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Finnen haben erfolgreich das Internet erobert. Das dünnbesiedelte Land weist weltweit das dichteste Netz von Internet-Anschlüssen auf. Finnischen Web-Surfern stehen nunmehr pro 1000 Einwohnern Host-Computer zur Verfügung. Die entsprechenden Zahlen für die USA sind 38 sowie Norwegen und Island 43 Anschlüsse pro Kopf. Kein Wunder, daß Finnland auch in puncto Internet-Nutzung vorne liegt. Von den 5,1 Millionen Einwohnern surfen 2,2 Millionen regelmäßig in der virtuellen Welt. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt der Anteil rund 15 Prozent.

Hinter dem Run ins Netz steckt der Wunsch, die am Arbeitsplatz und in Lehranstalten erworbenen Kenntnisse zu nutzen. Die Schwelle, sich einen netzfähigen PC zuzulegen, sinkt ständig. Ein Computer gehört immer häufiger zur Grundausstattung finnischer Haushalte, in jeder fünften Wohnung steht ein PC. Tempogleich mit der Datentechnik haben sich auch die Telekommunikationsnetze weiterentwickelt. Die Liberalisierung der Telekommunikation wiederum beschleunigte die Digitalisierung der Telefonnetze und verbesserte modemabhängige Serviceformen.

Studenten sind die aktivsten Surfer

UN befürchten Polarisierung durch Internet

Schon jetzt verfüge Finnland über mehr Websites im Internet als alle Länder Lateinamerikas und der Karibik zusammen, hieß es im Vorfeld der knapp vierwöchigen Debatte des UN-Wirtschafts- und Sozialausschuss ECOSOC in New York. Alle afrikanischen Staaten zusammen sind schwächer im Internet vertreten als Benutzer der Stadt New York.

DPA 4.7.2000

Die ersten Internet-Applikationen wurden vor 25 Jahren in Amerika für den Datentransfer zwischen Universitäten entwickelt. Heute ist das World Wide Web WWW ein offenes, für jedermann zugängliches globales Forum. Allzu offen, meinen Kritiker, und es hat auch ein paar warnende Beispiele gegeben. So haben Jugendliche nach Gebrauchsanleitungen auf WWW-Seiten Bomben gebastelt. Auch um den Wissensdurst ist es bisweilen einseitig bestellt: Die beliebtesten Suchwörter, die 1996 von einer finnischen Suchmaschine registriert wurden, waren „Porno” und „Sex”.

Studenten sind, mit 40 Prozent, die aktivsten WWW-Surfer. Die passivsten Internetbenutzer sind Frauen über dreissig.

Technisch kein Problem - Tele-Arbeit

Die verbesserten Datentransfer- und Informationsmöglichkeiten haben sich nur minimal in vermehrter Tele-Arbeit niedergeschlagen. Höchstens 30 000 Finnen schätzen sich selbst - entweder teilweise oder ganztägig - als Tele-Arbeiter ein. Das ist wenig, zumal an die zweihunderttausend Finnen angeben, ihre Arbeit auch zu Hause am Computer erledigen zu können. Die meisten Tele-Arbeiter sind Freiberufler.

Die Informationsgesellschafts-Strategie der Europäischen Union sieht vor, bis zum Jahr 2000 in Europa 10 Millionen Tele-Arbeitsstellen zu schaffen. Technisch ist dies kaum ein Problem, aber Tele-Arbeit verlangt eine neue Einstellung zum Job. Und daran hapert es.

Tempo 155 Megabits/Sekunde im Hochschulnetz

Mangelnde Motivation kann man zumindest den finnischen Hochschulen nicht nachsagen. Funet, das interuniversitäre Kommunikationsnetz, ist schon seit langem eine erste Adresse im Internet. Der FTP-Server von Funet hält 1,2 Mio. Dateien bereit, vorwiegend Computerprogramme. Die Nachfrage kann sich mit täglich 4000 Besuchern ebenfalls sehen lassen.

Neben Hochschulen haben sich rund 80 Forschungsinstitute in das Netz eingeklinkt, das zur Zeit 200 000 reguläre Benutzer zählt.

Neueste Technologien, ATM (Asynchronous Transfer Mode) und teils schon SDH (Synchronous Digital Hierarchy), machen Funet zum schnellsten Universitätsnetz der Welt. Zwanzig Transferknoten im Land, sog. POP (Points of Presence) ermöglichen einen Datendurchsatz von 155 Megabits/Sekunde (Mbits/s). Die nächsten Tempozuwächse sind schon vorprogrammiert: Für 1999 peilt Funet 622 Mbits/s-Verbindungen an, und im Jahr 2001 soll die Transferleistung zwischen den Hochschulen gar auf sagenhafte 2,4 Gigabit pro Sekunde gesteigert werden.

Mehr über die technische Entwicklung des Netzes [in englisch]: Center for Scientific Computing - Funet

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