Image size 6 Kb Gentherapie im Visier

Die größten wissenschaftlichen Durchbrüche der Universität Kuopio wurden in einem Forschungsinstitut erzielt, das den Namen des finnischen Nobelisten A.I. Virtanen trägt. Am meisten Aufsehen hat bislang ein genmanipuliertes Kalb erregt, das in dem Institut geboren wurde. Diese Milchkuh ist die erste ihrer Art in Skandinavien und die zweite in der Welt.

Genmanipulierte Tiere entwickeln sich aus einer befruchteten Eizelle, in die ein Gen mit wünschbaren Eigenschaften eingepflanzt wurde. In diesem Fall handelte es sich um ein Gen, das den Wachstumsfaktor eines menschlichen roten Blutkörperchens enthält. „Ursprünglich sollte mit diesem genmanipulierten Rind eine wertvolle Arznei produziert werden, die selten gebraucht wird”, erzählt Prof. Juhani Jänne, Leiter des A.I. Virtanen-Instituts. Da das Institut auch die Erzeugung genmanipulierter Nutztiere anpeilte, wurde die Kuh später an ein holländisches Unternehmen verkauft, das über reichlich Erfahrungen mit genmanipulierten Tieren verfügt. Eine finnische Tochtergesellschaft des Unternehmens arbeitet mit dem Institut zusammen.

Das Arbeitsfeld des jungen Instituts änderte sich grundlegend, als es 1995 in den neuen BioTeknia-Bau einzog. Seine Tätigkeit konzentrierte sich auf drei Forschungsgebiete. „Biotechnologie und Neurologie waren seit langem die Stärken der Universität Kuopio. Die molekulare Medizin und Pharmakologie wurden aufgrund ihrer Aktualität als drittes Schwerpunktgebiet gewählt”, führt Prof. Jänne aus. Für diesen Sektor wurde eine außergewöhnlich breit angelegte Rekrutierungskampagne an anderen finnischen Hochschulen gestartet.

Auf den Gebieten der Biotechnologie und insbesondere der Tierbiotechnik zählt das Institut zur internationalen Spitzenklasse. Es werden zwei Ziele angepeilt: die Produktion von therapeutisch wertvollen Eiweißstoffen in großen Tieren und die Benutzung von genetisch manipulierten Nagetieren für die Erforschung menschlicher Krankheiten.

In der molekularen Medizin stehen Gentherapien für Krebsformen und zur Prophylaxe der Verkalkung von Blutgefäßen im Vordergrund.

Die Krebstherapieforschung konzentriert sich auf die Einschleusung eines sog. Killergens in eine Krebszelle. Prof. Jänne hat dafür ein Beispiel parat: „So wird z.B. ein Herpes-Virus in eine Krebszelle geschleust und die Zelle in eine Herpes-infizierte Zelle verwandelt. Danach kann die Zelle mit Herpes-Präparaten behandelt werden, die wesentlich verträglicher sind als Krebsmedikamente.”

In Kuopio wurde im Sommer 1996 der erste Gentransfer an einem Krebspatienten vorgenommen. Es handelte sich jedoch nicht um einen regulären therapeutischen Transfer, sondern das in den Hirntumor eines Patienten transferierte Gen war ein sog. Markergen. Obwohl in Kuopio auch mit therapeutischen Gentranfers begonnen wurde - ein Suicid-Gen wurde in den Hirntumor eines Patienten eingeschleust -, sollen keine verfrühten Hoffnungen geweckt werden. Bis sich die Gentherapie zu einer Routinemaßnahme ausgewachsen hat, ist es noch eine langer, bis ins nächste Jahrtausend reichender Weg.

Die größten Fortschritte hat das Institut auf dem Gebiet der Gehirnforschung gemacht: Es entwickelt, gemeinsam mit der Pharma-Industrie, ein Medikament für die Behandlung der Alzheimer-Krankheit. Die Molekularbiologie hat auf dem diesem Gebiet völlig neue Möglichkeiten erschlossen. Die Universität Kuopio steht mit an vorderster Front bei der Erforschung von Behandlungsmethoden für altersbedingte Störungen der Gehirntätigkeit.

Siehe auch:
WTF-O Ein kleines Biowunder namens Turku