Sensationelle Fundstelle Susiluola
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Vor 12 000 Jahren erwärmte sich das Klima in Finnland, und der Eispanzer, der das Land 53 000 Jahre lang bedeckt hatte, zog sich langsam nach Norden zurück. Archäologen hielten es für ausgeschlossen, dass sie vor dieser Epoche je Spuren einer menschlichen Ansiedlung finden würden. Das hat sich geändert. Eine Serie von glücklichen Umständen brachte eine archäologische Sensation ans Licht.

An der Küste des Bottnischen Meerbusen, umweit der Stadt Kristiinankaupunki, wurde 1996 die Höhle Susiluola (Wolfshöhle) ausgebaggert, die als Touristenattraktion hergerichtet werden sollte. Einer der beteiligten Arbeiter kannte sich mit Mineralien aus und entdeckte in dem Moränenschutt einen Stein, der seiner Meinung nach von menschlicher Hand bearbeitet worden war. Zufällig war auch ein Geologe zugegen, der den Stein den Forschern des Zentralamts für Museen und Denkmalspflege zur Begutachtung zuschickte. Statt mit dem Bagger wurde nunmehr mit schonendem archäologischen Gerät weitergebuddelt und eine 120 000 Jahre alte Ansiedlung zu Tage gefördert.

„Susiluola ist weltweit eine einzigartige archäologische Fundstelle”, freut sich die Leiterin der archäologischen Abteilung des Zentralamts Paula Purhonen, die selbst vor Ort mitgeforscht hat. „In Norwegen hat man zum Beispiel Höhlen untersucht, von denen man annahm, dass sie vor der Eiszeit bewohnt waren, aber man hat nichts dergleichen entdecken können.”

Ein senkrechter Spalt in einem Fels entpuppte sich als Eingang zu einer Höhle, in der 1997-2000 Grabungen vorgenommen wurden. Die Höhle war mit sieben Sedimentschichten gefüllt, die am Eingang ein paar Meter und im hinteren Teil 70 cm dick waren.

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Die Höhle erwies sich stellenweise als gefährlicher Arbeitsplatz, und die Untersuchungen mussten auf die einsturzsicheren Teile beschränkt werden. Erst ca. 30 m² konnten mit archäologischen Mitteln erforscht werden, nicht gerade viel. Die Arbeit geht nur mühsam voran.

Die dicke oberste Schicht aus dichtgepacktem Kies und großen Steinquadern bildete sich vor rund 10 000 Jahren nach Abschmelzen des Eispanzers heraus. Zwei Schichten am Höhleneingang stehen vermutlich mit der obersten in Verbindung. „Die vierte Schicht ist die unterste beim Höhleneingang, und sie birgt eine Sensation”, frohlockt Abteilungsleiterin Purhonen. „Sie bildete einen Fußboden, als die Höhle noch leer war. Kleine Steine unterschiedlicher Größe wurden unter den Schritten von Menschen zusammengepresst.”

Hausen in Höhlen

Menschen haben in Susiluola vor 120 000 - 150 000 Jahren gehaust und gewerkelt. Die Datierung der maßgeblichen vierten Schicht wurde mit drei verschiedenartigen Verfahren ermittelt. Das auf optischer Strahlung basierende OSL-Verfahren und Analysen von Pollenproben führten zu dem gleichen Ergebnis. Die in der Höhle gefundenen Objekte wurden mit Funden in Mitteleuropa verglichen, und dabei stellte sich heraus, dass sie der frühen Moustérien-Kultur zuzurechnen sind. Dies stützte die finnische Datierung.

Image size 6 Kb Unter den aufgefundenen rund 800 Objekten befinden sich vielerlei Werkzeuge: u.a. ein einseitiger Zündbolzen, ein eingekerbtes Objekt, ein breiter Seitenschaber, ein kleiner runder Schaber, ein gezahntes Objekt und ein Schlagstein. Außerdem wurden an die 600 Abschläge gefunden, die auf eine Bearbeitung hindeuten. In der vierten und fünften Schicht lassen sich Spuren von Feuerstellen nachweisen.

„Die Verhältnisse, unter denen unser Material überdauert hat, waren für den Nachweis von menschlichem Leben nicht die besten”, räumt Paula Purhonen ein. „Gleichartige Objekte wurden 1000 Kilometer südlich von Susiluola in einem Gebiet entdeckt, das von der Eiszeit nicht erfasst wurde. Diese Objekte wurden von Neandertalern geschaffen, und daher können wir sicher sein, dass auch in Susiluola Neandertaler gehaust haben müssen. Diese vorgeschichtlichen Menschen wussten Feuer zu benutzen und verfügten über treffliche Techniken, aus geeigneten Materialien Werkzeuge anzufertigen.”

Als die Neandertaler in einer Zwischeneiszeit in- und außerhalb von Höhlen lebten, war das Klima in jenen Breitengraden bedeutend wärmer. Pollenproben aus der vierten Schicht weisen auf Baumarten hin, die nur in wärmeren Zonen gedeihen. Unter diesen Umständen musste es auch reichlich Wild gegeben haben, dem die Menschen nachstellten. Die Wissenschaft hatte dieses Szenarium schon früher antizipiert, aber erst heute kann sie dafür den ersten und einzigen Beweis antreten.

Schon vor 100 000 Jahren gab es Menschen in Susiluola