Image size 24 Kb Erfolgreich am Berg und im Business

Der Bergsteiger Veikka Gustafsson kann mit einer Erfolgsstory aufwarten, die auch als amerikanischer Traum durchgehen könnte. Er verkörpert schwindelerregende Abenteuer, allgegenwärtige Gefahren, spektakuläre Einzelleistungen, Erfolg am Berg und im Business. Noch vor sieben Jahren verdiente er seinen Lebensunterhalt als Fahrer eines Frachttaxis. Heute hat sich der Gipfelstürmer mediengerecht zu einem Helden aufgeschwungen, den jeder Finne kennt. So wurde Veikka in einem Kinderbuch verewigt, und als Puppe ist er auch in Warenhäusern erhältlich.

Abenteuerlust liegt den Gustafssons offenbar im Blut. Veikkas Vater hatte bereits mit seiner Seilschaft den höchsten Gipfel der Alpen, den Mont Blanc, erstürmt, sein Sohn war bei der Expedition dabei. „Anfangs war es jugendliche Abenteuerlust. Ich wollte beweisen, daß ich ein ganzer Kerl war. Für mich war Bergsteigen eine Heldentat mutiger Männer, die mit Tempo und gefährlichen Situationen verbunden ist. Aber Klettern ist im Gegenteil ein überaus planvolles und mühsames Unterfangen. Die hehren Vorstellungen geraten spätestens dann ins Wanken, wenn man sich aus Erschöpfung über seine Kleidung erbricht. Diese Erfahrung hat wenig mit dem Heros zu tun, der auf einem hohen Gipfel thront und lächelnd eine Fahne schwenkt.”

Veikkas Image eines Gipfelstürmers beruht nichtsdestotrotz auf handfesten Fakten. Es gibt nur wenige Bergsteiger, die sich bereits in jungen Jahren so viele Meriten am Berg erworben haben wie Veikka Gustafsson. Von den vierzehn über 8000 Meter hohen Gipfeln des Himalaja hat er schon sieben bezwungen, und langfristig will er sie alle erobern. Den höchsten Berg der Welt, den Mount Everest (8846 m), erklomm er 1993 als erster Finne. Als größere Errungenschaft wertet Veikka indessen den Aufstieg zur K2-Spitze, der ihm ein Jahr später gelang. Das haben außer ihm bislang nur 150 von 1000 Kraxlern, die bisher dem Mount Everest zu Leib gerückt sind, geschafft - und jedes Jahr versuchen 100 weitere Draufgänger ihr Glück.

Klettern ist Teamwork in Reinkultur

„Imponiergehabe ist langfristig keine ausreichende Motivation. An seine Stelle tritt etwas viel Wertvolleres”, weiß Veikka Gustafsson aus Erfahrung. „Das Salz des Bergsteigens ist ein nahtloser Gruppengeist. Klettern ist Teamwork in Reinkultur. Eine Seilschaft kann nicht ohne völliges gegenseitiges Vertrauen auskommen. Das bedeutet, daß man sein Leben einem anderen anvertrauen kann. Meine heutige Seilschaft wurde durch höchst brenzlige Situationen zusammengeschweißt.”

Veikka Gustafsson hat sich in Bergsteigerkreisen weltweit einen Namen gemacht, in Finnland kennt man ihn eher als Kultfigur und ein gut eingeführtes Markenzeichen. „Ich bin ein Profi, was aber nicht bedeutet, daß ich jeden Tag morgens um acht eine Kletterpartie hinlege. Das ist ein so teures Hobby, daß man es ohne Sponsoren gar nicht ausüben kann. Mich unterstützen fünf größere Kooperationspartner. Ich bezahle die in mich investierten Mittel zurück, indem ich mich zur ihrer Verfügung halte.” Deshalb spricht der Gesponserte vor diversen Zielgruppen über seine Erfahrungen: über seine Zielsetzungen und Motivation, über Teamwork und Risikosteuerung. Die Nachfrage ist so groß, daß ihm kaum Zeit zum eigentlichen Klettern bleibt.

Die Glorie des Bergsteigens liegt in den Abgründen, die sich unter dem Bergsteiger auftun, und in der damit verbundenen Absturzgefahr. „Es macht keinen Sinn, gewisse Risiken einzugehen, weil der Einsatz zu hoch ist. Wer seine Tollkühnheit mit dem Leben bezahlt, hat nichts mehr zu verlieren. Je mehr Erfahrungen ein Bergsteiger hat, desto genauer überlegt er seine Entscheidungen. Bergsteigen ist eine bewußte Entscheidung, sich in eine risikoreiche Umgebung zu wagen - und an Ort und Stelle die Risiken zu minimieren. Man muß sich halt zu richtigen Entscheidungen durchringen. Da kann es vorkommen, daß der Zielgipfel nur noch ein paar Hundert Meter entfernt ist, aber man muß auf seine Besteigung verzichten, weil auf der anderen Waagschale das eigene Leben liegt. Und das zählt eben dann doch mehr, als einen windigen Berggipfel zu erobern.”

Warenzeichen mit Heldenimage

Veikka Gustafsson gibt offen zu, daß er danach strebt, seinen Namen zum Warenzeichen zu machen. „Unter meinen Namen und in seinem Umfeld kann man alles mögliches verkaufen, aber ein Mensch kann natürlich nicht selbst zum Produkt werden”, sinniert er über die kommerziellen Aspekte seines Berufs. „Wenn man sich zu einem Produkt entwickelt, dann färbt das sicherlich auch auf den Menschen ab. Mir ging anfangs die Fähigkeit, mich selbst in Szene zu setzen, völlig ab. Heute hingegen kann ich routiniert vor fünfhundert Gymnasiasten sprechen. Das ist auch ein Lernprozeß”.

Image size 24 Kb In Finnland wird die Puppe „Veikka, der Bergsteiger” samt Zubehör in Supermärkten angeboten und im Fernsehen beworben. Veikka erzählt, daß er anfangs strikt gegen diese Idee war, aber daß er sich eines anderen besonnen hat. „Meinetwegen, das ist dann eben mein Beitrag zur Gewaltlosigkeit in Kinderspielen. Die Puppe ist schließlich kein Action Man oder ein bewaffnetes Weltraum-Ungeheuer, das tausend Köpfe in einer Sekunde abrasieren kann. Im Gegenteil, die Veikka-Puppe ist ein putzmunterer, positiver Kamerad, den viele Kinder als Held annehmen. Das mag sich aus meinem Mund prahlerisch anhören, aber auch das habe ich in diesem Job lernen müssen. Mit den Barbie-Puppen für Mädchen kommt die Veikka-Puppe prächtig aus. Daß ein Bergsteiger zum Idol von Jungen wird, ist okay. Und wenn für mich dabei ein Profit abfällt, was will man mehr.”

Das Selbstwertgefühl des Gipfelstürmers, der berufshalber von seinen Kletterpartien erzählt, ist ungebrochen. Veikka Gustafsson hat seine Heldenrolle mit Glanz und Gloria verinnerlicht: „Jeder hat seine Träume und steht vor Herausforderungen, die er verwirklichen kann. Ich selbst bin ein lebendiges Beispiel dafür. Noch vor sieben Jahren war ich ein Frachttaxifahrer und arbeitete auf dem Bau. Heute verklare ich Topmanagern von Spitzenunternehmen, wie man seine Ziele setzen muß und erreichen kann.”