Image size 18 Kb Kuopio wie es tanzt und musiziert

Auf dem Gebiet des Balletts und Ausdruckstanzes hat sich Kuopio weltweit einen Namen gemacht. Jahr für Jahr laden die Tanz- und Musikfestspiele Kuopio Performer und Gruppen ein, die außerhalb ihres Heimatlandes selten auftreten. 1996 ging in Kuopio die Weltpremiere einer chinesischen Oper über die Bühne, die auf das 13. Jahrhundert zurückgeht. Mit von der Partie war zudem eine Tanztruppe aus Thailand, die bei der Eröffnung der Olympiade in Atlanta auftrat.

„Die fast dreißig Jahre alten Festspiele haben ein gewisses Glaubwürdigkeitsproblem”, lacht Tanja Rasi, die 1996 ihren Job als Geschäftsführerin der Festspiele aufgab. „Die Trendsetter der Branche kommen aus dem Staunen nicht heraus, wie eine kleine Stadt unweit des Polarkreises es schafft, immer wieder Spitzenkräfte zu engagieren”.

Das hohe Niveau und die Popularität der Festspiele beruhen auf bahnbrechenden Ideen und deren Realisierung, auf Kompetenz und auf zahlreichen persönlichen Kontakten. Die Performer und Tanztruppen werden persönlich, ohne Einschaltung von Mittelsmännern kontaktiert. „Sie fliegen nach Kuopio, treten hier auf und fliegen wieder zurück”, konkretisiert Rasi. „Unsere Festspiele bilden keine Zwischenetappe innerhalb von Festivalketten.”

Die Festspiele haben Kuopio einen höheren Bekanntheitsgrad und vor allem ein kulturbejahendes Image eingetragen. Sie wurden weder als Massenveranstaltung, von denen es laut Rasi im finnischen Sommer übergenug gibt, konzipiert, noch haben sie sich dazu ausgewachsen. „Ein Festival für Kenner, das mit Spitzenkräften aufwarten kann, kann sich wirtschaftlich durchaus rechnen, wenn man sich intensiv dafür einsetzt”.

Auf der anderen Seite ist man sich in Kuopio bewußt, daß die Festspiele leicht in den Ruch einer elitären Veranstaltung geraten können. Um Schwellenängste abzubauen, „wollen wir das Programm noch vielschichtiger gestalten”, so Rasi. Sie betont überdies, daß das festivalbegleitende Kursprogramm vom klassischen Ballett für Kinder bis zum Flamenco noch kräftig ausgeweitet werden kann. Denn: „Die Freude am Tanz ist weder an Begabung, Aussehen noch Alter gebunden.”

Heiße Rhythmen im kühlen Kuopio Image size 5 Kb

Von einem elitären Ansatz konnte zumindest beim Festival 1998 nicht die Rede sein. Dafür sorgten latein-amerikanische Tanztruppen aus Argentinien, Brasilien, Mexiko, Venezuela und Kuba, die dem Festival das Flair eines Volksfests verliehen.

Dafür sorgten: das Nationalballett Kuba unter Leitung seiner legendären Gründerin Alicia Alonso, das Balé Folclorico da Bahia, die Tangogruppe Tangokinesis, die Grupo Corpo, das Utopia Danza-Teatro, die Truppe Danzahoy und das finnische Afro-Cuban Jazz-Orchestra.

Besonders gut kamen in Kuopio die energiegeladenen, akrobatischen Darbietungen des Balé Folclorico da Bahia an. Das brasilianische Ballett war - wie die meisten Vorstellungen der anderen Tanztruppen im Musikzentrum - ausverkauft.

„Das Festival hat in diesem Jahr seine Stellung weiterhin konsolidieren können. Nach meiner Meinung kann mit diesem latein-amerikanischen Sommer nur das Festival 1995 mit seinen brillanten Flamenco-Darbietungen konkurrieren”, befindet Anna Pitkänen, die Nachfolgerin von Tanja Rasi, die 1996 das Management des Festivals übernahm.

Prominente Tanztruppen waren auch 1999 angesagt: u.a. die israelische The Contemporary Dance Campany unter Leitung von Rami Be'er, das Flamenco-Ensemble von Ricardo Franco und das Ballett der „Finnischen Oper am Rhein”, wie die Deutsche Oper am Rhein wegen ihrer zahlreichen finnischen Gastsänger zuweilen tituliert wird.

Für einen abschließenden Höhepunkt sorgte Rimpparemmi aus dem lappländischen Rovaniemi. Das Repertoire der Truppe besteht aus traditionellen Volkstänzen, für die ihr künstlerischer Leiter Petri Kauppinen moderne Choreographien erarbeitet hat.

Das Thema für das Jahr 2000, das Tanztheater Großbritanniens, schließt auch Ensembles aus den vormaligen britischen Kolonien ein.

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