Sulkava legt sich in die Riemen
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Binnen von drei Jahrzehnten hat sich in dem kleinen Dorf Sulkava, unweit von Savonlinna und seinen bekannten Opernfestspielen, die weltgrößte Ruderveranstaltung etabliert. 1997 umrundeten schon über 8000 Ruderer die Insel Partalansaari.

Wasser allerorten

Archäologische Funde bezeugen, daß die heutigen finnischen Gewässer schon seit Jahrtausenden mit Booten befahren wurden. Im finnischen Nationalepos Kalevala haben sich um den Bootsbau mancherlei Mythen und Sagen gewunden, bei denen die folgenschwersten Abenteuer bei Bootsfahrten bestanden werden mußten.

Wasser allerorten. Die Küstenlinie ist 4 600 Kilometer lang. Es gibt an die 55 000 Seen, und eine Unmenge an kleineren Teichen, die wohl noch nie gezählt worden sind. Zudem winden sich zig Flüsse durch das vorwiegend flache Land.

Mit Ruderbooten fuhr man, noch am Anfang des Jahrhunderts, zur Arbeitsstelle, zum Geschäft und zur Schule. Mit großen Kirchbooten wurden sonntags lange Fahrten zum Gottesdienst unternommen. Die für das Meer, Seen und Flüsse bestimmten Vehikel waren verschiedenartige Modelle, und überdies konnte jede Provinz mit eigenen Bootstypen aufwarten. Der Bootsbau und Rudern hat in Finnland eine lange Tradition.

Dies erklärt indes nur teilweise, daß sich der Rudermarathon in Sulkava zur größten einschlägigen Veranstaltung der Welt ausgewachsen hat, die im Sommer 1997 schon zum 30. Mal ausgerichtet wurde. Ganze 8 101 Ruderer, mehr denn je zuvor, nahmen an ihr teil. Man rechnet damit, daß im Jahr 2000 die 10 000-Marke überschritten wird. Den Namen Sulkava kennt man mittlerweile in und über Europa hinaus.

Die Gemeinde Sulkava zählt unter viertausend Einwohner, die im Sommer nur für den Rudermarathon leben. Jedermann(frau) im Dorf ist, direkt oder indirekt, mit von Partie. Hunderte von Booten und Tausende von Ruderern auf dem blauen Saimaassee hinterlassen einen bleibenden Eindruck.

36 kamen ans Ziel

Wie so oft begann alles mit dem Einfall eines einzelnen. Die Idee, einen Ruderwettbewerb um die größte Insel des Saimaasees ins Leben zu rufen, hatte der Bootsbauer Kauko Miettinen. In Sulkava geht seit langem die Geschichte um von einem Bräutigam, der diese über 60 Kilometer lange Entfernung hinter sich gebracht hatte, und von einer Alten, die in einem Wutanfall diese Strecke ebenfalls geschafft und, weil sie zuviel Bohnensuppe gegessen hatte, an einer Klippe zerbarst. Kauko Miettinen beschloß jedenfalls, ein selbst gebautes Holzboot als Preis zur Verfügung zu stellen, falls der Ruderwettbewerb verwirklicht würde.

Daraufhin wurden im Dorf konkrete Pläne geschmiedet und ein Ausschuß gegründet, und am zweiten Wochenende des Juli 1968 gingen die ersten 38 Ruderer an den Start. Viele waren skeptisch, und es wurden Wetten abgeschlossen, ob überhaupt jemand eine so lange Strecke bewältigen könne. 36 kamen ans Ziel. Nach diesem geglückten Auftakt wurde die Veranstaltung Jahr um Jahr wiederholt, und 1997, zum 30. Jubiläum, übernahm Präsident Martti Ahtisaari die Schirmherrschaft.

Der größte Rudermarathon der Welt kommt natürlich ohne eine weitreichende Organisation nicht aus. Anfangs wurde die Veranstaltung in freiwilliger Gemeinschaftsarbeit ausgerichtet. Hunderte von ehrenamtlichen Helfern kümmerten sich um die Verpflegung und die Verkehrsüberwachung, und halfen in der Kanzlei, in Betreuungsbooten, als Zeitnehmer und bei vielen anderen Aufgaben aus. Bei steigender Teilnehmerzahl mußten ständig neue Dienstleistungen angeboten werden. 1986 erwarb die Sulkava-Gesellschaft ein anderthalb großes Areal für Bootswanderer und baute die erforderlichen Saunen, Wirtschafts- und Küchengebäude. Im folgenden Jahr konnte sie ein imposantes Ruderstadion einweihen.

In Sulkava kann jeder eine ihm genehme Form der Teilnahme wählen. Dafür bieten sich an die zwanzig Kategorien an, vom Einzelboot bis zu langen Kirchbooten. Obwohl für die meisten Ruderer die Teilnahme die Hauptsache ist, prägt ein harter Konkurrenzkampf die Veranstaltung. Schließlich wird in Sulkava - gemäß den Wettbewerbsregeln des Finnischen Ruderverbands - die Finnische Meisterschaft der Kategorien Kleinboote und, für lange Strecken, der Kirchboote entschieden.

Mit dem durchschlagenden Erfolg des Rudermarathons wurde auch die Tradition des Holzbootbaus wiederbelebt. Noch vor ein paar Jahren hatte es den Anschein, daß die teueren und wartungsintensiven Holzboote von Booten mit Glasfiber- und Aluminiumrümpfen verdrängt würden. 1997 traten über achttausend Ruderer in einem Holzboot an. In Finnland wurden in den letzten Jahren ständig neue Holzbootwerften gegründet, in denen die alte Handarbeitskunst eine neue Renaissance erlebt.

Ausführlicher Bericht über „Sulkava - die Rudergemeinde”