes oder eine Reise um die Welt. Bei dem Millionen-Spiel ist es noch niemanden geglückt, einen als Hauptpreis markierten Fisch aufs Eis ziehen, aber ein Preisgeld von 100 000 Finnmark (ca. 17 000 Euro) konnte schon mancher Gewinner einstecken.

Die größten Wettbewerbe locken bis zu 20 000 Teilnehmer an, wo sie dann auf dem gleichen See fast Schulter an Schulter zusammenhocken. Da kann es vorkommen, daß einer von zwei benachbarten Eisanglern 4-5 Stunden lang einen Fisch nach dem anderen aus dem Eisloch holt, während sein Nachbar das Nachsehen hat. In Wettbewerben ist gewöhnlich ein Fang von 5 Kilo obligatorisch, im besten Fall wurde in ein paar Stunden über 20 Kilo geangelt. In finnischen Eisangel-Wettbewerben werden nur Barsche als Preisfische akzeptiert.

„Der Angler entwickelt mit der Zeit einen sechsten Sinn. Man muß sich in die Welt der Fische hineinversetzen können und ihre Angewohnheiten kennen. Ein neuer Eisangel-Overall und eine neue Ausrüstung machen noch keinen Eisangler”, sagt Sami Kainulainen vom Zentralverband Finnischer Fischer. Kainulainen ist selbst ein meisterhafter Eisangler mit über 10 persönlichen und Mannschaftsmedaillen bei finnischen Meisterschaften sowie ein paar Weltmeisterschaftsmedaillen.

Preiswertes Hobby

Image size 2 Kb Laut Kainulainen eignet sich Eisangeln für jeden, der sich gerne in der Natur aufhält. In die Geheimnisse der Disziplin läßt man sich am besten von einem gestandenen Eisangler einweihen, freilich „auch einige alte Fischer sind mit allen Wassern gewaschen”. Das Hobby kostet nicht viel im Vergleich zu anderen Sportarten. Vonnöten sind eine warme, windundurchlässige leichte Kleidung, ein ordentlicher Rucksack, ein Eisbohrer und eine Angel samt Ködern. Wenn man die Kleidung ausnimmt, kommt man mit ein paar Hundert Finnmark aus.

Eisangeln zählt, anders als andere Fischfangmethoden, in Finnland zu den sog. Jedermannsrechten, die auch für alle EU-Bürger gelten. Jedermann/frau hat das Recht, überall ein Loch in die Eisdecke zu bohren und zu angeln.

„Auf dem Eis muß man sich vorsichtig bewegen”, erinnert Kainulainen. Er ist selbst einmal eingebrochen, was bei winterlichen Minustemperaturen nicht gerade ein Vergnügen ist. Im Frühwinter ist eine Decke von fünf Zentimeter Neueis stark genug, um einen Menschen zu tragen, aber wenn das Eis in der Frühjahrsonne zu schmelzen beginnt, kann auch eine 40-Zentimeter-Decke einbrechen. Ein Anfänger tut gut daran, den ersten Beutezug in Begleitung eines erfahrenen Eisanglers anzutreten.

„Eisangeln beruhigt auf einzigartige Weise das Gemüt. Wer sich aufs Eis begibt, will sich entspannen und einen schönen Tag erleben, die Beute ist nicht das Wichtigste. Es ist ein gesunder Freizeitsport, und die physische Belastung ist groß genug, wenn man auch noch durch Schneewehen stapfen muß. Im Spätwinter breche ich allein zu einem Wildmarksee auf. Dort lausche ich den Birkhühnern und versenke mich in die Natur. Etwas Besseres kann ich mir nicht vorstellen.”