Die Niederkunft der Apostel
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Die majestätische Domkirche von Helsinki erhebt sich inmitten der Hauptstadt. Der Dom ist nahezu 150 Jahre alt, und solange haben die zwölf, aus Zink gegossene Apostel von der Domkuppel auf das Gewimmel der Menschen unter sich herabgeblickt. Doch unter der Einwirkung von Sonne, Regen, Schnee und Eis sind die Apostel gebrechlich geworden, und im Herbst 1955 mußte eine umfangreiche Restaurierung ins Werk gesetzt werden.

Die Zinkskulpturen verkörperten seinerzeit die neueste Technik. Sie wurden bei den deutschen Bildhauern August Wredow und Hermann Schievelbein in Auftrag gegeben, 6 Stück pro Bildhauer. In dem Katalog der Berliner Gießerei 1845-47 waren sie als die größten Zinkskulpturen der Welt ausgewiesen. 1849 wurden sie auf der Domkuppel installiert und mit einer Schutzfarbe versehen. Erst 1991 wurde ihr Zustand erstmals überprüft.

Es stellte sich heraus, daß die Apostel in miserabler Verfassung waren. Die Innenkonstruktionen waren verrottet, und von der Schutzfarbe waren nur noch Tupfer übriggeblieben. Die Figuren liefen Gefahr zu implodieren und mußten schleunigst heruntergeholt werden.

Zuerst wurde Simon in eine Schutzhülle gepackt. Der gefährliche Abstieg wurde im Takt einer Blaskapelle bewerkstelligt und lockte ein großes Publikum an. Nach geglücktem Abseilen reiste Simon per LKW weiter zu einem metallverarbeitenden Betrieb.

Die Restaurierung der 3,2 m hohen und 800-1000 kg schweren Apostel war eine Heidenarbeit. Der Formguß mußte in Teilen vorgenommen werden, die später wieder zusammengeschweißt wurden. Die größten Fragmente maßen 60x60 cm und die kleinsten 5x3 cm. Die Rettung der Apostel war nicht nur ein schwieriges, sondern auch ein kostspieliges Unterfangen. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 3,2 Mio. Finnmark, die EU übernahm davon einen Anteil in Höhe von 70 000 ECU. Das Projekt konnte u.a. auf den metallurgischen Sachverstand des Konzerns Outokumpu Oy zurückgreifen.

Die ersten restaurierten Apostel, Simon und Petrus, konnten am 10. April 1996 auf ihren angestammten Platz zurückkehren. Thomas war von den ersten drei in einer so erbärmlichen Verfassung, daß er erst im Herbst mit dem nächsten Trio, Andreas, Thaddäus und Philippus, seinen alten Platz einnehmen konnte. Die Konservierung wurde Ende 1997 abgeschlossen.

Die Restaurierung der Apostel bildete nur den Auftakt für eine umfassende Renovierung des Domes, die rund 70 Mio. Finnmark (11,6 Mio. Euro) verschlang. So mußten u.a. die Ecktürme, der Fassadenanstrich und Teile des Kirchenschiffs erneuert werden. Während der Renovierung der Innenräume wurden die Gottesdienste in der Krypta im Kellergeschoß abgehalten. Doch Ende November 1998 war es endlich soweit: Der Dom konnte mit einem Konzert des Chores Cantores Minores feierlich neu eröffnet werden.