Geschichtsträchtige Stadt am Aurafluss

Schloss Turku
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Schon in vorgeschichtlicher Zeit bestand an der Mündung des Auraflusses ein bewohnter Handelsplatz, das bezeugen archäologische Funde wie Feuerstätten und Fundamente von Behausungen. Die Entstehungsstadien der Stadt liegen teils im Dunkel der Geschichte, das Jahr 1229 wird im Allgemeinen als Gründungsjahr von Turku angegeben. Einigen Quellen zufolge wurde der Bischofssitz zu jener Zeit nach seinem heutigen Standort verlegt. Später im 13. Jahrhundert wird Aboa, der lateinische Name der Stadt, auch in einer päpstlichen Bulle erwähnt. Während der Dombau schon im vollem Gang war, wurde 1280 mit der Errichtung des Schlosses von Turku, dem Sitz der weltlichen Macht, begonnen. Diese beiden kolossalen Bauten sind noch immer unverkennbare Merkmale im Stadtbild Turkus.

Das Schloss Turku hat dem Zahn der Zeit trutzig widerstanden - trotz der lokalen Landhebung und dem aufgeschütteten Terrain, auf dem Anfang des vorigen Jahrhunderts das Hafengebiet angelegt wurde. Das Hauptgebäude des Schlosskomplexes wurde anfangs auf einer Insel errichtet, der Wasserspiegel lag damals 3,5 Meter höher als heute.

Das größte mittelalterliche Schloss Finnlands wurde überwiegend in fünf Bauphasen von 1280-1560 errichtet, seine Glanzzeit fiel in die Jahre 1562-63. Finnlands Herzog Johann entfaltete mit seiner Gattin ein glanzvolles höfisches Leben, wie es hier zu Lande bislang unbekannt war. Die Prachtentfaltung dauerte nur acht Monate. Beim Kampf um die Macht kaperte Johanns Bruder Erich XIV. mit seiner Flotte das Herzogspaar und nahm sie als Gefangene nach Schweden mit. Zugleich raubte er den größten Teil der fulminanten Schlossschätze. Das Schloss blieb verwaist zurück und hat danach niemals zu seiner einstigen Größe zurückgefunden.

Aufgrund seiner strategischen und administrativen Bedeutung rückte das Schloss auch in den folgenden Jahrhunderten mehrmals in den Mittelpunkt. Dennoch verfiel das Gebäude zusehends. Das lange Zeit unbeheizte Hauptgebäude fing denn auch prompt Feuer, als es 1614 anlässlich eines Besuchs Königs Gustav Adolfs II. beheizt werden sollte.

Das kunstvoll restaurierte Schloss mit seinen Prachtsälen ist gleichwohl noch immer eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges.

Feuersbrünste schufen Platz für Neues
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Der Dom von Turku wurde im Juni 1300 eingeweiht. Er steht in dem ältesten Stadtteil, der schon im 13. Jahrhundert bebaut wurde. 1318, während eines Raubzugs Nowgoroder Plünderer wurde der Dom durch ein Großfeuer schwer beschädigt. Die Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten wurden in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts aufgenommen, und sie zogen sich bis ins nächste Jahrhundert hin. Die Türme wurden nach Feuersbrünsten in den Jahren 1681 und 1827 aufgestockt. Das bedeutendste mittelalterliche Sakralgebäude Finnlands dient heute als Bischofskirche der evangelisch-lutherischen Kirche Finnlands.

Feuerbrüste, die Turku wiederholt heimgesucht haben, boten zugleich die Chance einer Neu- und Weiterentwicklung der Stadt. Ein Großfeuer im Jahr 1827, das verheerendste aller Zeiten in Finnland, legte drei Viertel der Häuser und fünf Sechstel aller Wohnungen in Schutt und Asche. Daraufhin wurde ein brandneuer Bebauungsplan mit breiteren Straßen ausgearbeitet, die sich im rechten Winkel überschneiden. 17 Häuser in Luostarinmäki wurden von dem Brand verschont. Hier steht heute ein idyllisches Handarbeitsmuseum, in dem die Zeit für zwei Jahrhunderte stehen geblieben scheint.

Aboa Vetus

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Während der Dom und das Schloss mit aufragenden Türmen auf die Vergangenheit verweisen, führt das Museum Aboa Vetus den Besucher sprichwörtlich in die - historische - Tiefe. Als ein von dem Großkaufmann Hans von Rettig mitten in Turku erbauter Palast in den Besitz der Stiftung Matti Koivurinta überging, sollte das Gebäude 1990 in ein Kunstmuseum umgebaut werden. Dazu sollten neue Räumlichkeiten unter dem Kellergeschoss angelegt werden. Beim Ausschachten stießen Bauarbeiter auf einen archäologischen Schatz.

Unter dem Gebäude wurde zuerst eine im 16.-17. Jahrhundert gepflasterte Straße und Kellergewölbe entdeckt, später kamen fast 500 Jahre Stadtbauten und -konstruktionen hinzu. Aus ihren wurde ein einzigartiges bauarchäologisches Museumsareal gebildet, das die originalen Funde an Ort und Stelle einbezieht. Die wechselvolle Geschichte vergangener Jahrhunderte kann im Aboa Vetus auch mit moderner Computertechnik nachvollzogen werden.

Turku - die älteste Stadt Finnlands
Aboa Vetus & Ars Nova [auf Englisch]