Image size 21 Kb Image size 4 Kb Finnische Feste - wann Finnland feiert

 

Finnland liegt an der Grenze der subarktischen Zone, doch im Einflußbereich des wärmenden Golfstroms. Das Jahr untergliedert sich, je nach Lichtverhältnissen, in vier ausgeprägte Jahreszeiten. Der Wechsel der Jahreszeiten beeinflußt in mannigfaltiger Weise das Leben der Finnen und prägt auch den Festkalender des Landes. Die wichtigsten Feiertage sind Weihnachten und das Johannisfest, das Mittsommerfest. Das erste fällt in die Zeit, in der die Tage am kürzesten sind, und das zweite in den hellen Sommer, wenn die Sonne überhaupt nicht mehr untergeht.

Das volkstümlichste und finnischste der Feste ist zweifellos das Mittsommerfest. Nirgendwo sonst, außer vielleicht in Schweden, steht dieses Fest so hoch im Kurs. Obgleich das Fest am Tag des heiligen Johannes begangen wird, hat es für Finnen eher profane Bedeutung: Jetzt heißt es, den kurzen, aber intensiven Sommers zu genießen. Im Norden muß die Natur innerhalb weniger Sommermonate aus dem Sonnenlicht alle Kräfte schöpfen, die sie zum Überstehen des langen Winters braucht. Das Sommeräquinoktium mit dem längsten Tag des Jahres fällt in den Mittsommer. Im nördlichsten Finnland geht für 50 Tage die Sonne überhaupt nicht mehr unter, und auch in Helsinki streift sie zu Mittsommer nur den Horizont.

Mit dem Johannisfest, dem Fest der nachtlosen Nacht, sind mancherlei volkstümliche Mythen und Bräuche verknüpft. Die Wachstumsperiode ist im vollem Gang, und für Burschen und Mädchen war es früher die Hoch-Zeit der Liebesschwüre und -spiele. Heute ist das Mittsommerfest die mit Abstand beliebteste Zeit für Hochzeiten.

Daß das Mittsommerfest in der Natur begangen werden muß, ist ein finnisches Credo. Wiewohl schon über 2/3 der Finnen in städtischen Räumen wohnt, setzt alljährlich zu Johanni eine wahre Völkerwanderung aufs Land ein, zu den sommerlichen Seen und Wäldern. Bei nahezu 200 000 Seen und Zehntausenden von Inseln findet fast jeder einen Platz am Busen der Natur. Nirgendwo sonst gibt es so viele Ferienwohnungen pro Einwohner als in Finnland, und das sog. Jedermannsrecht berechtigt jedermann/frau, sich frei in der Natur zu bewegen.

Am Mittsommerfest wird wenig geschlafen, desto fleißiger gesaunt, gegessen und getrunken. Wenn das Wetter nicht zu warm - Waldbrandgefahr! - oder zu feucht ist, können die traditionelle Johannisfeuer abgebrannt werden.

Neben Mittsommer werden in Finnland weitere drei oder vier generationenübergreifende Feste gefeiert. Das größte von ihnen ist das Familienfest Weihnachten, das in der Regel zu Hause gefeiert wird. Oder die ganze Familie besucht die Großeltern. Oder Oma und Opa werden zum Weihnachtsschinkenessen eingeladen, um danach gemeinsam mit den Kindern den Weihnachtsmann zu erwarten. Und der kommt garantiert, bekanntlich ist er in Finnland zu Hause. Die am Heiligabend erhaltenen Geschenke dürfen erst am Weihnachtstag den Spielkameraden vorgeführt werden.

Zu Weihnachten, oder zumindest am Heiligabend, versinkt Finnland in feierliche Erstarrung. Die Geschäfte schließen am Heiligabend schon mittags, das dichte öffentliche Verkehrsnetz stellt den Betrieb ein, und die Restaurants machen dicht. In Turku, der vormaligen Hauptstadt, wird in mittelalterlicher Manier der Weihnachtsfrieden für das ganze Land ausgerufen - eine symbolische, aber für Finnen höchst bedeutsame Zeremonie. Erst am 2., heute teilweise auch schon am 1. Weihnachtstag, erwacht das Land wieder zum Leben.

Im Advent sind sog. Kleine Weihnachtsfeiern angesagt, die mit Feiern viel und mit Weihnachten wenig zu tun haben. Diese vorweihnachtlichen Feten sind vor allem in der Geschäftswelt und in Organisationen, von den Pfadfindern bis zu parlamentarischen Gruppen, sehr beliebt. Als Betriebsfeiern sorgen sie in der Belegschaft für Stimmung und bieten Gelegenheit zu inoffiziellen Aussprachen. Die letzten Wochen vor Weihnachten sind in Finnland Partytime.

Der Karneval der Kleinen Weihnachtsfeiern wird nur von dem zeremoniellen Ernst der Unabhängigkeitsfeierlichkeiten am 6. Dezember unterbrochen. Dieser Tag wird mit patriotischem Pathos begangen. In den Fenstern werden Kerzen entzündet zum Angedenken an die Männer und Frauen, die für die Erreichung der Unabhängigkeit des Landes ihr Leben gelassen haben. Finnland wurde 1997 80 Jahre alt.