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Uni Turku brilliert mit funktionalen Lebensmitteln

Die Region Turku gilt traditionell als die Getreidekammer Finnlands, die den größten Bedarf des Landes an Weizen und anderem Getreide deckt. Auch Gemüse und Hackfrüchte werden hier angebaut. Im Umfeld von Turku hat sich eine Lebensmittelindustrie etabliert, die als Erste in Finnland gesundheitsfördernde (funktionale oder probiotische) Lebensmittel auf den Markt gebracht hat. Zu ihnen zählen die cholesterinsenkende Benecol-Margarine von Raisio und xylithaltige Süßwaren von Leaf.

So ist es nur natürlich, dass die Spitzenforschung der Lebensmittelbranche in der Universität Turku zu Hause ist. Deren Institut für Biochemie und Lebensmittelchemie setzt u.a. stark auf die Erforschung von probiotischen Lebensmitteln, von denen Milchprodukte mit dem magenfreundlichen Lactobacillus GC am bekanntesten sind. Die Xylitforschung und die daraus resultierenden Produkte wurden wiederum im Zahnmedizinischen Institut ausgetüftelt.

Funktionale Lebensmittel sind schon seit Jahren ein Forschungsschwerpunkt der Universität. Die Forschung ist so erfolgreich, dass nun unter Federführung der Universität Turku ein überregionales Entwicklungszentrum für gesundheitsfördernde Lebensmittel ins Leben gerufen wird, um die Kooperation und das Know-how auf diesem Gebiet zu fördern. Die Entwicklung einer neuen Generation von probiotischen Lebensmitteln erfolgt - mit klaren internationalen Zielsetzungen - in Zusammenarbeit mit den Fachbereichen Naturwissenschaft und Medizin.

Langwierige und anspruchsvolle Forschung

Der Andrang auf dem Markt für probiotische Lebensmittel ist groß, weil hier viel Geld verdient werden kann. So werden weltweit xylithaltige Süßwaren im Wert von schon 500-1000 Mio. Finnmark (Euro 83-166 million) abgesetzt. Der Begriff ist problematisch, weil nicht jedes gesunde Nahrungsmittel als gesundheitsförderndes Lebensmittel bezeichnet werden darf. Bis auf Weiteres ist Japan das einzige Land mit einer einschlägigen Gesetzgebung.

„Für Europa soll demnächst ein Standard erarbeitet werden, mit dem funktionale Lebensmittel definiert werden können. Sonst ginge es drunter und drüber. Jeder könnte unter dieser Bezeichnung was auch immer verkaufen, und der Verbraucherschutz käme zu kurz”, erklärt Heikki Kallio, Professor für Lebensmittelchemie an der Universität Turku.

„Es handelt sich mithin um keine Arznei, sondern ausdrücklich um ein Lebensmittel, das sich in klinischen supranationalen Untersuchungen eine Steigerung des Wohlbefindens bewirkt hat, indem es bestimmte Krankheitsrisiken verringert. Es geht um eine verbesserte Ernährung auf individueller Basis. Die Entwicklungsarbeit ist so zeitraubend und anspruchsvoll, dass diese Produkte nicht in dichter Reihenfolge auf dem Markt gebracht werden können. Sie nur für den finnischen Markt zu entwickeln, wäre unrentabel, weil man den Forschungsaufwand nicht hereinbekäme. Daher muss man immer auch auf die Exportmärkte abzielen”, präzisiert Kallio.

Die über 30 Jahre alte Lebensmittelchemieforschung der Universität Turku hat von Anfang an eng mit der Lebensmittelindustrie zusammengearbeitet. Heikki Kallio, der selbst aus der Lebensmittelindustrie kommt, erinnert sich an Zeiten, als man um dieses Recht auf Kooperation regelrecht kämpfen musste. „Eine Zusammenarbeit zwischen Universität und Industrie galt damals als nicht ganz koscher. Unser Profil war trotzdem immer stark wissenschaftlich ausgerichtet”. Die internationalen Verbindungen wie der Studentenaustausch und die Zusammenarbeit mit ausländischen Universitäten waren von Anbeginn sehr rege.

Wundersamer Sanddorn

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Ein Teilgebiet der universitären Forschung ist die sinnlich erfahrbare Qualität von Nahrungsmitteln. „Gewissermaßen werden die Leute beschummelt, indem wir gesunden Lebensmittel einen guten Geschmack verleihen.” Forschungsobjekt sind auch finnisches Gemüse und Beeren.

Bekannt ist die Universität Turku auch wegen ihrer Sanddornforschung, und die verblüffenden Eigenschaften von Sanddornbeeren Hippophaë rhamnoises versetzen den Professor noch immer in Begeisterung: „Die ältesten chinesischen Erwähnungen von Sanddorn sind 800 Jahre alt. Sanddornbeeren werden so viele gesundheitsfördernde und sogar heilende Auswirkungen zugeschrieben, dass sie mitunter geradezu unglaubwürdig klingen. Wir haben diese Behauptungen untersucht, und die bisherigen Ergebnisse stützen weitgehend die Auffassung der Chinesen.”

Sanddorn werden positive Wirkungen bei u.a. Speiseröhren- und Schleimhautproblemen, bei Hautverletzungen sowie bei Herz- und Gefäßkrankheiten nachgesagt. Könnte man Sanddornöl als funktionales Lebensmittel bezeichnen? „Hoffentlich eines Tages, noch reichen die Beweise nicht aus”, meint Kallio.

Der Mensch ist, was er isst

Krankheiten kommen der Gesellschaft teuer zu stehen, doch schon allein mit einer richtigen Ernährung könnte ihre Zahl deutlich abgesenkt werden. Das Problem lässt sich laut Kallio jedoch nicht ausschließlich mit probiotischen Lebensmitteln lösen. Kallios Ratschläge sind kurz und einfach: Iss weniger und bewege dich mehr. Iss mehr Beeren und Gemüse, weniger Salz und Zucker. Iss mehr Roggenbrot, Kartoffel und Fisch. Der Fettkonsum kann vermindert werden, sollte aber nicht völlig vermieden werden, weil Fett ein wichtiger Nährstoff ist. Auch Butter ist nach Kallios Meinung, in Maßen genossen, besser als ihr Ruf.

„Erst wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, treten gesundheitsfördernde Lebensmittel auf den Plan. Dafür interessieren sich in der Regel Leute, die sie sich auch leisten können. Und damit sind wir wieder bei den problematischen Lebensgewohnheiten in unserer Gesellschaft.”