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Amorphis klein, ging allein...
Die Gruppe Amorphis ist stolz auf ihre Herkunft. In ihren Kompositionen verschmelzen finnische Volksmusik mit Heavy Metal zu einem furiosen Klangkosmos.

„Der Herbst hat sich ziemlich ruhig angelassen. Wir hätten Anfang September nach Amerika aufbrechen sollen, doch wir haben die Tournee schon im Sommer abgeblasen. Unter heutigen Gesichtspunkten war der Beschluss ganz vernünftig”, befindet der Keyboard-Spieler der Gruppe Santeri Kallio mit Hinblick auf die instabile Weltlage.

Die Gruppe hat soeben ihre Tournee „Tattoo the Planet” hinter sich gebracht. Sie lockte über 11 000 Fans in den Eissporthallen von Helsinki und Stockholm an. Als Hauptattraktion spielte die weltbekannte amerikanische Heavy-Band Slayer, eines von Amorphis' Vorbildern. „Das war ganz schön nostalgisch, mit den Helden der Kindheit auf der gleichen Bühne stehen. Das muss man ihnen lassen, Slayer ist noch immer eine Wucht. Unser eigener, nur halbstündiger Set war allerdings zu kurz”, bedauert Kallio.

... in die weite Welt hinein

Amorphis ist ein rares internationales Phänomen in der finnischen Musikszene. Anders als die von Plattenfirmen lancierten Hitlistenstars Him, Darude und Bomfunk MC hat die sechsköpfige Gruppe ihre Kontakte ins Ausland selbst geknüpft und so einen Plattenvertrag ergattert. Ihre Erfolgsstory begann vor zehn Jahren.

„Die hiesigen Plattenfirmen haben uns die Tür gewiesen, und da haben wir, obwohl wir damals erst siebzehn waren, es eben im Ausland versucht. In Finnland wurde man auf uns erst aufmerksam, als in der Zeitung stand, dass wir eine Riesenmenge Platten verkauft haben”, grinst Gitarrist Tomi Koivusaari.

Er hat gut lachen. Von den fünf Platten der Gruppe haben sich bislang über eine Million Stück verkauft. Der finanzielle Erfolg bedeutete zugleich größere Arenen und längere Tourneen. Zum obligaten Lebensstil gehört, dass die Gruppe wenigstens zwei Monate lang im Tourenbus durch Europa und die USA tingelt, aber die Musiker beklagen sich nicht: „Die Touren halten die Musik lebendig, zu Hause herumsitzen bringt nichts”, weiß Kallio.

Die Band aus Helsinki schreckt auch vor exotischen Reisezielen wie Japan oder Mexiko nicht zurück. „Unsere Band ist nicht von MTV abhängig. Wir haben zehn Jahre im Underground-Milieu gespielt, und in dieser Zeit sind unser Name und unsere Platten um die Welt gegangen. Publikum findet man überall”, versichert Koivusaari.

Eine solide Fangemeinde hat Amorphis vor allem in Deutschland, wo die Gruppe für andere finnische Heavy-Band den Bahnbrecher gespielt hat. Von dem Siegeszug des Suomi-Metal haben auch Gruppen wie Sentenced, Children of Bodom und Nightwish profitiert.

Metal, Rock und Hut, steht Amorphis gut...

Images 19 Kb Amorphis tritt nicht auf der Stelle. Die Band ist in letzter Zeit von Metal abgerückt und hat sich neue musikalische Dimensionen erschlossen. Obgleich man ihre neue Platte „Am Universum” schon als Rock charakterisieren könnte, haben die alten Fans den Stilwechsel gut aufgenommen. Die Debüt-Single „Alone” des Albums eroberte für drei Wochen die Spitze der finnischen Hitliste.

Das alte Image ist indessen hinderlich für das Abspielen neuer Platten im Rundfunk und Fernsehen, wo Heavy Metal traditionell weitgehend ausgespart wird. „Es ist wirklich schade, dass Armorphis so wenig im Radio zu hören ist. Auf den Abspiellisten steht heute viel ruppigere Musik als unsere”, merkt Koivusaari an.

Eine der Stärken der Gruppe ist ihre Verwurzelung in der Volksdichtung. Die Texte der drei ersten Stücke der neuen Platte basieren auf den finnischen Volksepen Kalevala und Kanteletar. Der für neue Liedtexte zuständige Sänger Pasi Koskinen bezeichnet seine Lyrik selbst als moderne Volkserzählungen.

Auf den beiden letzten Alben ist der Saxofonist Sakari Kukko mit von der Partie, der Leiter der legendären Folkloregruppe Piirpauke, der mit seinen psychedelischen Saxfiguren einen neuen Amorphis-Sound kreiert. Heavy-Gitarren und finnische Volksmusik mögen zunächst als ein ungleiches Gespann anmuten, aber bei Amorphis geht die Rechnung auf: „Kukko passt hervorragend zu unserer Musik. Piirpauke war schon in der Gründungsphase unserer Band eines unserer einflussreichsten Vorbilder.”

Powermetal: Amorphis - An Universum