Image size 9 Kb Unverwüstlich:
Paavo Nurmi 

Die modernen Olympischen Spiele gehen auf das Jahr 1896 in Athen zurück. Der Siegeszug finnischer Athleten bei Olympiaden reicht von den zweiten Athener Spielen 1906 bis zu Atlanta 1996. Einen der unverwüstlichsten Olympiamythen verkörperte der finnische Läufer Paavo Nurmi, dessen Geburtsjahr sich 1997 zum 100. Mal jährte.

Der finnische Beitrag zu Olympischen Spielen war durchweg imposant, angesichts der Kleinheit des Landes nachgerade sensationell. Als Finnland in Atlanta antrat, hatten einheimische Sportler seit 1906 bei jeder Olympiade zumindest eine Goldmedaille ergattern können. Nur vier andere Länder können die gleiche Erfolgsbilanz vorweisen. Finnische Paradedisziplinen waren der 5000- und 10 000-Meter-Lauf, in denen das Land in der Olympiahistorie mit Abstand vorne liegt. Der erste finnische Spitzenläufer war Hannes Kolehmainen, der Held der Spiele von Stockholm 1912 und Antwerpen 1920. Der „Lächelnde Hannes, der Finnland einen Platz auf der Weltkarte erlief”, - so die gängige Metapher hierzulande - war beispielgebend für den finnischen Sport.

In die Fußstapfen des Pioniers Kolehmainen trat kein Geringerer als Paavo Nurmi, der „Fliegende Finne”. Der neunmalige Olympiasieger erlief stolze 31 Weltrekorde. Die Rekorde sind inzwischen längst gebrochen, aber Nurmis Überlegenheit und sich von Wettbewerb zu Wettbewerb steigernde Souveränität ist zu einer Legende geronnen. Nurmi, so hieß es, kämpfte nicht gegen seine Konkurrenten, sondern gegen die Uhr an. Die sportliche Bandbreite Nurmis war beispiellos. Er war jahrelang unschlagbar auf allen Strecken von 1500 bis 10 000 Metern. Der einzige Marathon-Lauf, den er je bestritt, wies ihn zudem als einen hervorragenden Marathonläufer aus.

Lasse Viren
Image size 5 Kb Der 1973 verstorbene Nurmi ist noch immer einer der bekanntesten Finnen. Im internationalen Maßstab gehört er in dieselbe Liga wie Jean Sibelius im Reich der Musik. Auch nach den Glanzzeiten Kolehmainens und Nurmis konnte Finnland mit Spitzenläufern aufwarten. So erliefen, innerhalb einer halben Stunde, Lasse Viren (10 000 m) und Pekka Vesala (1500 m) in München 1972 jeweils eine Goldmedaille. Obgleich Viren unterwegs gestürzt war, ging er in Weltrekordzeit durchs Ziel. Er gewann zudem den 5000-Meter-Lauf und wiederholte den Doppelmedaillensieg 1976 in Montreal.

Die unverhältnismäßig große Rolle, die der Sport in dem kleinen Finnland spielt, ist weitgehend historisch bedingt. Die Kontinuität sportlicher Erfolge läßt hoffen, daß sie auch künftig anhält - trotz des härteren Wettbewerbs und den Mammutausmaßen heutiger Olympiaden. Bislang waren finnische Läufer, Speerwerfer und Ringer besonders erfolgreich, aber neuerdings tun sich auch finnische Schwimmer als Weltrekordbrecher hervor.

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Zum 100. Geburtstag
von Paavo Nurmi
Paavo Nurmi wurde am 13.6.1897 in Turku geboren. Grund genug, im Jubiläumsjahr 1997 zahlreiche Veranstaltungen zum 100. Geburtstag des legendären Läufers auszurichten. Den Anfang machte im Januar das Stadttheater Turku, das Nurmis Errungenschaften mit Mitteln des Ausdruckstanzes veranschaulicht.

Nurmis heimatlicher Sportverein in Turku zeigt seit Anfang 1997 in seinem Büro eine Foto-Ausstellung über das Leben Nurmis. Seine Olympia-Urkunden, die ihn als neunfachen Olympiasieger ausweisen, können ebenfalls besichtigt werden. Im März dieses Jahres wurde zudem eine Briefmarke zum Jubiläumsjahr herausgegeben.

Im Rahmen der eigentlichen Festwoche vom 10.-13.6. veranstaltete das Paavo-Nurmi-Zentrum einen internationalen Kongreß, zu dem eine Reihe namhafter Teilnehmer eingeladen wurde, u.a. Emil Zatopek, Arthur Lydiard und Grete Waitz.

Am 12. Juni gingen im Stadion von Turku die Paavo-Nurmi-Spiele über den Rasen. Die Disziplinen der Damen waren 100 und 5000 Meter-Lauf, Speerwurf und Weitsprung. Die Herren traten im 100 und 110 Meter-Hürdenlauf, Stabhochsprung, Speerwurf, Kugelstoßen und zum Paavo Nurmi Challenge (1500 und 5000 Meter-Lauf) an. Nach diesen beiden Läufen wurde eine 50minütige Pause eingelegt zum Gedenken an Nurmis Weltrekorde (3.52,6 und 14.28,3) auf der Pariser Olympiade 1924, zwischen denen er nur 55 Minuten pausiert hatte.

Das Hauptfest wurde am 13.6., dem Geburtstag des Fliegenden Finnen, in Helsinki durchgeführt. Die letzte Veranstaltung des Jubiläumsjahrs war der Paavo-Nurmi-Marathon, der am 6. Juli in Turku ausgetragen wurde.

Theatralische Rückkehr

Im August 2000 ist Paavo Nurmi abermals die Attraktion im Olympiastadion von Helsinki: in der Rolle eines Opernheros. Das Libretto der Oper über den Läufer schrieb der renommierte Schriftsteller Paavo Haavikko, die Musik komponierte Tuomas Kantelinen. Die Aufführung im Stadion war eine Koproduktion des Stadttheaters Helsinki mit dem Projekt „Helsinki - europäische Kulturstadt 2000”.

Nurmi-Oper: Nur Finnen können fliegen
Eine Oper durchlöchert den Mythos Paavo Nurmi Nurmis Rekorde
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