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Die russischen Öl- und Erdgasvorräte in Nordsibirien sind gewaltig. In der Petschora-Bucht und in der Barentssee lagern fast ebensoviele Ölreserven wie im Nahen Osten. Die Nutzung dieser Ressourcen hat gerade erst begonnen, an Transportlösungen wird gearbeitet. Erschwerend wirken sich dabei das harsche arktische Klima, die horrenden Entfernungen und die politische Instabilität Russlands aus.

Internationale Ölgesellschaften sind naturgemäß an den Naturressourcen Sibiriens höchst interessiert. Sie loten gemeinsam mit russischen Partnern Nutzungsmöglichkeiten und Transportformen für die Öl- und Gasvorräte aus. Es darf erwartet werden, dass die Ölproduktion in Nordrussland in naher Zukunft enorm zunehmen wird. Ungeklärt ist noch, ob es kostengünstiger ist, das Öl via Pipelines oder mit Tankern durch die Nordostpassage zu verschiffen.

Auch Finnen haben sich mit Spezial-Know-how und Transportkapazitäten an der „Sibirischen Rallye” beteiligt. Für diesen Zweck wurde die Kooperationsgesellschaft Arctic Shipping Services Ltd (ASS) gegründet, an der Nemarc Oy - ein Gemeinschaftsunternehmen von Fortum Oyj (früher Neste Oy) und Kærner Masa Yards - ein Viertel der Anteile hält; der russische Partner ist die Murmansk Shipping Company.

Fortum ist einer der raren Tankeroperatoren mit Transporterfahrungen im arktischen Eisfeldern. Fortum-Tanker stellen Finnlands Öltransporte in der zugefrorenen Ostsee und, seit fast 20 Jahren, den Ölexport Grönlands sicher. In den letzten Jahren haben zwei für die Ostsee gebaute Tanker, Uikku und Lunni, (164 Meter lang, 16 000 DWT) gezeigt, dass diese finnischen Schiffe auch unter den extremen Bedingungen des Eismeers eingesetzt werden und dort zuverlässig und gefahrlos operieren können.

Für Transporte durch die Nordostpassage wurden Uikku und Lunni von der Werft von Kværner Masa Yards modernisiert und mit einer Azipod Antriebssystem ausgerüstet, das die Manövrierfähigkeit im Eis entscheidend verbessert.

Uikku und Lunni verkehren in der Nordostpassage seit 1993 und sind seither zu zwanzig Fahrten von Murmansk auf der Halbinsel Kola und von Archangelsk und Kantalahti am Weißen Meer nach Osten ausgelaufen.

Die finnischen Tanker beförderten Dieselöl und Kerosin fast bis zum Beringmeer - zu Militärstützpunkten, Ölfeldern und Bergbaugebieten der arktischen Regionen Russlands. Bei der Rückfahrt brachten sie Kondensat vom Obbusen nach Westen mit.

Schiffe, die die Nordostpassage durchqueren, müssen zwecks Minimierung von Umweltrisiken eisgangfähig und mit einem Doppelrumpf ausgerüstet sein. Dies verteuert die Schiffe um 15-20 Prozent. Die Zahl solcher Spezialschiffe reicht jedoch bei weitem nicht aus, um russisches Öl weltweit zu vertreiben. In dem Tanker-Konvoi fuhren zeitweilig auch lettländische eisbrechende Tanker mit, die ebenfalls in Finnland gebaut wurden.

Der Beitrag der Russen besteht in der Bereitstellung von Eislotsen und atomgetriebenen Eisbrechern für den Tanker-Konvoi. Fünf der 80 000 PS Atomeisbrecher liefen in St. Petersburg und zwei weitere Atomeisbrecher in Finnland vom Stapel. Einjähriges Eis von eineinhalb Meter Dicke bereitet noch keine Schwierigkeiten, und selbst mit tiefreichendem Packeis werden die Eisbrecher fertig. Am gefürchtesten sind riesige Eisschollen, die sich aus vieljährigem Eis abgespalten haben.

Der finnischgebürtige Entdeckungsreisende N.A.E. Nordenskiöld segelte vor über hundert Jahren als erster durch die Nordostpassage vom Atlantik in das Beringmeer. Schon er hielt die Route für geeignet, Güter aus Sibirien in alle Welt zu verschiffen. Die Route verkürzt die Fahrt um rund 5000 Meilen oder um zwei Wochen.


Image size 8 Kb Nils Adolf Erik Nordenskiöld (1832-1901)

Mineraloge, Geologe, Geograph und Polarforscher. Geboren in Helsinki 1983. Studium an der Universität Helsinki 1849-55. Siedelte 1858 nach Schweden über. Professor der Wissenschaftsakademie Stockholm 1858.

Forschungsreisen: Ural 1853-54, Spitzbergen 1858, 1861, 1868 und 1872, Grönland 1870 und 1883, Karasee 1875 und 1876. Segelte 1878-79 durch die Nordostpassage mit dem Walfänger VEGA (358 BRT) und 60 PS Hilfsmotor. Es waren auch Wissenschaftler an Bord. Abfahrt von Norwegen im Juni 1878, blieb im September im Eis stecken, wo er 10 Monate überwinterte. Fahrt durch das Beringmeer im Juni 1879. Starb 1901 in Schweden.

Über die wissenschaftliche Ausbeute der Fahrt erschien 1882-78 ein fünfbändiges Werk. Nordenskiölds wertvolle Kartensammlung befindet sich in der Bibliothek der Universität Helsinki.

Siehe auch:
WTF-O Gigantischer Gashahn
Die Entdeckung der Nordostpassage