Image size 11 Kb Soile Isokoski „eropert” die Musikwelt

Die steile Karriere der finnischen Sopranistin Soile Isokoski stand unter einem glücklichen Stern. Gegen Fünfzig ist eine Sängerin im kreativsten Alter, befindet die Sopranistin, und bis dahin hat es noch eine Weile. Die Laufbahn von Soile Isokoski, die ursprünglich Kirchenmusik studierte, ist für Jahre vorgezeichnet. Im Januar 2002 wird sie an der New Yorker Metropolitan debütieren. Nach erfolgreichen Gastspielen in London, Wien, Paris, Berlin, Hamburg, Rom, Salzburg, Tokio, Moskau, Amsterdam, München, Mailand, St. Petersburg... Innerhalb von zwölf Jahren hat sie eine Musikmetropole nach der anderen buchstäblich „eropert”. Soile Isokoski steht an der Schwelle zu unvergänglichem Ruhm.

Um beliebt zu sein und große Honorare einstreichen zu können, muß man gut, aber auch berühmt sein. Das sind zwei verschiedene Dinge. So charakterisierte Luciano Pavarotti den Werdegang eines Sängers zum Star.

„Für mich ist Berühmtheit an sich kein Ziel”, beteuert Soile Isokoski. „Natürlich muß man sich in der Musikszene einen Namen machen, damit sich die Konzertbesucher einstellen. Das ist unbestritten. Aber ich kann aus ganzem Herzen sagen, daß ich bestimmt keine Berühmtheit à la Pavarotti anstrebe. Auf der Bühne vor dem Publikum steht man Sänger sowieso entblößt da. Jeder im Zuschauerraum hat das Recht, über mich zu denken und zu sagen, was er will. Als Gegengewicht dazu muß man ein Privatleben haben. Zum Glück kann ich mich in der Welt noch einigermaßen ungestört bewegen. Das weiß ich zu schätzen. Hohe Honorare? Es ist einfach zu sagen, daß Geld nicht wichtig ist, weil ich genug davon habe. Ich habe aber auch Zeiten gesehen, in denen ich mit dem Pfennig rechnen mußte. Wenn man zuviel Geld hat, verliert alles andere leicht seine Bedeutung.”

„Ein Star. Das ist ein trendiger, wenn auch uralter Begriff. Stars funkeln in am Firmament, in unerreichbarer Ferne”, philosophiert Isokoski. „In der Oper mag ein Zuhörer in der 57. Bankreihe sitzen und den Star bewundern, ohne sich zu trauen, sich ihm je zu nähern. Andere trauen sich trotzdem. Ich habe eine Gruppe von Fans, die hinter mir her reisen. Nette Leute, die sich niemals aufdrängen. Ihnen reicht es, wenn man mit ihnen ein paar Worte wechselt und ich mein Autogramm auf ein Foto verewige. Es ist ein gutes Gefühl, wenn im Zuschauerraum jemand sitzt, der von weither angereist ist, um mich hören.”

Liebling der Maestros

Erfolg in der Welt der Musik kann man mit vielerlei Maßstäben messen. Da gibt es Sänger, die sich damit brüsten, mit großen Kapellmeistern zusammengearbeitet zu haben. Sole Isokoskis Liste namhafter Maestros liest wie ein Gotha der Dirigentenzunft: Zubin Mehta, Sir Colin Davis, Seiji Ozawa, Neeme Järvi, Andrew Davis, Daniel Barenboim, Bernard Haitink, John Eliot Gardiner, Yehudi Menuhin, Riccardo Muti, Claudio Abbado und selbstredend die Finnen Okko Kamu, Jukka-Pekka Saraste und Esa-Pekka Salonen.

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„Ich sammle keine Dirigenten-Skalps. Ich schätze mich zwar glücklich, mit ihnen zusammengearbeitet zu haben und daß die Kooperation fortdauert. Ein prominenter Name ist gewissermaßen eine Qualitätsgarantie. Maestros reden viel miteinander, auch über Sänger. So haben Claudio Abbado und Zubin Mehta eine Zeitlang zusammen in Wien studiert, und Daniel Barenboim ist ihr guter Freund. Es ist ein geschlossener Zirkel, um den die Musikszene kreist und die sie zugleich auf Touren bringt. Ebensogut hätte die Sache anders herum ausgehen und das Wort in Umlauf gebracht werden können, daß die Soile zu nichts taugt.”

