Nationalinstrument  Kantele

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Die Anfänge des finnischen Nationalinstruments Kantele fallen in die gleiche Epoche, als in den Anrainerländern des Mittelmeers und auf dem europäischen Kontinent zitherähnliche Zupfinstrumente aus dem Osten auftauchten. Schätzungen zufolge wurde die Kantele schon Jahrhunderte vor der Zeitrechnung in Finnland eingeführt. Skythische Nomaden brachten sie bei ihren Wanderungen mit ins Baltikum. Von dort gelangte sie über die Ostsee nach Finnland.

Es gibt zwei Kanteletypen: Die erstere ist eine Zither, die aus einem Holzblock ausgehöhlt wurde, der zweite Typ ist eine kastenförmige Kantele. Die aus einem Block ausgehöhlte Zither ist einzigartig auf der Welt, es sind keine verwandte Instrumente bekannt. Als Kastenzither hat die Kantele jedoch Verwandte auf der ganzen Welt. Die herkömmliche Kantele hat fünf Saiten, davon wurde selten abgewichen.

Die Saitenzahl der heutigen Konzertkantele ist um ein Vielfaches höher, und man kann mittels eines Stimmwirbels die Tonlage flexibel variieren. Paul Salminen entwickelte in zahlreichen Versuchen in den 20er Jahren die Kantele zu einem Instrument weiter, das für die Kunstmusik tauglich ist. Er baute in eine große Kastenkantele einen Stimmwirbel ein, den er der Harfe abgeschaut hatte, und der die musikalischen Ausrucksmöglichkeiten der Kantele erheblich erweiterte. Die Kantele wird diatonisch gestimmt, die Saiten werden mithin nur auf die Töne gestimmt, die den weißen Tasten des Klaviers entsprechen. Mittels des Stimmwirbels können die Töne erhöht und gemindert und die den schwarzen Tasten entsprechende Töne erzeugt werden. Konzertkantelen folgen noch immer dem von Salminen entwickelten Prinzip. Kastenkantelen, die sich gleichermaßen für die Volksmusik und Konzertmusik eignen, haben bis zu 32, 36 oder gar 38 Saiten. Für das Kantelespiel hat die Sibelius-Akademie, die einzige Musikhochschule des Landes, einen eigenen Studiengang eingerichtet.

Wettervorhersagen per Kantele

Image size 19 Kb Die Kantele ist zu einem nationalen Symbol aufgestiegen, das in unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet wird: in Wappen, auf Grabsteinen, als Emblem von kulturellen Vereinen und früher oft als Motiv der bildenden Künste. Die Bedeutung der Kantele wurde im finnischen Nationalepos Kalevala mythisch überhöht. Väinämöinen, einer der Kalevala-Helden, wird als Statue und in Gemälden oft als stimmgewaltiger Sänger dargestellt, der seinen Gesang auf der Kantele begleitet. Die Tradition der Dichterbarden und des Kantelespiels lebt besonders in Karelien, wo auch die Gesänge des Kalevala zusammengetragen wurden, bis auf den heutigen Tag fort.

Kantelen wurde seit jeher aus sorgfältig ausgesuchtem Holz gebaut: Fichte, Kiefer, Erle und neuerdings bevorzugt Birke. Die Holzqualität, die sich wie bei Violinen via Resonanzboden auf die Klangfarben auswirkt, hatte früher auch praktische Bedeutung. Im vorzeitlichen Karelien konnte man aus der Klangfarbe der Kantele kommende Wetterveränderungen heraushören.

Die Kantele ist ihren Wesen nach ein Volksmusikinstrument, und es gibt entsprechend viele eigenwillige Bau- und Spielweisen. So kann man in verschiedenen finnischen Landstrichen Kantelespieler antreffen, deren Stil sich keiner bekannten Schule zuordnen läßt. Die jahrtausendalte Kantele hat sich bislang allen Standardisierungsversuchen widersetzt. Das hält die Tradition lebendig.