Image size 14 Kb Kiasma
umstritten und umjubelt

Kiasma, das im Mai 1998 mitten in Helsinki eröffnete Museum für zeitgenössische Kunst, erregte die Gemüter schon lange vor der Grundsteinlegung. Selten hat ein Bauprojekt in Finnland so hitzige Debatten ausgelöst wie das Kiasma.

Es dauerte geschlagene dreißig Jahre, bis man sich endlich zum Bau des Museums aufraffen konnte. Das Museum für Moderne Kunst wurde erst 1990 gegründet und provisorisch in Winkeln des Kunstmuseums Ateneum untergebracht. Für die Planung des Museums wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, und die Jury wählte aus den eingegangenen Entwürfen Steven Holls Kiasma aus. Steven Holl wurde als einziger Amerikaner zu dem Wettbewerb eingeladen.

Dann entbrannte ein Streit über den Standort des Museums. Man hatte dafür ein Areal im Stadtkern reserviert, unweit des Parlamentsgebäudes, flankiert von dem alten Postgebäude und dem Reiterstandbild des Marschalls C.G. Mannerheim. Es hagelte Proteste: Mannerheims Hintergrund dürfe nicht durch einen modernen Allerweltsbau verschandelt werden. Es wurden Unterschriften gesammelt und der Vorschlag eingebracht, das Standbild vorsichtshalber an einen anderen Platz zu verfrachten.

Als das neue Museum nach und nach Gestalt annahm, lebte die Debatte wieder auf. Wo die Planungsjury von einem 'geheimnisvollen' und 'skulpturalen' Bau munkelte, sahen die Leute mal einen Wal, mal einen Kürbis oder gar ein U-Boot Gestalt annehmen.

Als das Museum schließlich stand, war die Überraschung groß: Das Gebäude gab einen großartigen Hintergrund für den reitenden Mannerheim ab. Außerdem eröffnet sich dem Besucher aus dem Kiasma eine ganz neue Perspektive auf den Reitersmann.

Kiasma kommt von dem griechischen Wort „Khiasma”, das laut Wörterbuch soviel wie 'Kreuzung der Nerven' (vor allem des Sehnervs) bedeutet. Das Museum für zeitgenössische Kunst pries sich denn auch als `Kreuzung, ein Ort für Macher, Visionäre, Experimentierfreudige' an. Die beispiellose Vorabwerbung in den Medien lockte im ersten Jahr über 200 000 Besucher an, die mit Sicherheit nicht alle als Freunde der modernen Kunst gelten können. Kiasma ist dank seiner zentralen Lage leicht zu erreichen, und das Museum ist von morgens bis in den späten Abend geöffnet. Außerdem ist der Eintritt in die Räume des Erdgeschosses, in dem elektronische Infopunkte installiert sind, unentgeltlich.

Museum für Moderne Kunst Kiasma, Mannerheiminaukio 2, Helsinki. Geöffnet dienstags 9-17, mittwochs bis sonntags 10-22 Uhr, montags geschlossen.

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Kiasma - Info [englisch]