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T a r j a  H a l o n e n
Erste Staatspräsidentin der Republik

Tarja Halonen ist von insgesamt 11 Staatsoberhäuptern die erste Präsidentin der Republik Finnland. Ihre Amtszeit begann am 1.3.2000 und dauert sechs Jahre. Bei den Präsidentschaftswahlen schlug sie im zweiten Wahlgang den Kandidaten des bürgerlichen Lagers, den Ex-Ministerpräsidenten Esko Aho aus dem Feld. Frau Halonen, seit 1979 sozialdemokratische Abgeordnete, stellte auch die erste finnische Außenministerin.

Tarja Halonen steht in dem Ruf einer selbstsicheren Frau, die eigene Wege geht. Als allein stehende Mutter hat sie ihre Tochter Anna aufgezogen, die heute internationale Politik in England studiert. Halonens Interesse an gesellschaftlichen Anliegen hat ihr außer politischen auch zahlreiche Vertrauensämter in sozialen Organisationen eingebracht. Auch die Kandidatur für das Präsidentenamt hat ihre persönlichen, für richtig erachteten Überzeugungen nicht ins Wanken bringen können. Sie war aus der lutherischen Kirche ausgetreten und lebte unverheiratet mit ihrem Lebenspartner, und Parteifreunde befürchteten, dass diese „wilde Ehe” Wähler vergraulen könne. Doch Meinungsumfragen vor der Wahl zeigten, dass die Mehrzahl der Wähler Frau Halonen als Staatsoberhaupt akzeptieren würde.

Mit dem Verhältnis zu ihrem Lebenspartner Pentti Arajärvi tat sich freilich das diplomatische Protokoll anfangs schwer. Bei offiziellen Anlässen erhielt Arajärvi den Status eines Ehegemahls. Ende August trat das Paar im kleinen Kreis auch offiziell in den Ehestand ein, die Zivilehe wurde im Helsinkier Standesamt geschlossen. Die Presse war von der streng geheim gehaltenen Zeremonie völlig überrascht.

Tarja Halonen verbrachte den Großteil ihres Lebens im Helsinkier Arbeiterviertel Kallio. Sie machte 1962 das Abitur und schloss 1968 ihr Studium als Rechtsreferendar ab. Bevor sie in die Politik ging, hatte sie es bereits zum Justitiar der größten finnischen Gewerkschaft SAK gebracht. Sie ist die längst gediente finnische Ministerin schlechthin: Bevor sie das Außenministerium übernahm, war sie Sozialministerin und - abermals als erste Frau - Justizminister.

Die Vorgesetzte Tarja Halonen wird als großzügig und humorvoll, aber zugleich als fordernd und penibel empfunden: „Wenn etwas getan wird, dann muss es ordentlich getan werden.” Über Halonens blumenreichen Sprachduktus kursieren auf den Korridoren des Außenministeriums, wo ein diplomatischerer Ton gepflegt wird, noch immer Anekdoten.

Affektiertheit ist Präsidentin Halonen fremd. Das wird sich zweifellos auch auf die Gepflogenheiten im Präsidentenpalais auswirken. Davon lieferte sie bei der Begrüßung am ersten Amtstag einen Vorgeschmack. Als sie gemeinsam mit Parlamentspräsidentin Riitta Uosukainen einen Toast ausbrachte, zeigte sich die Präsidentin über das steif-feierliche Zeremoniell pikiert. „Vielleicht können wir uns etwas lockerer gruppieren?” Die gleichfalls unkonventionelle Uosukainen war sogleich Feuer und Flamme und befahl der Beamtenschaft: „Zerstreut euch!”

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Den ersten Staatsbesuch trat die Präsidentin, wie ihre Vorgänger auch, in Schweden an. Die schwedische Presse, die Staatsgäste oft an Mitgliedern des eigenen Königshauses misst, konnte sich freilich für das Geschlecht des Präsidenten erwärmen, monierte aber mangelnde Eleganz. Laut Presseberichten präsentierte sich die Präsidentin „mit ihrer Perlenkette und ausladenden Handtasche wie die Muminmama.” Auch ihr Abendkleid erregte Missfallen, fand aber auch Verständnis: „Tarja Halonen hat gezeigt, dass sie einen eigenen Stil hat. Ihr Abendkleid ist ihr piepegal.” Die Präsidenten meint dazu: „Eine Frau muss eine ausreichend große Tasche haben, damit alle ihre Siebensachen hineinpassen.”

Die Schlagzeilen über Hüte und Handtaschen scheinen die Präsidentin, deren Profil und Renommee auf hoher Fachkompetenz beruht, eher amüsiert zu haben. Schon während des Wahlkampfs setzte sie auf die Werte Demokratie, Wohlstandgesellschaft und Rechtsstaat. Diese Werte kann sie nun als Präsidentin auch außerhalb der Tagespolitik hochhalten, obgleich sie nach eigenem Bekunden nicht in die Kompetenzen der Regierung und des Parlaments einzugreifen gedenkt.

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Im September 2000 zum Millenniums-Gipfel der UNO in New York trafen sich 150, mehr als je zuvor, Staatsmänner und -frauen, und Tarja Halonen führte, gemeinsam mit Namibias Präsident Sam Nujoma den Vorsitz. Als Vorsitzender der 55. UN-Generalversammlung wird ebenfalls ein Finne fungieren - Harri Holkeri, der sich als Friedensunterhändler in Nordirland Meriten erworben hat. Beide sind lebendige Beweise dafür, dass Finnland international hohes Vertrauen genießt.

Siehe auch:
WTF-O Grußwort der Präsidentin Tarja Halonen zum 40. Jubiläum von WTF
SZ-Interview mit Tarja Halonen
Official website of the President of Finland