Hätte. Erste Meilensteine der Sängerkarriere von Soile Isokoski waren 1987 ein erfolgreiches Abschneiden bei einem Sängerwettbewerb im finnischen Lappeenranta und beim BBC-Wettwerberb Singer of the World in Cardiff sowie im folgenden Jahr erste Preise beim Elly Ameling-Wettbewerb und bei einem internationalen Gesangswettbewerb in Tokio. 1987 wurde sie von der Finnischen Nationaloper engagiert, wo sie bis 1994 gesungen hat. Direkt zu Beginn ihrer Laufbahn erhielt Isokoski das rare Angebot, mit einem eigenen Konzert in der berühmten Amsterdamer Concertgebow zu gastieren. Damit waren die Voraussetzungen für eine steile internationale Karriere gegeben. Unter Leitung von Claudio Abbado trat sie erstmals 1996 auf. Die Zusammenarbeit wird fortgeführt, und die Kunde von der brillanten finnischen Sopranistin verbreitete sich in Windeseile. Soile Isokoski kann sich nun ihre Partner aussuchen und ihre Karriere nach eigenem Gusto gestalten. 1999 betritt sie mit ihrer ersten Wagner-Rolle als Elsa in Lohengrin abermals Neuland - in Athen.

„Mir werden ständig neue aufregende Aufgaben angetragen, ich lerne Neues und will mich weiterentwickeln. Wenn ich jetzt aus irgendeinem Grunde aufhören müßte, könnte ich glücklich und zufrieden sterben. Ich habe in meinem Beruf Glück gehabt, das Schicksal war mir wohlgesinnt.”

„Eine der Sternstunden meines Lebens war das Eröffnungskonzert der neuen Konzerthalle der Philharmonie Chicago, wo ich mit Placido Domingo und unter Leitung von Daniel Barenboim eine Szene aus Verdis Othello gegeben habe. Doch auch viele andere Abende sind mir unvergeßlich in Erinnerung geblieben. Jeder Auftritt ist gleich wichtig. Um sich in diesem Beruf behaupten zu können, muß man stark sein, doch während des Auftritts ist wiederum Offenheit und Sensibilität angesagt. Es dauert eine Weile bis man gelernt hat, diese Dinge auszubalancieren. Man darf auch nicht vergessen, daß zig andere zur Stelle sind, wenn die eigene Stimme eines Tages versagen sollte”, weiß die Sängerin.

„Das Lied war mir immer die liebste, am nächsten stehende Musikform. Neben Opernauftritten und Orchesterkonzerten nehme ich so oft wie möglich Lieder in mein Repertoire auf, bei denen mich die Pianistin Marita Viitasalo begleitet. Zum Glück bin ich heute bekannt genug, um mir das öfter leisten zu können.”

Liebe zum Lied

Musik, die Liebe zur Musik und das Privileg, sie beruflich auszuüben zu dürfen - davon spricht die Sängerin gern und ausdauernd , das scheint ihr Leben zu erfüllen. Doch das bedeutet zugleich, auf vieles andere verzichten und auf dem Altar der Musik opfern zu müssen.

„Ich bin ein Single. Dies ist mehr oder weniger eine bewußte Wahl. Eigentlich bin ich nie vor die Alternative gestellt worden: ja oder nein. In dieser Hinsicht ist mein Leben ziemlich unbeschwert verlaufen. Ob ich mich nie richtig verliebt habe? Aber ja. Aber zu jenem Zeitpunkt war es nicht realistisch, eine Familie zu gründen.” Soile Isokoski streicht über ihre hübschen dunklen Locken und lacht auf: „Natürlich bedeutet das, aus dem Koffer zu leben. Ich vermeide Hotels so gut ich kann. In Großstädten, in denen ich öfter gastiere, miete ich immer die gleiche Wohnung. Da stellt sich manchmal für eine Woche sogar ein Zuhause-Gefühl ein. Die Arbeit geht jedoch vor, die Arbeit und die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite. Das ist meine Familie. Mit bekannten Kollegen gehe ich ins Kino, zum Joggen und ins Fitneßstudio, wir kochen zusammen und unterhalten uns über andere Dinge als Musik.”

Soile Isokoski schirmt ihr Privatleben sorgsam ab. Ihre Tür öffnet sich nicht so leicht. Sie hat Refugien, in die sie sich bei Bedarf zurückzieht. Dennoch beteuert sie, glücklich zu sein und daß ihre zwischenmenschlichen Beziehungen intakt sind. Ständig auf Achse zu sein, ist nicht einfach, auch wenn man seine Arbeit noch so leidenschaftlich liebt. „Ich schreibe als Hobby Gedichte, minimalistische Gedichte. In ihnen versuche ich, mit wenigen Worten überwältigende Lebenserfahrungen festzuhalten. Dies kann man mit meiner Liebe zum Lied vergleichen, denn auch ein kleines Lied enthält eine ganze Welt.”