Finnland im Briefmarkenformat
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Helsinki erhielt 2000 zwei eigene Briefmarkenhefte. Eines stellt Architektur vor: das neue Museum für moderne Kunst Kiasma, die Domkirche im Empire-Stil, Alvar Aaltos Finlandia-Halle und der funktionalistische Glaspalast.

Briefmarkensammeln ist das verbreiteste Hobby der Welt. Und es mangelt nicht an Nachschub. Bislang wurden weltweit eine halbe Million verschiedenartige Postwertzeichen herausgebracht, deren Auflagen insgesamt Tausende von Milliarden Marken erreichen. Alljährlich werden über 10 000 Briefmarken gedruckt. Allein in Finnland wurden 1999 über vierzig diverse Briefmarken veröffentlicht, und das Jahr 2000 wird garantiert nicht hinter dem Vorjahr zurückbleiben. Obgleich die Auflage einer Sondermarke höchstens 4 Millionen zählt und die von einigen Serienmarken unlimitiert ist, sind finnische Briefmarken nur ein Tropfen im globalen Philateliemeer. Deshalb sind seltene Sondermarken und originell gestaltete Postwertzeichen für Philatelisten höchst attraktiv. Die schönsten finnischen Briefmarken wurden mit etlichen internationalen Preise ausgezeichnet. Das finnische Postwesen wurde 1638 gegründet, die ersten Briefmarken erschienen 1856.

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Die von Pirkko Vahtero entworfene Marke mit Bärenmotiv wurde 1989 in Wien zur besten Briefmarke gekürt. Finnische Marken haben in den letzten Jahrzehnten etliche internationale Auszeichnungen eingeheimst.

Die Briefmarkenhandlung von Kaj Hellman genießt unter Profi-Philatelisten aus aller Welt einen guten Ruf. Hellman versteht Philatelie als einen sehr weitgefaßten Begriff. „Da sind auf der einen Seite Leute, für die Briefmarkensammeln ein anregendes Steckpferd ist, und auf der anderen Seite Philatelisten, die ihr Hobby wissenschaftlich fundiert betreiben wie Spitzensportler. Sie kämpfen untereinander um Medaillen wie bei Olympischen Spielen. Zu großen Ausstellungen wird ein Neuling erst nach strengen Ausscheidungen zugelassen. Hier geht es nicht um das Kleingeld von Hobbysammlern, hier müssen große Summen investiert werden.”

Schiffspostmarken sind begehrte Sammlerobjekte

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Die runden Marken auf einem Briefumschlag einer Schiffahrtsgesellschaft gehen auf das Jahr 1895 zurück.

„Philatelisten kennen Finnland und schätzen unsere Briefmarken, sowohl alte als auch neue. Es gibt viele Länder mit ziemlich drögen Briefmarken - das bezieht sich nicht nur auf ihr Aussehen. Finnland gehört nicht zu dieser Gruppe”, weiß Kaj Hellman. „Am interessantesten sind Briefmarken, wenn sie etwas Besonderes, etwas Historisches zu erzählen haben. Die um die Jahrhundertwende auf den finnischen Schären benutzten Briefmarken und -stempel, die von Schiffahrtsgesellschaften herausgegeben wurden, sind weltweit einzigartige Sammlerobjekte. Damals war die finnische Post noch nicht für den Schärenverkehr zuständig.”

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Die 25-Penni-Marke des Raddampfers „Runeberg” stammt aus dem Jahr 1894.

„Über diese Schiffspostmarken wurden vier dicke Bücher geschrieben, und eines von ihnen behandelt ausschließlich Finnland. Ich kenne sogar einen japanischen Professor, der sich auf finnische Schiffspostmarken spezialisiert hat.”

Die Briefmarkenauflagen wurden schon immer an den Bedarf angepaßt. Doch eine Briefmarke kann viel mehr sein als eine Freimarke für einen Brief. Mit Briefmarken werden verdienstvolle Persönlichkeiten ausgezeichnet, Ereignisse, Kunstwerke oder ein Stück Natur verewigt. Die Zahl der Motive ist grenzenlos. „In den 30er Jahren erschienen in Finnland nur drei bis fünf neue Marken pro Jahr, heute sind es Dutzende”, erläutert Hellman. „Der Kurswechsel geschah vor dreißig Jahren. Früher wurden nur wenige Sondermarken herausgebracht, zum Beispiel zum 500. Jubiläum einer Stadt. Image size 9 Kb Damals hätte man sich nicht vorstellen können, daß die Post eine Serie mit acht Hundemotiven herausbringen würde. Die Leute lieben heute diese hübschen drolligen Marken. Doch jetzt, wo Mika Häkkinen die Weltmeisterschaft 1999 in der Formel I errungen hat, ist die Post sofort bereit, eine Marke und einen Kleinbogen zu dem Thema aufzulegen. Über den Spitzenfußballer Jari Litmanen wurde schon 1995 eine Marke veröffentlicht.”

Zeitgeschichte auf Briefmarken

Die Zeitgeschichte spiegelt sich ebenfalls auf Briefmarken wider. Die finnische EU-Ratspräsidentschaft wurde bereits philatelistisch dokumentiert. Das Veröffentlichungsprogramm des Jahres 2000 sieht eine Reihe von Postwertzeichen über Helsinki als Kulturstadt, Europas vor; die Stadt begeht zugleich ihr 450. Jubiläum. Auch die Helsinki vorgelagerte Festung Suomenlinna, die vor ein paar Jahren 250 Jahre alt wurde, erhält eine eigene Marke. Glanzstücke des finnischen Industriedesigns werden in einem Heft mit sechs Marken vorgestellt. Und um die Jahrtausendwende wird eine Millenium-Postkarte auf den Weg gebracht, die am 31.12. 1999 und am 1.1. 2000 mit einem Sonderstempel zum Sammlerobjekt veredelt wird.

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Die Natur ist ein unerschöpfliches Motiv für die schönsten finnischen Briefmarken. Die Vögel-Serie von Erik Bruun wurde erstmals im Mai 1999 flügge.

Kaj Hellman gerät ins Schwärmen, wenn er über die hohe Kunst der Philatelie fachsimpelt: „Eine hochkarätige Motivsammlung muß eine klare Struktur haben, eine Geschichte erzählen. Zum Beispiel Mozarts Lebensgeschichte anhand von Briefmarken. Ein Höhepunkt könnte ein in Mozarts Geburtsstadt zu seinem Geburtstag abgestempelter Briefumschlag sein - ohne Briefmarken, versteht sich, denn damals gab es noch keine. Finnische Motivsammlungen könnten zum Beispiel das Thema Feldpost während des letzten Krieges abhandeln.” Hellman wundert sich, warum noch niemand das Schicksal der finnischen Karelier in einer Sammlung dokumentiert hat. „Interessante Sammelmotive gibt es zuhauf.”
Siehe auch:
WTF-O Das Löwenwappen