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Wiederkehr des Holzteers
Das grüne Gold Finnlands wurde früher nicht nur zu Papier und Bohlen verarbeitet. Teer war die erste Handelsware des Landes. Zu jener Zeit bestanden die großen Handelschiffe aus Holz und wurden mit Teer abgedichtet. Und Finnland war der größte Teerexporteur der Welt. Das Teergeschäft wurde im großen Umfang von Anfang des 17. Jahrhunderts bis zum 1. Weltkrieg betrieben.

Die Kunst des Teerschwelens ist schon seit Beginn der Zeitzählung bekannt. Im Gefolge römischer Eroberungszüge verbreitete sie sich quer durch Europa bis zu den Ostseeländern. Je größer die Welthandelsflotte anwuchs, desto mehr Teer wurde benötigt. Als die Nadelwälder südlich der Ostsee weitgehend abgeholzt waren, verschob sich das Zentrum des Teererzeugung nach Finnland. In Spitzenjahren wurden von Finnland über 200 000 Fass Teer verschifft, was rund 250 000 Hektolitern entspricht.

In Finnland wurde der begehrte Rohstoff in Grubenmeilern gewonnen - anders als in südlicheren Ländern, wo Brennöfen dafür benutzt wurden. Der Grubenteer galt als hochwertiger. Teer wurde für die verschiedensten Zwecke gebraucht. Der Großteil des Exportteers wurde zum Schutz von Schiffen und deren Takelage verwendet. In Finnland wurden überdies alle draußen benutzen Geräte eingeteert: Schlitten, Karren, Boote, Werkzeuge. Mit Teer wurden Dächer abgedichtet, geteerte Schindeldächer überdauerten Jahrhunderte. Die Altvorderen benutzten Teer bei der Hautpflege, bei Husten und anderen Beschwerden. Auch Tierkrankheiten wurden mit Teer behandelt.

Die Teermeiler erloschen nach und nach, als die Zeit der Holzschiffe abgelaufen war. In Finnland wurden Stämme zu Bohlen und Balken verarbeitet, für die, bei weniger Arbeit, ein besserer Preis zu erzielen war. 1835 überstieg der Wert des exportierten Schnittholzes den des Teers.

Größter Grubenmeiler der Welt

Heute ist Teer wieder im Kommen, er ist schließlich ein natürliches Produkt für die Behandlung von Holzflächen. In den letzten Jahren wurde die Teerschweltradition wieder belebt, vorwiegend bei sommerlichen Vorführungen für Touristen. Als begleitende Produkte werden Teerspeiseeis, Teershampoo, Teerseife und sogar Teerkonfekt angeboten. Der Grubenteer findet reißenden Absatz. Wo größere Mengen verfügbar sind, kaufen Kirchengemeinden sie auf, um die Schindeldächer ihrer Kirchen und Glockentürme einzuteeren.

Im Dorf Lentiira, in der traditionellen Teermeilerregion Kainuu, wurde letzten Sommer die größte Teerschwelgrube der Welt abgebrannt. Das war ein hartes Geschäft. Schon zwei Jahre vorher begann man, dafür Kienstubben und harziges Kiefernholz zusammenzutragen. Die Grube rauchte zwei Wochen und lieferte neben 35 000 Liter Teer 8 000 Liter weitere Destillate.