Image size 10 Kb Bärenstarke Begegnungen

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Der Braunbär [Ursus arctos], das größte Raubtier Europas, nimmt mit seinem achtunggebietenden Wesen zu Recht den Rang eines finnischen Nationaltiers ein. In den letzten Jahren hat der Bärenbestand zugenommen. Nach letzten Zählungen siedeln hierzulande an die 1000 Bären - so viele wie zuletzt im vergangenen Jahrhundert

Bären haben sich über das ganze Land verbreitet, bis hin ins südlichste Finnland. Im Sommer werden allerorten Bären beobachtet, und es ist nicht außergewöhnlich, daß sich ein Wanderer unvermutet einem leibhaftigen Bären gegenübersieht. Im Sommer 1997 machte eine Woche lang ein „City” Bär Schlagzeilen, der im Umfeld der südfinnischen Städte herumstromerte. Es war ein junger Bär, der auf der Suche nach einem Revier die Leute verschreckte. Nahrung fand er zuhauf in Gärten, wo er Apfelbäume oder Bienenstöcke plünderte. Doch diese Leckerbissen sind ihm nicht gut bekommen: Die verängstigten Städter bestanden darauf, daß die Polizei dem Bären auf den Pelz rückte nach dem Motto: Nur ein toter „City-Bär” ist ein guter Petz

Begegnungen zwischen Bär und Mensch können für beide Parteien böse ausgehen. In seinem eigenen Reich, in weitläufigen Wäldern, ist der Bär äußerst scheu und weicht Menschen aus, wo immer er kann. Wird er hingegen überrumpelt, verhält er sich artgerecht und verteidigt sich. Wanderern wird empfohlen, gelegentlich zu summen oder zu singen, damit Bären auf sie aufmerksam werden. Wenn man dennoch urplötzlich mit einem Bären konfrontiert wird, sollte man mitnichten blindlings Reißaus nehmen, raten Bärenkenner. Statt dessen sollte man gemächlich den Rückzug antreten, ohne dem Bären den Rücken zuzukehren

Diese Vorsichtsmaßnahmen ließ offensichtlich ein Jogger außer acht, der im Juni 1998 unweit der russischen Grenze zwischen eine Bärin und ihr Junges geraten war. Die Bärin wähnte prompt Gefahr für ihren einjährigen Nachwuchs und tötete den Mann. Nachdem das Opfer gefunden war, wurde tags darauf eine Treibjagd angesetzt, und Jäger brachten die Bärin und ihr Junges zur Strecke. Dies ist in diesem Jahrhundert der einzige Fall, daß ein Bär in Finnland einen Menschen angegriffen und getötet hat

Der Mensch steht zum Glück nicht auf dem Speisezettel des Bären. Wenn das der Fall wäre, würden Petze im Sommer pro Tag einen Menschen verputzen, versichern Biologen. Bären halten sich statt dessen lieber an Beeren, Insekten, kleinen Nagetieren und Bienenstöcken. Gelegentlich erbeuten sie gar einen siechen Elch. Im Winter schlafen finnische Bären vier bis fünf Monate in ihren Bau, der sich in einem Ameisenhaufen, im Wurzelwerk von Bäumen oder in einer geeigneten Höhle befinden kann. Im Januar gebären die Weibchen in ihrem Winterbau zwei bis drei eichhörnchengoße Jungen

Braunbären stehen in Finnland unter Naturschutz. Die Jagd auf Bären ist präzise geregelt und genehmigungspflichtig. Im vergangenen Jahr wurden in Finnland 118 Abschußgenehmigungen erteilt, 96 Bären wurden erlegt. Im allgemeinen werden Genehmigungen für Gebiete mit einem starken Bärenbestand gewährt, in denen sie für Menschen eine Gefahr darstellen können. Laut Bärenkennern „wissen” Bären, daß sie bejagt werden. Sie werden dadurch scheu und ziehen sich tief in die Wälder zurück - wo sie auch hingehören.