Image size 8 Kb Schiffe erzählen die Turku-Chronik


An der Mündung des Flusses Aurajoki legten schon vor mindestens 850 Jahren Schiffe an, lange vor der Gründung der heutigen Stadt Turku [schwedisch: Åbo]. Die früheste Erwähnung des ältesten Hafen Finnlands datiert, unter dem Namen Abuwa, auf das Jahr 1154 und geht auf eine Chronik des arabischen Geographen Al Idris zurück, der in Palermo lebte. Im Umfeld des Hafens blühte sich die Stadt Turku auf, die Pforte nach Finnland. Von der wechselvollen Seefahrtsgeschichte der Stadt künden historische Wahrzeichen - allen voran die bald hundert Jahre alte Dreimast-Fregatte Suomen Joutsen. Sie bilden einen unübersehbaren Bestandteil des Stadtbildes.

Das maritime Zentrum Forum Marinum am Ufer des Auraflusses, das 2001 im Hafen seine endgültige Gestalt annehmen wird, erlaubt einen lebendigen Einblick in eine vergangene Welt, die weithin von Schiffen geprägt wurde, von kleinen Holzbooten bis zu Ozeandampfern. Beim Bummel durch die Ausstellungsräume möchte man einem Spruch glauben schenken, den vor 2000 Jahren Plutarch formuliert hat: Navigare necesse est, vivere non necesse - Seefahrt ist notwendig, Leben nicht.

Im Forum Marinum das ganze Spektrum der Seefahrt

Das Forum Marinum ist weit mehr als ein Museum, es ist eine Schatzkammer für Historiker und Bootsbauer. Das Forum ist dem Museum für Seefahrtsgeschichte der Akademie Åbo angegliedert und stützt sich auf Sammlungen und Museumsschiffe des Seefahrtsmuseums in Turku. Die Akademie Åbo hat in das Forum Archivmaterial, das einen halben Kilometer Regale füllt, abgetreten. Es umfasst die größte Logbuchsammlung Skandinaviens, 50 000 Fotografien und Tausende von Seekarten und Schiffsgrundrissen, u.a. auch viele Entwürfe von alten Jachten, die besonders für Bootsbauer interessant sind.

Auf Betreiben des Verteidigungsministeriums wurde außerdem das Marinemuseum in das neue maritime Zentrum eingebracht. Turku und das Schloss Turku waren von Mitte des 14. bis zum 17. Jahrhundert Stützpunkte der finnischen Seestreitkräfte. In Turku wurden schon im Mittelalter Kriegsschiffe gebaut. Vor dem Zweiten Krieg ließ die hiesige Werft Chrichton-Vulcan zwei Panzerkreuzer und drei U-Boote vom Stapel. Im Stadtteil Pansio wurde reichlich historisches Material zusammengetragen, z.B. die umfangreichste Seeminensammlung der Welt. Im Forum Marinum findet der Besucher originale Objekte, Zeichnungen und Bilder vor, sogar der Entschärfung einer Hörnermine kann er beiwohnen - per Computer-Simulation, versteht sich. Die Verteidigung Finnlands während der beiden Weltkriege beruhte weitgehend auf Verminung des Küstenstreifens.

Museumsschiffe bereichern das Stadtbild

Image size 7 Kb

Die 1902 in Frankreich gebaute Suomen Joutsen [=Schwan von Finnland] ist das Flaggschiff des Forums. Der finnische Staat erwarb die 96 Meter lange Stahlrumpf-Fregatte 1930 als Schulschiff für die Marine, und als solche hat sie unter anderem sechs ausgedehnte Hochseetörns unternommen. Vor vier Jahrzehnten wurde das ausgediente Schiff an das Auraflussufer überführt, wo es bis 1988 als Fachschule für Seeleute fungierte. Danach ging die Suomen Joutsen in den Besitz der Stadt über, und heute untersteht sie der Stiftung Forum Marinum.

Die Dreimastbark Sigyn wurde 1887 im schwedischen Göteborg vom Stapel gelassen und zählt zum ältesten finnischen Segelschiffbestand. Nach einer Generalüberholung kehrte sie zum Ufer des Auraflusses zurück. Museale Kriegsschiffe repräsentieren das 1957 fertiggestellte Minenboot Keihässalmi und zwei Kanonenboote, die in einem eigenen Ausstellungspavillon zu besichtigen sind. Verglichen mit den Kriegsschiffen nimmt sich der letzte Dampfschlepper Finnlands S.S. Vetäjä V nachgerade possierlich aus. Der 1891 gebaute Schlepper war bis 1983 im Hafen von Turku im Einsatz. Er ist noch immer gut in Schuss und wird im Sommer für touristische Charterfahrten genutzt.

