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Vrouw Maria
230 Jahre im Dornröschenschlaf

Der Finnische Meerbusen gilt als eines der schwierigsten Gewässer der Welt. Seine durchschnittliche Tiefe von 27 Meter ist nicht weltbewegend, aber seine felsigen Untiefen sind gefürchtet. Kein Wunder, dass dieser nördliche Teil der Ostsee in Laufe der Jahrhunderte ein Friedhof für Schiffe wurde. Eines der meist gesuchten gesunkenen Handelschiffe war lange Zeit der holländische Zweimaster Vrouw Maria. Die Ortung dieses Schatzschiffes im vergangenen Sommer bei Jurmo in den Schären vor Turku war nachgerade sensationell.

An diesem international aufsehenerregenden Fund zeigten sich nicht nur Unterwasserarchäologen interessiert, auch Wrackplünderer vernahmen die Kunde mit Freuden. Der Wert der Fracht wurde im Jahr des Schiffbruchs 1771 mit stolzen 9700 Goldtaler veranschlagt, während die drei Jahre früher in diesen Gewässern havarierte Sankt Michael „nur” 2300 Goldtaler an Bord hatte.

Den Umständen entsprechend im guten Zustand


Das 1999 aus dem Wrack geborgene Bleisiegel ist gut erhalten.
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Hier soll angemerkt werden, dass die Vrouw Maria ein wesentlich kleineres Schiff ist als das 1628 havarierte Kriegsschiff Wasa Skeppet, das gehoben, restauriert und in Stockholm als Museumsschiff ausgestellt wurde. Dass die Wasa, anders als die Vrouw Maria für Finnland, für Schweden von großer nationalen Bedeutung ist, spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle.

Der Unterwasserarchäologe Christian Ahlström, der das Archivmaterial über das Handelsschiff Vrouw Maria ausgewertet hat, sagt dazu, dass der Fund wegen der hochkarätigen Schätze an Bord auch international bedeutsam ist. Das Gleiche versichert Rauno Koivusaari, Taucher und der Projektleiter des Vereins Pro Vrouw Maria. Er war es, der zu dem in 41 Meter Tiefe liegenden Wrack hinabgetaucht ist und erste Informationen über den Zustand des Schiffs mitbrachte.

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Das Wrack ist den Umständen entsprechend erstaunlich gut erhalten. Zum einen dank dem salzarmen Wasser der Ostsee, in dem keine Schiffsbohrwürmer gedeihen, und zum anderen weil der Gezeitenwechsel und Meeresströmungen nicht bis in die Bucht hineinreichen. Nur das Heck des 26 Meter langen und 6 Meter breiten Zweimasters war demoliert. Die Mannschaft, neun statt üblicherweise sechs Mann, hatte nämlich versucht, achterschiffs zu retten, was zu retten war. Und das war nicht wenig. Die russische, deutschgebürtige Zarin Katharina erwartete ungeduldig Gemälde, die sie bei holländischen Meistern des 17. Jahrhunderts geordert hatte. Auch andere Adelige in St. Petersburg fieberten den zu erwartenden Luxuswaren entgegen.

Ein unschätzbares Hilfsmittel für das Aufspüren des Wracks war ein 600 kHz Flächenecholot. Es kann den Meeresgrund um ein Vielfaches schneller kartieren als Taucher mit Kameras, und das mit der Präzision von Luftbildern. Problematisch für eine eventuelle Hebung der Vrouw Maria erwiesen sich die Finanzierung und die Besitzverhältnisse. Der finnische Staat und das Seefahrtsmuseum tragen zur Zeit die größte Verantwortung dafür. Dabei kann das 17-köpfige Taucherteam freilich nicht übergangen werden. Dem Seegericht in Turku liegt derzeit ein Antrag des Taucherteams vor, der einen Präzedenzfall schaffen könnte: Die Arbeit der Finder soll als Bergung bewertet werden. Vermutlich wird es noch Jahrzehnte dauern, bis die Vrouw Maria aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht ist und ein neues Leben als Museumsschiff in Helsinki beginnen kann.

Siehe auch:
WTF-O Historische Schätze auf dem Meeresgrund
The wreck of Vrouw Maria