Empire- und Jugendstil
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Helsinki ist architektonisch eine junge Stadt. Von den Bauten aus dem ersten Jahrhundert der Stadt ist nichts übriggeblieben. Vom Handel und Festungsbau Ende des 18. Jahrhunderts zeugen nur noch das Haus Sederholm (1757) am Senatsplatz und die Festung Suomenlinna auf einer Helsinki vorgelagerten Insel. Eine Feuersbrunst legte 1808 die Stadt weitgehend in Schutt und Asche, schuf aber zugleich die Voraussetzungen für eine weitflächige Bebauung der Stadt, als Helsinki 1812 zur finnischen Hauptstadt avancierte. Der Bebauungsplan von Johan Albrecht Ehrenström prägt strukturell noch immer das Stadtzentrum.

Auf diesem Areal errichtete Architekt Carl Ludwig Engel einen monumentalen Stadtkern im Empirestil. Zu dem Gesamtkomplex gehören die Gebäude der Universität und ein gegenüberliegendes Gebäude, das heute den Staatsrat beherbergt. Als 1852 die Nikolai-Kirche, die heutige Domkirche, eingeweiht wurde, waren die meisten dominierenden Bauten im Stadtzentrum bereits fertiggestellt. Weitere bedeutsame Arbeiten von Engel sind die Marinekasernen im Stadtteil Katajanokka, die heute vom Außenministerium genutzt werden, die Gardekaserne, der heutige Sitz des Generalstabs und des Verteidigungsministeriums sowie das Observatorium.

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Die Bibliothek der Universität Helsinki gilt als eines der schönsten Gebäude von Engel.

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Aus der gleichen Zeit stammt auch das heutige Präsidentenpalais am Marktplatz, das von Pehr Granstedt als ein Bürgerhaus entworfen wurde.

Die Architektur der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde von der Neorenaissance geprägt. Die bedeutendsten Gebäude aus dieser Zeit sind das von Theodor Höijer entworfene Ateneum (Kunstschule und -museum) am Bahnhofsplatz, das Ständehaus und die Finnische Bank, die hinter der Domkirche wie eine Verlängerung des monumentalen Empire-Zentrums anmuten. Viele Gebäude an dem Boulevard Pohjoisesplandi stammen ebenfalls aus dieser Periode.

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Ausstellungsräume Jugendsali

Image size 17 Kb In den ersten beiden Dekaden dieses Jahrhunderts wurde das Stadtbild um Gebäude im Jugendstil bereichert, der hierzulande als Nationalromantik firmierte und als Baumaterial grauen finnischen Granit favorisierte. So entstanden gegen 1910 monumentale Bauten wie das Bahnhofsgebäude von Eliel Saarinen und das Nationalmuseum des Architektentrios Gesellius, Lindgren und Saarinen. Andere Gebäude in diesem Stil, u.a. die Börse von Lars Sonck, bilden noch immer einen signifikanten Bestandteil des Stadtzentrums.

Nach Erlangung der Unabhängigkeit (1917) faßte in Finnland ein Baustil Fuß, den man als Neo-Antike bezeichnen könnte und für den Johan Sigfrid Siréns imposantes Parlamentsgebäude mit seinen Granitsäulen als typisch gelten kann. Ende der 20er Jahre stellte der Funktionalismus die historisierenden Stile radikal in Frage und strebte eine zweckgebundene und reduzierte Bauweise an. Dieser Umbruch machte sich nach und nach im Straßenbild und bei öffentlichen Gebäuden bemerkbar.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erwarb die finnische Architektur und Stadtplanung zusehends Weltgeltung. Alvar Aaltos beste funktionalistische Arbeiten aus früheren Jahrzehnten genossen bereits international hohes Ansehen, aber in Helsinki kam Aalto erst in den 50er Jahren zum Zug: mit dem Gebäude der Pensionsanstalt, dem Kulturhaus und dem Rautatalo (Eisenhaus). Zwei Jahrzehnte später wurde seine Finlandia-Halle und die - umstrittene - Hauptverwaltung von Enso realisiert.