Image size 25 Kb Bomfunk MC's, Darude und HIM waren nur ein Anfang

Bis in die letzten Jahre erschöpfte sich der Export finnischer Popmusik hauptsächlich in Heavy Metal, Humppa (eine Art finnischer Foxtrott) und in kuriosen Popfiguren wie die Leningrad Cowboys. Bomfunk MC's, HIM und Darude sind die ersten finnischen Gruppen europäisch-internationalen Zuschnitts, obgleich 22-Pistpirkko,Apocalyptica, Jimi Tenori, Amorphis, Eläkeläiset, Stratovarius, Nightwish und etliche andere schon länger innerhalb ihres Genres einen Kultstatus genießen.

Asko Kallonen von BMG Finland, Marko Alanko von Sony Music und der Produzent Hiili Hiilesmaa, befragt über den heutigen Standort der finnischen Popmusik, sind sich weitgehend einig. Das Können finnischer Popartisten ist auf dem gleichen Niveau wie vorher, aber es ist eine geballte Portion Professionalität hinzugekommen. Auch hat das slawische Kulturerbe durch internationale Musikkanäle, kommerzielle Rundfunksender und das Internet neue Einflüsse adaptiert. Die finnische Popmusik hat dem internationalen Musikpublikum Einzigartiges zu bieten - darüber sind sich die drei Produzenten einig.

„In Finnland können Bands ihre Konzepte in aller Ruhe entwickeln. Eine finnische Band ist - dank planmäßigem Vorgehen - meiner Erfahrung nach ein guter Kooperationspartner für Musikproduzenten. Sie sind stolz, aber auch hinreichend willig”, sinniert Hiili Hiilesmaa.

„Eine finnische Band tritt im besten Sinne mit eigenen Vorstellungen hervor, die nicht exzentrisch, aber trotzdem eigenständig und originell sind. Unsere Exportbands haben es vermocht, Originalität mit Alltäglichkeit zu verbinden. So sind HIM's Love Metal und Bomfunks HipHop-Dance Beispiele dafür, wie eigene Ideen mit der angloamerikanischen Musiktradition und Rock-Sensibilität kombiniert werden können”, meint Asko Kallonen.

„Branchenkenner verfolgen die Situation in Finnland genau. So haben wir im Frühsommer drei Demo-Singles nach Schweden geschickt, sie wurden alle zur Veröffentlichung angenommen. Das ist vorher noch nie passiert. Das bedeutet, dass die Finnland-Vorurteile geschwunden sind und stattdessen einem Finnland-Hunger Platz gemacht haben”, bestätigt Asko Kallonen.

Marko Alanko sieht die Entwicklung ähnlich. „Mit dem Finnland-Logo versehene Demos stoßen nicht mehr auf grundsätzliche Ablehnung.”

Image size 13 Kb

Alle drei Experten stimmen darin überein, dass die Aufrechterhaltung des Trends eine der größten Herausforderungen für die finnische Musikindustrie ist. Einzelne Stars strahlen nicht für immer, dafür rücken immer wieder neue Begabungen nach. Dass diese Talente von dem breiten Publikum wahrgenommen werden, hängt weitgehend davon ab, wie die gegenwärtige Generation von Musikern und Plattenfirmen ihr Image und ihr Netz von persönlichen Kontakten ausbauen können. „Die nächste Welle von Musikern kann schon mit einer besseren Rezeption rechnen. Wir müssen künftig mindestens genauso gute oder bessere Künstler für den Export haben”, erklärt Asko Kallonen.

Die Namen kommender Topbands sind aufgrund der rasch wechselnden Moden und Trends in der Musikszene schwer vorauszusagen. Marko Alanko schwört auf die von seiner Firma verpflichteten Künstler und erwähnt, dass die auf Finnisch rappende Gruppe Fintelligens in Deutschland auf überraschendes Interesse gestoßen ist. Anlanko glaubt auch, dass sich sein Schützling Bomfunk MC's noch lange in den Charts halten wird. „Alles ist möglich. Bomfunks Stilmix aus HipHop, Rock und Electro ist glaubwürdig, und bis auf weiteres gibt keine vergleichbare Band. Die Situation ist gleichwohl eine Herausforderung, denn Bomfunk hat den größten Hit des 21. Jahrhunderts in Europa gelandet und muss nun mit noch erfolgreicheren Knüllern herauskommen.”

„Gruppen auf dem Niveau von u.a. Crash, Kemopetrol und Lab gibt es derzeit viele. Von HIM und Bomfunk kommen in Kürze die nächsten Alben heraus, und es ist interessant zu sehen, wie es ihnen ergeht. Erfolge wie diese ziehen neue Begabungen nach sich, die sich bislang auf anderen Gebieten versucht haben, meinetwegen beim Kugelstoßen”, mutmaßt Asko Kallonen.

Interview mit der finnischen Popband HIM
Neues Album der Düsterrocker HIM
Noch mehr über HIM
Findance: Darude interview [in Englisch]