Eine Kunstakademie
richtet sich im Morgen ein
Fotografie zählt zu den beliebtesten Fächern. Hanna-Kaisa Korolainens und Hannele Romppanens Arbeit „Zwei Annas in Terijoki” ist atmosphärisch dicht.
Image size 13 Kb

Die alte Handels- und Hafenstadt Turku [schwedisch: Åbo] ist eine Wiege der Bildung und der Kultur in Finnland. Die erste Universität des Landes, die Königliche Akademie, geht auf das Jahr 1640 zurück. Auch die Domkirche aus dem 13. Jahrhundert unterhielt schon eine Schule. In vergangenen Jahrhunderten bildeten sich viele finnischen Studenten an renommierten französischen und deutschen Universitäten weiter und brachten von dort neues Wissen mit nach Haus. Von diesem Wissensfundus konnten die heutigen wissenschaftlichen und künstlerischen Institutionen zehren. Die besten von ihnen zählen heute zu den führenden Ausbildungsstätten und locken Studenten aus aller Welt an.

Die vielseitige Kunstakademie Turku hat sich in unserer rasch wandelnden Welt bereits im Morgen eingerichtet. „Wir führen im Herbst 2001 ein neues Studienfach unter dem Arbeitstitel Neue Medien ein”, schwärmt Akademieleiterin Maija Palonheimo. „Unsere Idee war, unterschiedliche Kommunikationsformen zu einer funktionellen Gesamtheit zusammenzufassen. Hierzu benötigen wir Informatiker, Filmemacher, bildende Künstler, Animationsspezialisten, Musiker.alle möglichen Berufe. Niemand weiß jetzt schon zu sagen, was aus den Studenten nach Studienabschluss wird. Niemand vermag zu sagen, welche Innovationen in einem Jahr im Medienbereich gebraucht werden.”

Das Examen der 1997 als Fachhochschule anerkannten Kunstakademie bildet eine Alternative zur Fachschulprüfung und zum wissenschaftlichen Hochschulexamen. Die Kunstakademie soll Praktiker auf ihrem jeweiligen Gebiet ausbilden. Die Absolvierung des Examens samt Praktikum dauert vier oder viereinhalb Jahre. Internationalität ist ein Wesenzug der Hochschulausbildung.

Image size 10 Kb

Die Kunstakademie steht auf einem vormaligen Werftgelände am Fluss. Im Untergeschoss der alten Werfthalle wird jetzt im Tanztrikot statt im Blaumann geschwitzt, und im Obergeschoss werden Nacktmodelle statt Schiffe skizziert. An die sechshundert Studenten tummeln sich täglich in dem Gebäude. Charakteristisch ist eine kontinuierliche Zusammenarbeit, bei der Studenten verschiedener Fachrichtungen sich gegenseitig anregen.

Das Lehrangebot erstreckt sich über alle möglichen Kunstsparten: Film, Fotografie, Musik, Tanz, Animation, bildende Kunst, Puppentheater, Musiktheater, Zirkusartistik, Werbedesign, Kunstgewerbe und industrielles Design. „Wir sind in Finnland die Einzigen, die auch Zirkus- und Musiktheaterartisten ausbilden”, rühmt Maija Palonheimo.

Zirkus als Studienfach

Image size 10 Kb

Die Einbeziehung von Zirkusartistik ist bezeichnend für die Weiterentwicklung der Akademie. „In einer Kaffeepause kam das Gespräch darauf, dass es neben der zwei Jahre dauernden Clownschule in Dänemark in den skandinavischen Ländern keine professionelle Zirkusausbildung gibt. Da haben wir die Ärmel aufgekrempelt. Anfangs haben sich die Leute zwar aufgeregt, dass wir nun auch schon Zirkusclowns auf Kosten der Steuerzahler ausbilden wollen. Aber wir waren auf dem richtigen Weg, die Popularität und Wertschätzung des Zirkus weist steil nach oben.”

Frau Paloheimo hält es für einen Lottogewinn, an der Kunstakademie studieren zu dürfen. Von Hunderten von Bewerbern werden nur 4-8 Prozent für verschiedene Studienzweige ausgewählt. Die Ausbildung ist von hohem Niveau - und kostenfrei. Auch aus dem Ausland bewerben sich mehr Studenten als aufgenommen werden können. Die beliebtesten Fächer sind Fotografie und Werbedesign.

Kunst als Broterwerb

Studenten aller Fachrichtungen erhalten eine gediegene Lektion in Marketing- und Unternehmertraining. Laut Akademieleiterin Palonheimo erwacht das Interesse der Studenten an diesem Sujet erst in einer fortgeschrittenen Phase des Studiums. Sie sollen in die Lage versetzt werden, mit den neu erworbenen Kenntnissen später auch ihr Brot zu verdienen. Die Fachhochschule vermittelt Künstlern vor allem eine solide Berufsausbildung. Das ist eine internationale Währung, die in jedem Land Gültigkeit hat.

Frau Palonheimo ist sichtlich stolz auf ihre Kunstakademie. „Man kann hier als Student Dinge austüfteln und ausprobieren, was im Berufsleben nicht mehr möglich ist. Das gehört zur Sache. Aus diesem Grund ist die Akademie auch für Lehrer ein dankbarer Arbeitsplatz. Aber das Wichtigste ist, dass man in diesem Haus weiß, wenn etwas Neues in der Luft liegt. So können die auch die aktuellsten Strömungen in die Ausbildung einbezogen werden.”

Turku Arts Academy - Circus Arts