Image size 9 Kb Ein kleines Biowunder namens Turku

In Turku ist die Biozeit angebrochen: Das Phänomen an der finnischen Südküste könnte früher oder später sogar ein Biowunder bewirken. Nirgends sonst in Skandinavien arbeiten so viele kompetente Biotechniker zusammen als in BioCity, Turku. Um eine lückenlose Biotech-Kette zu gewährleisten, ist in Turku ein Bio-Valley im Bau, das für einschlägige Firmen branchenspezifische Produktions- und Produktentwicklungsräume bereitstellt. Die ersten Bewohner des Biotals sollen im Herbst 2001 einziehen.

Die Biobranche erlebt heute in Finnland allgemein einen Aufschwung, aber in Turku war sie schon en vogue, bevor die Biotechnologie nach Abklingen des IT-Fiebers weltweit zu einem hochinteressanten Anlageobjekt aufstieg. Die Turkuer Biotechniker haben ein vorbildliches und für Finnland einzigartiges Kooperationsnetz auf die Beine gestellt.

In der Region Turku hat sich ein Großteil der finnischen pharmazeutischen und diagnostischen Industrie angesiedelt. Zwei Hochschulen, die Universität Turku und die Åbo Akademie, arbeiten erfolgreich mit Biotech-Firmen in Turku zusammen. Angesichts dieses geballten Know-how liegt ein Biowunder in der Luft.

Erforschung interzellularer Kommunikation

BioCity ist eine Dachorganisation, in der Forschungsrteams von rund 600 Universitäten und Forschungsinstituten kooperieren. Aus BioCity sind auch die bekannten finnischen Pharmafirmen Biotie Therapies, Hormos Medical und Juvantia Pharma hervorgegangen. Biotie Therapies war das erste Biotech-Unternehmen Finnlands, das, im Sommer 2000, an die Börse ging.

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Die Forschergemeinschaft von BioCity - und auch Biotech-Unternehmen - werden von dem Biotechnologiezentrum Turku unterstützt, das seit zwei Jahren Prof. Riitta Lahesmaa leitet. Sie arbeitete acht Jahre in den Vereinigten Staaten, zuerst als Forscherin an der Stanford University, danach in einer Pharma-Firma.

„Zellen haben Antennen, über die sie ständig Botschaften empfangen und aussenden können. Wenn eine Zelle eine Botschaft empfängt, setzt diese eine Kommunikationskette in Bewegung - ein ungemein dynamischer Vorgang. Der Mensch besteht aus großen Zellverbänden, und über diese Verbände wissen wir noch herzlich wenig. Es werden ständig Botschaften ausgesendet. Dabei kann vieles schief gehen und zu nachteiligen Ergebnissen führen. Die Erforschung der interzellularen Kommunikation macht richtig Spaß”, begeistert sich Riitta Lahesmaa.

„Die Forscherteams untersuchen verschiedenartige Zellen. Eine Gruppe untersucht, wie Zellen absterben, eine andere erforscht deren Verhalten unter Stress. Meine Forschergruppe untersucht die Zellen des menschlichen Abwehrmechanismus, also Lymphzellen und deren Bedeutung für u.a. die Entstehung von Asthma und Allergien”, berichtet Lahesmaa.

Alle chronischen Krankheiten belasten die Volkswirtschaft, und je mehr Behandlung eine Krankheit erfordert, desto teurer kommt sie der Gesellschaft zu stehen. Dass eine Krankheit chronisch wird, rührt laut Lahesmaa daher, weil für die Anfangsphase der Krankheit keine wirksame Behandlung gefunden wurde.

„Wir hoffen, dass wir allmählich ein bisschen besser verstehen lernen, um welche Krankheit es sich jeweils handelt. Bislang beruht die Behandlung oftmals auf empirischem Wissen. Ich glaube, dass wir zu Ergebnissen kommen werden, die die heutigen Behandlungsweisen revolutionieren. Derzeit wird eine ganze Patientengruppe nach dem gleichen Schema behandelt. Stattdessen müssten wir wissen, ob die Krankheit des einen Patienten vom Lymphzellen herrührt und die eines anderen von entzündeten Zellen. Wenn wir ein Präparat entwickeln könnten, die auf beide Subarten wirkt, könnten wir Nebenwirkungen vermeiden und die Wirkung gezielt auf den Defekt lenken”, erklärt Lahesmaa.

Genchip mit Tausenden von DNA-Schnipseln

Neue Dimensionen eröffnet das DNA-Chip-Center des Biotechnologiezentrums, das den Forschern des ganzen Landes zur Verfügung steht. Ein DNA-Chip ist eine Art Genchip, an das Tausende DNA-Schnipsel angedockt haben, die verschiedene Gene repräsentieren.

„Mit Hilfe dieser Genchips ist es möglich, ein gründliches Gesamtbild darüber zu erstellen, was sich in einer Zelle oder im Gewebe zu einem bestimmten Zeitpunkt abspielt. Die Situation hat sich gegenüber wenigen Jahren zuvor grundlegend verändert. Typisch für die Forschungsteams von damals war, dass man gründlich mehrere Gene und deren Wirkung auf die Zellaktivität untersuchte. Jetzt haben wir die Werkzeuge, mit denen gleichzeitig Tausende von Erscheinungsformen von Genen untersucht werden können, und das ist auch für Wissenschaftler ein ganz neues Konzept”, konstatiert Prof. Lahesmaa.

Siehe auch:
WTF-O Gentherapie im Visier
BioCity Turku [in Englisch]
Turku Centre for Biotechnology