Anmausen des Bildes wechselt die Jahreszeit
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Zauber der finnischen Taiga

Die zerklüftete Wildmark Kuusamos mit ihren Wäldern, Fjälls, Talschluchten, reißenden Flüssen und Stromschnellen ist von atemberaubender Herbheit. Mancher ist dem Zauber dieser Landschaft so sehr verfallen, daß er sie jedes Jahr aufs neue erleben möchte: Die überbordende Lebenskraft des Frühsommers oder die Farbensinfonie des Herbstes.

Image size 5 Kb In Kuusamo, direkt vor dem Polarkreis, wo die baumlosen Fjälls Lapplands anfangen, erstrecken sich die letzten bewaldeten Wildmarken Europas. Kuusamo ist das westlichste Gebiet Europas, das Charakteristika der sibirischen Taiga aufweist. Kuusamo liegt 300 Meter über dem Meeresspiegel, und seine Flora und Fauna, das Klima und die jährlichen Niederschlagsmengen sind für den Landschaftstyp Taiga kennzeichnend. Hohe, schmalästige sibirische Fichten bilden eine eigene Baumart, die im Winter gewaltige Schneelasten tragen kann. Schon 50 Kilometer weiter westlich findet der Besucher einen ganz anderen Gelände- und Fichtentyp vor.

Landschaften, die Bodenbeschaffenheit und Flora des 27 000 Hektar großen Nationalparks Oulanka sind außergewöhnlich. Zahlreiche Ortsnamen erinnern an frühgeschichtliche Siedlungen der Sami, der Ureinwohner Lapplands. Der Name „Oulanka” zum Beispiel ist samisch und bedeutet Überflutung. Durch die steilwandigen Talschluchten des Nationalparks strömt der Fluß Oulankajoki samt Nebenflüssen. Sehenswert sind die wasserfallartigen Stromschnellen, von denen der mächtigste auf einer Strecke von 100 Metern 14 Meter in die Tiefe stürzt. Der Oulankajoki macht seinem Namen alle Ehre, und wenn er im Frühjahr über die Ufer tritt, gischen und tosen seine Stromschnellen gewaltig. Wenn sich die Fluten von den Uferauen zurückziehen, bleibt auf den Wiesen ein Meer von Trollblumen zurück.

Der Nationalpark weist ein breites Spektrum an Naturtypen auf. Dick bemooste Fichtenwaldungen wechseln mit kargen Kieferheiden ab, Flußtäler und steinige Berghänge gehen in Mischwälder und Moore unterschiedlichen Typs über. Die abwechslungsreiche Natur und ein an vielen Stellen vorherrschenden Mikroklima bieten gedeihliche Voraussetzungen für eine üppige Vegetation. In dem Nationalpark wurden rund 500 Pflanzenarten gezählt, von denen viele Raritäten sind. Zu ihnen gehören geschützte hübsche Knabenkräuter wie der Rotbraune Stendelwurz Epipactis atrorubens, die Norne Calypso bulbosa, und der...

Image size 8 Kb ...Rotbraune Frauenschuh Cypripedium calceolus,
der als Europas schönste Orchidee gilt.



Die Fauna in Oulanka ist ebenfalls höchst vielseitig. Hier sind Raubtiere wie Bären, Wölfe und Vielfraße zu Hause. Unübersehbar die vielen Rentiere, auf die man im Park allerorten stößt, sowie Elche und Hasen. In dem Nationalpark nisten rund 100 Vogelarten, unter ihnen so seltene Spezies wie der Blauschwanz und die Zwergammer.

Den Park kann man besten durch per Pedes erkunden. Durch ihn verläuft eine markierte, 80 Kilometer lange Wanderroute namens Bärenrunde, die schon seit vierzig Jahren Wanderer anlockt. Kein Wunder: Die Bärenrunde führt durch Schluchten, über Fjälls, durch Urwälder und an gischenden Stromschnellen entlang. Natursehenswürdigkeiten zuhauf. Trotz seines Namens ist der Pfad bärenfrei, und wenn man ihn nicht in der Hochsaison abwandert, trifft man hier kaum einen Menschen an. Die Route ist in dichten Abständen mit Wildmarkhütten bestückt, in denen man gratis rasten und übernachten kann. Durch das Gebiet verlaufen weitere kürze Routen, u.a. der neun Kilometer lange Kleine Bärenpfad.

Besonders beliebt sind herbstliche Wanderungen, wenn das Laub der Bäume und auf dem Waldboden in gelben und roten Farbnuancen aufleuchtet und am Himmel Kranichformationen nach Süden ziehen. An dunklen Abenden im Herbst kann man mit viel Glück Nordlichter aufflammen sehen. Der Frühling kommt spät nach Kuusamo, erst Ende Mai, Anfang Juli schmilzt der letzte Schnee. Dann pulsiert die Wildmark voller Leben, die Luft ist erfüllt mit Schreien der Zugvögel, und die Flüsse führen Hochwasser. Wenn das nordische Frühjahr in den Sommer übergeht, setzt eine Invasion von Mückenschwärmen ein, die viele Wanderer abschreckt. Mit Mückenschutzspray und passender Kleidung kann man indessen die Mücken passabel in Schach halten.

Den Oulankajoki und seine Nebenflüsse erkundigt man am besten, indem man sich einem Parkführer anvertraut. An Alternativen ist kein Mangel: gemächliche Familienausflüge, spritzige Wildwasserfahrten oder weitläufige Kanutouren, für die etliche Fluß- und Seerouten markiert wurden.

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