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Viele Reisende kommen nach Finnland mit malerischen Vorstellungen von schimmernden Seen und rauschenden Nadelwäldern. Auch wenn die Reise in einem Kongreßhotel inmitten von Helsinki endet, liegt der Besucher mit seinen Vorstellungen gar nicht so falsch. Kaum in einer anderen europäischen Hauptstadt dringt die Natur so tief in das Stadtbild ein wie in Helsinki.

Die Stadt wurde auf einer Landzunge erbaut, die sich nach der Eiszeit aus dem Meer aufwölbte. Die Landhebung hält weiter an, rund 30 Zentimeter in hundert Jahren. Das Meer vor Helsinki ist mir Schären gesprenkelt, und Nadelwälder erstrecken sich bis zum Meeresstrand. Ein reizvolles Ambiente,

Auch knapp bemessene Zeit ist in Helsinki kein Hindernis für einen Ausflug in die Natur. Schon in zwanzig Minuten gelangt man aus der Stadt in einen dichten Wald und zu bildschönen Schären. Eine treffliche Vorstellung von der spezifischen Schärennatur erhält man auf der Insel Harakka, eine der 300 Helsinki vorgelagerten Schären. Auf Harakka treffen die Merkmale einer weitgehend naturbelassenen Schäre mit dem kulturellen Milieu einer russischen Festung aufeinander. Auf Harakka wurde ein Besucherzentrum eingerichtet, es gibt markierte Pfade und auf Wunsch auch einen Schärenführer. Die Insel ist in fünf Minuten mit einem Schiff zu erreichen, das, außer im Winter, regelmäßig zwischen der Insel und einem beliebten Café am Strand des Stadtteils Kaivopuisto verkehrt.

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Im tiefen Winter kann man nach Harakka über das zugefrorene Meer spazieren. Die Küstengewässer vor Helsinki frieren im allgemeinen im Januar für zwei Monate zu. Wo sich viele Einheimische auf dem Eis tummeln und schon Trampelpfade und Wege existieren, kann man sicher sein, daß die Eisdecke hinreichend dick ist.

Das stadtnahe Gebiet Viikki-Vanhankaupunkilahti kann mit einem vogelreichen Feuchtgebiet, mit abwechslungsreichen Waldlandschaften und einem historischen ländlichen Milieu aufwarten. Es liegt, wie auch andere Natursehenswürdigkeiten, in der Reichweite von öffentlichen Verkehrsmitteln. Durch das Gebiet, das rund ums Jahr viel zu bieten hat, führen zahlreiche Wanderwege und -pfade.

Das Vogelparadies Viikki liegt in einem über 250 Hektar großen Naturschutzgebiet. Viikki ist eine fruchtbare, verlandete Meeresbucht, in der 284, teils rare Vogelarten gesichtet wurden. In dem Naturschutzgebiet nisten regelmäßig rund 200 Paare.

Im Umfeld von Viikki liegt überdies ein kulturhistorisch bedeutsames Gehöft, das kontinuierlich seit dem 16. Jahrhundert bewirtschaftet wurde. Heute wird es als ein Lehr- und Forschungsgehöft der Universität Helsinki genutzt. Hier wurde u.a. ein Baumartenpark angelegt, den man auf einem 2 km langen Naturlehrpfad erkunden kann.

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Auf der Insel Lammassaari in der Bucht Vanhankaupunginlahti wachsen auch Laubwälder, und an die hundert kleine Sommerhäuser vermitteln einen Eindruck über die finnische Zwangsvorstellung, den Urlaub unbedingt am Busen der Natur zu verbringen. Im Sommer gelangt man zu der Insel über einen Knüppelweg.

 

Im August-September ist Pilzesammeln angesagt. Jedermann, Einheimische wie Touristen, darf sich in finnischen Wäldern frei bewegen und Beeren und Pilze sammeln. Dafür empfiehlt sich allerdings ein einheimischer Naturführer. Die meisten Finnen haben eine lebendige Beziehung zur Natur bewahrt und die Veranlagung, sich in der Natur zu bewegen. Ein echter Naturfreund vermag auch eine Reihe von eßbaren Pilzen zu unterscheiden. In Pilzen reichern sich allerdings leicht Schwermetalle an, sie sollten daher nur außerhalb von Städten gesammelt werden. Ergiebige Pilzgebiete sind schon eine halbe Stunde Fahrt von Zentrum Helsinkis zu finden.

Im stadtnahen Zentralpark Haltiala blieb sogar ein Stück unberührter Urwald erhalten. Für einen Waldspaziergang empfiehlt sich auch das Museumsgelände auf der Insel Seurasaari, wo die stattlichsten Föhren der Stadt stehen.

Wer auf eine echte Wildmarkstimmung erpicht ist, sollte das Seenhochland Nuuksio (schwedisch Noux) aufsuchen. Diese bewaldete Wildmark in der Hauptstadtregion ist 45 Minuten Autominuten vom Stadtzentrum Helsinki entfernt. Image size 9 Kb In Nuuksio ist sogar das ansonsten rare Flughörnchen Pteromys volans zu Hause. Statt Verkehrslärm rauschen hier die Wälder, nisten Singschwäne und Eulen, und Füchse schnüren durch die Frühjahrsnacht. In der Landschaft dominieren kiefernbewachsene Felsen und Niederungen mit 150 kleinen Seen. Das Kerngebiet Nuuksios ist ein Nationalpark, und die ihn umgebenden Wandergebiete weisen hilfreiche Dienstleistungen für Besucher auf. Für eine Wildmarkwanderung ist schon ein bißchen Abenteuerlust und Erfahrung erforderlich, denn das Gelände ist stellenweise schwer passierbar.

Eilige Naturfreunde finden auch mitten in der Stadt einladende Naturoasen vor. Der Park Kaisaniemi, direkt am Botanischen Garten, ist ein beliebter Vogelbeobachtungsplatz. Die im Herzen der Stadt gelegene Bucht Töölönlahti ist rund ums Jahr einen Spaziergang wert: Hunderte von Wasservögeln, alte malerische Holzvillas, kontrastiert von signifikanter moderner Architektur.

Natur und Kultur liegen in Helsinki dicht beieinander.

SPIEGEL: Weite Wildnis und volle Hütten