„Dies ist das einzige maritime Zentrum Skandinaviens, das über eigene Kais inmitten eines betriebsamen Fluss- und Handelshafen verfügt”, erläutert Projektleiter Pekka Paasio. „Das Forum fungiert auch als ein maritimes Wissenschaftszentrum und als internationaler Treffpunkt für Mitarbeiter maritimer Institute, Forscher und Laien. Wenn ein altes Schiff in diesen Räumlichkeiten restauriert und repariert wird, kann das Publikum dabei zusehen. Alte Arbeitsverfahren, über die wir viele Informationen haben, sind auf großes Interesse gestoßen.”

Luxuskreuzer aus Turku

Die 1737 gegründete neue Werft in Turku ist hingegen alles andere als museal. Sie firmiert heute unter dem Namen Kværner Masa-Yards Oy und baut mit einer Belegschaft von 2 3000 Personen Luxuskreuzer, Autopassagierfähren und Spezialschiffe.

Image size 33 Kb

Im Oktober 1999 lief hier der größte Luxuskreuzer der Welt, die 3 480 Passagiere fassende Voyager of the Seas vom Stapel. Bedeutende Errungenschaften der letzten Jahrzehnte sind die Kreuzfahrtfähren Silja Serenade und Silja Symphony, die als erste Schiffe ihrer Art mittschiffs eine Ladenstraße aufweisen. Die zwischen Finnland und Schweden verkehrenden Fähren sind ein vertrauter Anblick in den Turku vorgelagerten Schären.

Mit neuen Ideen und Konzepten kann die Masa-Yards-Fabrik in Piikkiö bei Turku aufwarten. Hier werden montagefertige Kabinen und Badezimmer für Schiffe, Öl- und Wohnplattformen sowie für Hotels gefertigt. Die vorgefertigten Module beschleunigen die Montage und sparen Kosten. Bei Bedarf können die Module als fertig möblierte Einheiten eingebaut werden. Ein Modulkabine und ein Badezimmer eines in der Karibik kreuzenden Luxusschiffes sind im Forum Marinum zu sehen.

Vom Hafen Verkehrsstränge nach Ost und West

Das Verkehrsaufkommen im Hafen von Turku weist fast in allen Teilbereichen nach oben. Nur der Passagierverkehr - 1999 4,2 Personen - blieb im Vergleich zum Vorjahr konstant. Das Frachtaufkommen wuchs hingegen um 4,5 Prozent und erreichte die Vier-Millionen-Tonnen-Grenze. Der Export legte stärker zu als die Einfuhren. Der Containerverkehr wuchs um ganze 10 Prozent. Das gilt auch für den RoRo-Verkehr, bei dem wiederum der Bahnfähren ein stolzes Plus von 27 Prozent verzeichnen konnte. 3 272 Schiffe legten 1999 in Turku an, eindeutig mehr als im Vorjahr.

Seine günstige Lage hat den Hafen von Turku zu Finnlands führendem TEN-Hafen (Trans European Network) gemacht. Turku liegt an einem Knotenpunkt der E 18-Fernstraße, die Skandinavien an den Großraum St. Petersburg und ganz Russland anbinden soll. Zwischen Turku und Stockholm pendeln sechsmal pro Tag Linienschiffe. Zudem ist mindestens eine Schiffsverbindung täglich von Turku nach Mitteleuropa verfügbar. Der regelmäßige Schiffsverkehr nach nordischen Ländern, Belgien, Deutschland und England ist fest in die Hafeninfrastruktur integriert. Dank ausgeklügelter Telematik und paneuropäischer Entwicklungsprojekte konnte die Wettbewerbsfähigkeit des Turkuer Hafens auf internationales Spitzenniveau gehievt werden.

Die Stadt Turku fungiert schon seit Jahrhunderten ein Verbindungsglied zwischen Finnland und Europa. Der ganzjährige Passagierverkehr nach Stockholm und europäischen Ländern spielt dabei noch immer eine zentrale Rolle.

Siehe auch:
WTF-O Historische Schätze auf dem Meeresgrund
Forum Marinum - more ships